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Wermelskirchen
Popmusik ist die sakrale Musik von heute

Wermelskirchen: Popmusik ist die sakrale Musik von heute
Chorleiterin Katrin Wengler hat an einer erstmals angebotenen Ausbildung zur "C-Kirchenmusikerin für Popularmusik" erfolgreich teilgenommen. FOTO: Stephan Singer
Wermelskirchen. Chorleiterin Katrin Wengler ist neuerdings C-Kirchenmusikerin für Popularmusik. Den Chor "Up to Date" leitet die Hausfrau und Mutter von drei Kindern seit mehr als 25 Jahren. Sie sieht in ihrer Tätigkeit einen Teil Jugendarbeit. Von Eva Budde-Jandt

"One, two, three, four!" Nach dem schwungvollen Einzählen setzt der Chor "Up to Date" auf Katrin Wenglers Dirigat beherzt ein. "Macht mir bitte ein schönes ,a' ", fordert die Chorleiterin. "Und das ,th' ist bitte kein ,s', oder was immer ihr daraus noch Schreckliches machen wolltet", verbessert sie mit einem Augenzwinkern die englische Aussprache. "Ganz zum Schluss bitte auf meine Handzeichen gucken - jetzt gucken", feuert sie die 40-köpfige Sängergruppe weiter an und warnt: "Wenn wir das bei der Gospel-Nacht im Juni gemeinsam mit anderen Chören singen, dann sitzt der Dirigent am Klavier und benutzt den Kopf zum Dirigieren. Also aufpassen."

Mit Feuereifer sind die Sänger dabei, die Augen in höchster Konzentration auf die energische Chorleiterin gerichtet, die ganz von Musik erbebt. Der Ruf nach einer Choreographie wird laut. Wengler winkt ab: "So lange wir nicht jeden Konsonanten super exakt zusammenhaben, denken wir überhaupt nicht an sowas." - "Lovely day, lovely day...", erklingt es, und das beherrschen die Sänger sogar ganz ohne Noten.

Seit mehr als 25 Jahren läuft es in jeder Probe, die Wengler leitet, so oder ähnlich ab - und doch ist in 2016 auf einmal alles neu beim "Jungen Chor" der evangelischen Kirchengemeinde Dabringhausen. Anfang des Jahres wurde die Chorprobenzeit nach über 30 Jahren vom Sonntag- auf den Dienstagabend verlegt, viele neue Sänger sind daraufhin zum Chor dazugestoßen, und: Der Chor hat jetzt eine offizielle C-Kirchenmusikerin für Popularmusik vor sich stehen.

Die tief im Dabringhausener Gemeindeleben verwurzelte Hausfrau und Mutter dreier Kinder hat als eine von 20 Teilnehmern zwischen 20 und 60 Jahren eine zwei Jahre dauernde berufsbegleitende Ausbildung der evangelischen Landeskirchen Rheinland und Westfalen absolviert, die in dieser Form zum ersten Mal angeboten wurde.

Besonders intensiv mitgewirkt hat der Kantor, Dirigent und Pianist Christoph Spengler aus Remscheid an der Einsetzung dieser Ausbildung. "Popmusik ist sakrale Musik von heute, und die macht man nicht mal eben so", erklärt der ebenfalls als Hochschuldozent in Köln tätige Spengler. "Wer sie vermittelt, muss vernünftig ausgebildet sein." In seinem Gospelchor "Mixed Generations" singt Katrin Wengler selbst mit, ebenso ist Spengler ihr Klavierlehrer. Außerdem musste sie für die C-Ausbildung auch noch Solo-Gesangsunterricht nehmen.

Zunächst war sich die 45-Jährige nicht ganz sicher, ob diese Ausbildung etwas für sie ist. Besonders das Abschlussexamen flößte Respekt ein: "Meine letzte Prüfung war schon über 20 Jahre her." Als sie jedoch das Pfarrerehepaar Mielke, zu dem sie ein sehr gutes Verhältnis pflegt, um Rat fragt, bekommt sie jedoch Zuspruch: "Das musst du machen", sagte ihr Rüdiger Mielke. "Da gibt es jetzt so eine tolle neue Ausbildung, und wir sind dabei", habe sich der Pfarrer gefreut. Die vorbehaltlose Rückendeckung ihres "Teils der Jugendarbeit", wie sie es selbst bezeichnet, schlug sich auch in finanzieller Unterstützung der Ausbildung nieder.

Erleichtert stellt Wengler fest: "Ich habe eigentlich das gelernt, was ich schon immer gemacht habe, und das war zum Glück gar nicht so falsch." Bereichert haben sie auch neue Bekanntschaften und großes Wissen, besonders im Bereich der Musikgeschichte. "Ich bin sehr froh, dass ich erfahren konnte, dass man auch in meinem Alter noch lernen kann."

Ob sie noch mit 65 den "jungen Chor" leiten wird? "Jung müssen nicht die Sänger sein, sondern jung sind unsere Lieder", berichtigt Wengler. Wenn es nach ihr geht, bleibt in der Dabringhausener Gemeinde alles beim Alten. Den Chor will sie selbstverständlich weiter ehrenamtlich leiten, genauso wie sie über 20 Gottesdienste der Gemeinde jedes Jahr musikalisch an Klavier und Gitarre oder mit dem Chor gestaltet. An ihrer Seite hat sie oft ihre 17-jährige Tochter Dana, die den Chor am Klavier begleitet oder mal die Mutter vertritt. Begeistert schwärmt Wengler von der singfreudigen Gemeinde. Überhaupt will sie gern noch öfter ganz neue christliche Lieder in den Gottesdienst einbringen, ohne dabei auf die alten Choräle zu verzichten: "Die Verbindung von alten und neuen Gesängen ist ganz wichtig. Und bei uns klappt das super."

Quelle: RP
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