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Wermelskirchen
Praxisschließung trifft 1000 Patienten

Wermelskirchen. Seit dem Tod von Thomas Sachser hat dessen Frau Maike versucht, einen Nachfolger zu finden - vergeblich. Jetzt muss sie einen Schlussstrich ziehen: Ende September schließt die Praxis. 1000 Patienten müssen sich einen neuen Hausarzt suchen. Von Sebastian Radermacher

Maike Sachser hat sich in den vergangenen Monaten oft an einen Satz ihres Mannes Thomas erinnert: "Wenn mir einmal etwas zustoßen sollte, hast Du die Praxis als Sicherheit." Seit dem plötzlichen Tod von Thomas Sachser im November des vergangenen Jahres hat die 42-Jährige versucht, einen Arzt zu finden, der die gut funktionierende Praxis des Facharztes für Allgemeinmedizin an der Thomas-Mann-Straße übernimmt. Vergeblich.

Daher muss die Wermelskirchenerin jetzt einen Schlussstrich ziehen, denn die Frist für eine Nachfolgeregelung läuft aus. "Ich habe den Mietvertrag zum 30. September gekündigt", sagt Sachser. Die beiden Ärzte Dr. Gunhild Kirch-Heidelberg und Dr. Alfred Möllers, die seit dem Tod Sachsers die Patienten behandelt haben, werden nur noch bis Ende August in der Praxis tätig sein.

Das Ausmaß der Schließung ist verheerend: 1000 Patienten müssen sich einen neuen Hausarzt suchen. "Wir haben die anderen Praxen in der Stadt darüber informiert und die Ärzte gebeten, unsere Patienten aufzunehmen. Denn sie können einfach nichts dafür", sagt Sachser.

Sie dankt dem Vermieter und vor allem den Patienten, die nach dem Tod ihres Mannes der Praxis treu geblieben sind. "Es ist toll, dass sie so zu uns gehalten haben." Gerne würde sie nun dafür etwas zurückgeben. "Ich habe mir so sehr gewünscht, dass die Patienten weiter versorgt werden und die Praxis in gute Hände übergeben wird - doch der Markt ist sehr schwierig", bedauert sie. Dabei waren die Voraussetzungen für einen Nachfolger ideal: 1000 Patienten, renovierte Räume, vorhandenes Personal - "es war alles vorbereitet, ein Nachfolger hätte nur noch zusagen müssen", sagt Maike Sachser.

Es habe auch Gespräche mit einigen Interessenten gegeben. Und die Konditionen für einen Verkauf seien fair gewesen. Doch mehr als sie monatelang hinzuhalten und dann doch abzusagen, sei nicht herauskommen. Nicht nur für Maike Sachser ist die Situation unverständlich. Auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die die 42-Jährige sehr unterstützt hat, sei ratlos. "Laut KV fehlen Hausärzte-Stellen in Wermelskirchen", sagt sie. Und obwohl die Praxis laut KV wie eine Sahnetorte sei, die man einfach nur nehmen müsse, findet sich kein Nachfolger.

Was sind die Gründe dafür? "Viele Ärzte wollen wohl das Risiko einer eigenen Praxis nicht mehr eingehen. Sie arbeiten zum Beispiel lieber als Angestellte in einem Medizinischen Versorgungszentrum, von denen immer mehr aus dem Boden schießen", sagt Maike Sachser und fügt an: "Es fehlen einfach Anreize für Ärzte, sich hier niederzulassen."

Die 42-Jährige bittet nun, dass die Patienten bis Ende September ihre Akten abholen. Bis dahin werde sie auch versuchen, das Inventar zu veräußern. "Wenn eine Praxis aus der Stadt Bedarf hat, soll sie sich einfach melden", sagt die gelernte Krankenschwester. Die Schließung ("eine Katastrophe") könne nur noch durch ein Wunder verhindert werden, sprich, wenn sich doch noch ein Nachfolger finde. Danach sieht es aber nicht aus.

Die vergangenen Monate seien für sie und ihre sechs Kinder sehr belastend gewesen. Umso wichtiger war die Unterstützung durch Familie und Freunde, vor allem bei der Feuerwehr, in der Thomas Sachser aktiv war. "Ich bin froh, dass der Schwebezustand jetzt vorbei ist", sagt Maike Sachser.

Quelle: RP
 
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