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Wermelskirchen
Politik hat noch keine Brandschutz-Lösung

Wermelskirchen: Politik hat noch keine Brandschutz-Lösung
Beim Brand in Lüdorf rettete die Feuerwehr am vergangenen Donnerstag einen 67-jährigen Bewohner aus dem Dachstuhl des Wohnhauses. FOTO: Radermacher
Wermelskirchen. Wie muss die Feuerwehr aufgestellt sein, um Feuer in den Außenortschaften rechtzeitig zu löschen? Zu dieser Frage gibt es noch keinen politischen Konsens. Sogar Verwaltungsspitze und Kämmerei sind unterschiedlicher Meinung. Von Sebastian Radermacher

Beigeordneter Jürgen Graef nahm den Brand in Lüdorf vergangene Woche als Beispiel, um den Politikern zu verdeutlichen, warum eine funktionierende Feuerwehr so wichtig ist: Bei dem Feuer musste der 67-jährige Bewohner im Dachgeschoss aus den Flammen gerettet werden. "Die Drehleiter war erst 13 Minuten nach der Alarmierung vor Ort - viel zu spät", betonte Graef im Haupt- und Finanzausschuss. Der Mann konnte zum Glück durchs Treppenhaus in Sicherheit gebracht werden.

Laut Graef muss die Feuerwehr so aufgestellt sein, dass sie auch in den Außenortschaften wie Dhünn oder Dabringhausen rechtzeitig am Einsatzort sein kann, um Menschenleben zu retten - dafür brauche es ausreichend Personal, eine zweite Drehleiter und eine Wache in Dabringhausen. Nur so ließen sich die im Brandschutzbedarfsplan festgelegten Hilfsfristen (die erste Gruppe nach acht Minuten am Einsatzort, die zweite nach 13 Minuten) einhalten, und zwar in 80 Prozent der Einsätze.

Beim Thema Brandschutz geht es natürlich um die Sicherheit der Menschen. Es geht aber auch um eine Menge Geld. Beim Brandschutz sind sogar Verwaltungsspitze und Kämmerei unterschiedlicher Meinung. Wie teuer eine zweite Wache in Dabringhausen wäre und wie hoch bereits jetzt die Personalkosten für die Feuerwehr sind, verdeutlichte Kämmerer Bernd Hibst. Demnach sind die Personalaufwendungen seit 2007 um satte 338 Prozent von 718.000 Euro auf mittlerweile 2,4 Millionen Euro gestiegen. Zum Vergleich: Die Kosten in der übrigen Stadtverwaltung stiegen in diesem Zeitraum um lediglich 14 Prozent. Außerdem hat Hibst die Kosten der Feuerwehren im Bergischen verglichen: In dieser Rangliste wird deutlich, dass die Wermelskirchener Feuerwehr zu den teuersten in der gesamten Region gehört. Der jährliche Zuschussbedarf ist laut Hibst von 1,3 Millionen Euro (2007) auf 4,2 Millionen Euro (2016) gestiegen.

Diese Zahlen ließen die Politiker schlucken. Es wurde deutlich, dass die Entscheidung zum Brandschutz eine der schwierigsten und wichtigsten der nächsten Jahre sein wird. Einerseits herrscht Einigkeit in der Politik, dass es den bestmöglichen Brandschutz im gesamten Stadtgebiet geben soll und dass die Feuerwehr dafür bestmöglich ausgestattet wird. "Andererseits müssen wir den Bürgern aber auch die Konsequenzen unserer Entscheidungen verdeutlichen, denn ein Beschluss würde Grundsteuererhöhungen nach sich ziehen", sagte Henning Rehse (WNKUWG).

In der Diskussion beschäftigten die Politiker vor allem folgende Fragen: Warum ist die Wermelskirchener Feuerwehr so viel teurer als die Wehren um Umkreis? Ist der einzige Grund, dass in anderen Städten (fast) keine hauptamtlichen Feuerwehrleute tätig, sondern viel mehr Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr verfügbar sind? Welche Spielräume gibt es, um die Kosten in Wermelskirchen zu senken? Rehse und Jürgen Manderla (FDP) regten an, durch einen Juristen bewerten zu lassen, was die Stadt beim Thema Brandschutz leisten müsse. Jochen Bilstein (SPD) meinte, dass ein Jurist eine solche Bewertung nicht liefern könne, schließlich lege der Stadtrat die Standards beim Brandschutz fest. Manfred Schmitz-Mohr schlug die Bewertung durch einen "Controller" vor, der Möglichkeiten aufzeigen soll, wie man die Kosten senken könne. Dieser Vorschlag traf auf Zustimmung. Ebenso herrschte Einigkeit, dass schnellstmöglich eine Entscheidung getroffen werden muss. Schließlich wurde der Brandschutzbedarfsplan bereits 2013 beschlossen, bislang wurde aber noch keine Maßnahme umgesetzt. Verwaltungsspitze und die Fraktionsvorsitzenden werden jetzt für die Ratssitzung am kommenden Montag eine neue Beschlussvorlage erarbeiten, mit der hoffentlich alle Beteiligten leben können.

Quelle: RP
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