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Wermelskirchen
Politik ohne Plan für die Telegrafenstraße

Wermelskirchen. Zwei Projekte - gegenläufiger Radverkehr und der Stopp des Durchgangsverkehrs - sind gescheitert. Die Verwaltung soll jetzt ein Konzept aus dem Hut zaubern. Doch im Rathaus weiß man nicht, was die Mehrheit überhaupt will. Von Udo Teifel

Die Stadt Wermelskirchen sei doch wunderschön - wenn es nicht die vielen Autos gäbe. Sie würden nicht die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten beachten, würden zum Beispiel an der Jörgensgasse vom Kreisel aus gegen die Einbahnstraße fahren und parkten auf der Telegrafenstraße kreuz und quer - ohne Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer. Wermelskirchen sei keine fußgängerfreundliche Stadt, findet BM-Leserin Heidi Knupfer. Da helfe auch nicht der Umbau der Innenstadt.

Wermelskirchen und seine Innenstadt. Besser: Wermelskirchen und seine Telegrafenstraße. Das Verkehrstheater ist längst zur Posse geworden, seit die Politiker nach den ersten zweieinhalb Wochen eine Pilotphase stoppten mit dem Ziel: freie Durchfahrt für Autos.

5000 Fahrzeuge in 24 Stunden waren bei einer Verkehrszählung notiert worden, die durch die Telegrafenstraße fuhren. Darunter 1600, die die Telegrafenstraße nur als Durchgangsstraße nutzen. Dafür war eigentlich der Brückenweg für einen hohen sechsstelligen Betrag ausgebaut worden; doch wenn man schneller durch die Telegrafenstraße bis zur Eich kommt, warum dann über den Brückenweg fahren? Geschwindigkeitsüberwachungen sind höchst selten, und an Tempo 20 halten sich die allerwenigsten. Dabei hatte die Bezirksregierung den Politikern ins Aufgabenbuch geschrieben, für mehr Aufenthaltsqualität für Fußgänger zu sorgen - Flanieren war das Stichwort.

Doch Blech bestimmt das Bild. Geparkt wird auf den breiten Bürgersteigen, geahndet wird dies äußerst selten. "Es ist keiner da, der Knöllchen verpasst", ärgert sich auch Heidi Knupfer. Auch die Polizei griffe nicht ein, wenn falsch geparkt würde. Die Mehrheit der Politik - CDU, Bürgerforum und der fraktionslose Klaus Zippmann - waren gegen das Projekt, den Durchgangsverkehr zu stoppen. Nachdem sich nun plötzlich die WNKUWG enthielt, kippte das Pilotprojekt. Seitdem hat sich die örtliche Politik den Begriff einer "Lachnummer" eingehandelt.

Nach der Aufhebung des gegenläufigen Radverkehrs - damit sollte auch der Tourismus auf der Balkantrasse gefördert werden -, ist dies nun der zweite Schlag ins Kontor. Doch wohin geht der Weg? Die CDU als Wortführer des Stopps des Pilotversuchs hat es sich laut Bürgermeister Rainer Bleek einfach gemacht: Die Verwaltung solle jetzt ein Konzept entwerfen für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer. "Das ist doch Augenwischerei. Was haben wir denn bislang anderes gemacht?"

Die Verwaltung, so machte Bleek im BM-Gespräch klar, sei dabei, die Verkehrsplanung umzusetzen. Der erste Schritt sei der Pilotversuch gewesen, 1600 Fahrzeuge aus der Telegrafenstraße rauszuhalten. Das ist gescheitert. Beim zweiten Schritt geht es um den Parkraum. Da soll Anfang Februar drüber gesprochen werden. "Wohin die Reise geht, ist offen. Ich habe keine Vorstellung, was die Politik für eine Zielsetzung für die Innenstadt hat", gesteht Bleek.

Die Politik hätte jetzt die Verpflichtung zu sagen, was sie will: Dauerparkplätze, kostenfreie Parkplätze oder ein dynamischer Umschlag für die Innenstadt. Oder gar Bewirtschaftung. "Ich weiß es nicht. Da ist es schwer zu handeln."

Den gegenläufigen Radverkehr zu stoppen, aber mehr Tourismus in der Innenstadt zu wollen, sei ein Widerspruch. Er spüre inzwischen eine leichte Gegenbewegung, die ihm in persönlichen Gesprächen vorschlägt, die Telegrafenstraße doch einfach zuzumachen - und in eine Fußgängerzone umzuwandeln. "Ob das die Hardliner der CDU mittragen? Sie haben sich ja über 50 Jahre daran gewöhnt durchzufahren. Wie der Durchgangsverkehr nun ferngehalten werde, wisse er im Moment nicht. Er überlegt, stärker die Geschwindigkeit zu überprüfen. Aber ob das hilft?

Quelle: RP
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