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Wermelskirchen
Polizeiwache vor Ort ist Vergangenheit

Wermelskirchen: Polizeiwache vor Ort ist Vergangenheit
Wachleiter Andreas Weilermann verpackte gestern Morgen die letzten Umzugskartons. Ein Umzugsunternehmen transportierte die Kartons nach Hilgen. Die beiden Bezirksbeamten richten sich im Wachtrakt ein und bieten Sprechstunden an. Ob die Bezirksanlaufstelle dauerhaft in dem Gebäude bleibt, müssen Polizei und Stadt noch klären. FOTO: Singer
Wermelskirchen. Die letzten Kartons wurden gestern Morgen aus dem Gebäude an der Telegrafenstraße nach Hilgen transportiert. Zwei Bezirksbeamten bleiben mit einem Fahrzeug vor Ort stationiert. Sie richten sich zunächst im alten Wachtrakt ein. Von Stephan Singer

Gestern Morgen ging es auf der Wermelskirchener Polizeiwache an der Telegrafenstraße ein letztes Mal hoch her. Grund waren hierfür nicht etwa verschiedene Einsätze - diese wurden bereits von der neuen Wache in Hilgen koordiniert. Es waren die letzten Stunden vor dem endgültigen Auszug der Polizeikräfte.

Da waren von den Wänden gerückte und geleerte Aktenschränke zu sehen, in den Fluren standen befüllte oder noch zu beladenen Umzugskartons herum. In den Räumen wuselten die Mitarbeiter eines Umzugsunternehmens eilig, aber mit sicheren Handgriffen umher. Dazu gesellten sich Polizeibeamte, die ausräumten, packten und Kartons markierten: Blau für "Muss in die neue Wache", Rot für "Geht in die Entsorgung" und Grün für "Muss ins Lager nach Bergisch Gladbach".

Mittendrin hatte Wachleiter Andreas Weilermann alle Hände voll zu tun: Einige der Spinde im Keller waren seit Jahren nicht mehr benutzt worden, die zugehörigen Schlüssel nicht auffindbar. Also wechselte Weilermann ausnahmsweise die Seiten und brach die Spinde kurzerhand mit einem Schraubendreher auf, um den Inhalt zu prüfen. Abenteuerliche Funde machte der 52-jährige dabei allerdings nicht. Genauso wie die von den Beamten zuletzt genutzten und nun geleerten Spinde, waren auch die verschlossenen meist ohne Inhalt.

"Nur zwei etwa 20 Jahre alte Einsatzhelme habe ich gefunden", sagte Weilermann, der zwischendurch auch mal etwas in Aufruhr war: "Beinahe wären die sichergestellten Dinge aus der Aservatenkammer dem Umzugsunternehmer und seinem Team mitgegeben worden. Das geht natürlich nicht. Das sind Beweismittel, die müssen wir mit entsprechender polizeilicher Sensibilität behandeln." Letztlich transportierten die Beamten diese Dinge, darunter sichergestellte Fahrräder, mit einem Transporter selbst nach Hilgen.

Gleiches geschah mit den Dienstwaffen: "Jeder Beamte hat seine Waffe eigenverantwortlich und eigenhändig transportiert. Um die vier weiteren Dienstwaffen und meine eigene kümmere ich mich", betonte Weilermann. Fast hätte er in dem ganzen Umzugsstress seine Waffe im Panzerschrank liegen gelassen. Auch wenn die Umzugshelfer den Schrank schon von der Wand gewuchtet hatten, konnte der Wachleiter seine Pistole noch rechtzeitig an sich nehmen.

"Ich bin froh, wenn ich demnächst keine Umzugskartons mehr sehen muss", sagte Weilermann und lachte. Der Dienstbetrieb in Hilgen läuft seit Anfang der Woche. Zuerst ist die Wache aus Leichlingen dorthin gezogen, gestern folgten die Wermelskirchener. "Die neue Wache ist top-modern, nicht zuletzt der Gewahrsam mit drei Zellen", sagt Weilermann. In Hilgen können sich die Beamten über neues Inventar freuen, die alten Möbel mit 80er-Jahre-Charme landen auf dem Müll. Dennoch kamen allein aus der Wache an der Telegrafenstraße 250 Umzugskartons zusammen, dazu noch 100 vom Kriminal- und Verkehrs-Kommissariat. Umzugsunternehmer Christian Helkenberg sah dies alles gelassen: "Das ist nichts Besonderes für uns. Wir realisieren tagtäglich Umzüge."

Die beiden Bezirkspolizeibeamten Frank Preyer und Andreas Bruns bleiben mit einem Polizeifahrzeug vor Ort stationiert. "Sie werden sich zumindest bis März im alten Wachtrakt einrichten und auch Sprechstunden anbieten. Wir sind im Gespräch mit der Stadtverwaltung als Vermieter des Gebäudes und werden sehen, ob die Bezirksbeamten hier dauerhaft bleiben können. Danach sieht es im Moment aus - sie bleiben auf jeden Fall in der Innenstadt", betonte Weilermann.

Gegen 11 Uhr war die Wache in Wermelskirchen endgültig Geschichte: Dann schloss er die Eingangstür ab und fuhr nach Hilgen.

Quelle: RP
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