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Wermelskirchen
Polizist lebt mit der Niere seiner Frau

Wermelskirchen: Polizist lebt mit der Niere seiner Frau
Monika Wätzold hat ihrem Mann Dirk eine Niere gespendet. "Dass die Niere meiner Frau passend war, ist für mich der Beginn eines neuen Lebens." FOTO: Moll
Wermelskirchen. Dirk Wätzold aus Wermelskirchen und seine Gattin Monika beginnen jetzt nach einem "Sechser im Lotto" ein neues Leben. Beide fordern alle Mitmenschen zur Organspende-Bereitschaft auf. Von Stephan Singer

Wer dem Wermelskirchener Ehepaar Wätzold begegnet, trifft auf eine eng verbundene Einheit, die friedliche Ruhe und heimelige Geborgenheit ausstrahlt. Beide scheinen das größte Glück auf Erden gefunden zu haben. Dank einer Nierentransplantation kann Dirk Wätzold nach nur einem halben Jahr fast wieder ein weitgehend normales Leben ohne Abhängigkeit von der Dialyse führen. Das Organ, das dem Polizeibeamten im Juni eingesetzt wurde, stammt von seiner Frau Monika.

"Die Niere hat schnell wieder gearbeitet, alles hat super geklappt - quasi wie im Bilderbuch", sagt Dirk Wätzold mit strahlenden Augen. Der 55-Jährige ist sich sicher, einen "Sechser im Lotto" gewonnen zu haben: "Dass die Niere meiner Frau passend war, ist für mich der Beginn eines neuen Lebens." Seine 53-jährige Ehefrau ergänzt: "Wir beide würden alles füreinander tun."

Deshalb sei für sie im Dezember des vergangenen Jahres, als das Nierenversagen bei ihrem Mann einsetzte, klar gewesen, sich sofort als mögliche Spenderin zur Verfügung zu stellen. Das habe den Prozess natürlich immens beschleunigt, weil keine Warteliste nötig wurde und alle Verfahrensschritte schnell abgewickelt werden konnten. Als die Nachricht der zuständigen Ärztin aus dem Bochumer Knappschaftskrankenhaus telefonisch in Wermelskirchen ankam, dass Monikas Niere passend für den Körper ihres Mannes sei, sagte die Medizinerin zu Dirk Wätzold: "Sie können einen Sekt aufmachen." Denn dass die Niere eines Ehepartners "kompatibel" ist, hat Seltenheitswert. Nach diesem bedeutenden Anruf flossen bei Wätzold die Freudentränen.

Vor der Transplantation im Juni 2017 musste der gebürtige Wermelskirchener, der im Innendienst des Verkehrskommissariates auf der Polizeiwache in Hilgen arbeitet, dreimal wöchentlich für vier bis fünf Stunden an die Dialyse. "Das ist ganz schön lästig", erinnert er sich. Der 55-Jährige möchte so schnell wie möglich wieder arbeiten - vielleicht schon in zwei Wochen. Zeit seines Lebens wird Dirk Wätzold Medikamente nehmen müssen, damit sein Körper seine neue Niere nicht abstößt. Die nötige Dosierung wird jetzt eingestellt, soll idealerweise auf das geringstmögliche Maß reduziert werden.

Auch wenn die Wätzolds ein Ehepaar sind, mussten sie für die Operation den vorgeschriebenen Weg gehen. "Wir wurden beide von den Ärzten komplett auf den Kopf gestellt, um die Möglichkeit einer Organtransplantation zu sichern", erzählt Monika Wätzold. Dazu gehörte auch ein Vorsprechen bei der Ethikkommission der Ärztekammer in Essen. "So soll Schindluder vermieden werden." Das sei richtig so, meinen Monika und Dirk Wätzold und fügen an: "Wir haben uns im Krankenhaus ganz hervorragend aufgehoben gefühlt und sehr gewissenhafte Ärzte erlebt."

Monika Wätzold, die beim Kölner Amtsgericht arbeitet, hat nach der Transplantation keinerlei Einschränkungen, sie wird nun aber drei Jahre medizinisch betreut. Ihr Mann merkt, im Gegensatz zu früher, nun deutlich, dass die Niere in seinem Körper arbeitet. "Für uns wird das aber immer normaler. Es ist weniger im Alltag präsent und keine Belastung, es gehört dazu", sagt der Wermelskirchener, der 1994 nur knapp einen schweren Autounfall überlebte. Im Anschluss lag er sechs Wochen im Koma, hatte elf Bauchoperationen und verbrachte insgesamt ein Jahr im Krankenhaus. Eine Beinprothese und Diabetes waren langfristige Folgen des Unfalls, das Nierenversagen eine Spätfolge. Als Polizist im Verkehrskommissariat erfährt er von ähnlich dramatisch Ereignissen. "Ich persönlich habe mit meinem Unfall abgeschlossen. Ich bin dankbar, überlebt zu haben. Dadurch kann ich mich ganz gut in Unfallopfer oder deren Angehörige hineinversetzen."

Monika und Dirk Wätzold ist ein Appell besonders wichtig: "Wir haben einen Organspenderausweis in der Tasche - jeder sollte einen haben." Für Deutschland wünscht sich das Ehepaar die Widerspruchslösung, die von der Organspende-Bereitschaft eines jeden ausgeht, solange kein Widerspruch vorliegt.

Quelle: RP
 
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