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Thema Flüchtlingssituation In Wermelskirchen
Prognose: 1872 Flüchtlinge in einem Jahr

Thema Flüchtlingssituation In Wermelskirchen: Prognose: 1872 Flüchtlinge in einem Jahr
Blick in die Mehrzweckhalle Dabringhausen: 150 Flüchtlinge werden dort untergebracht. Die Stadt lädt für Montag, 21. September, 19 Uhr, Turnhalle der Grundschule Höferhof, zu einer Bürgerversammlung ein. FOTO: stephan Singer
Wermelskirchen. Die Zuweisung von immer mehr Flüchtlingen stellt Stadt und Politik vor eine riesige Herausforderung. Es herrscht Einigkeit: Wermelskirchen muss diesen Menschen helfen. Erste Pläne für neue Unterbringungsmöglichkeiten wird der Rat beschließen. Von Sebastian Radermacher

Wermelskirchen Nach der Ankündigung der Bezirksregierung, dass innerhalb kürzester Zeit 150 Flüchtlinge Wermelskirchen erreichen werden, haben zahlreiche Helfer von DRK, THW und Feuerwehr die Mehrzweckhalle Dabringhausen in einer kurzfristigen Aktion ohne Vorlaufzeit als Erstaufnahmestelle hergerichtet. Die für Donnerstagabend angekündigte Ankunft der Menschen verzögerte sich immer wieder. Gestern Abend hieß es, dass die Flüchtlinge heute Mittag in Dabringhausen ankommen sollen.

Die Stadtverwaltung informierte gestern Nachmittag die Vorsitzenden der Fraktionen über die Hintergründe der Einrichtung einer Erstaufnahmestelle und erläuterte Einzelheiten zur Flüchtlingssituation in Wermelskirchen. Dabei wurde deutlich: Die Zahl der Menschen, die durch das Land zugewiesen werden, wird in nächster Zeit weiter zunehmen. Die Stadt geht davon aus, dass innerhalb eines Jahres 1872 Flüchtlinge in Wermelskirchen untergebracht werden müssen. Die Verwaltung hat einen ersten Plan erstellt, wie weitere Möglichkeiten zur Unterbringung geschaffen werden können.

Fotos: Flucht zu Fuß von Budapest nach Österreich FOTO: dpa, ase

Zum einen hat sie mehrere Mietobjekte ins Auge gefasst, zum Beispiel den Pavillon der Realschule, eine Halle der Firma Provita, Mietwohnungen an der Neuschäferhöhe oder im Ausländerzentrum an der Thomas-Mann-Straße. Etwa 155 Flüchtlinge könnten auf diese Weise versorgt werden. "Außerdem müssen wir nachdenken, sogenannte Flüchtlingsdörfer zu bauen", verdeutlichte der Technische Beigeordnete Dr. André Prusa. Dafür brauche die Stadt Grundstücksflächen von mehr als 3000 Quadratmetern. Geplant sind Gebäude (Module) für jeweils 50 Personen an zunächst fünf Standorten - insgesamt könnte so Platz für 250 Menschen geschaffen werden. Die Stadt hat innerhalb kurzer Zeit 17 potenzielle Standorte überprüft. Infrage kämen laut Prusa die Sportplätze am Schwanen und in Tente sowie Flächen an der Hilfringhauser Straße, Mannesmannstraße, Beltener Straße oder am Vogelsang. "Die Liste ist noch größer. Wir prüfen viele Flächen und erstellen eine Prioritätenliste." Zwischenfazit: 405 Menschen könnten über diese geplanten Anmietungen und Flüchtlingsdörfer versorgt werden. "Es fehlen aber immer noch Unterkünfte für mehr als 1400 Menschen", verdeutlichte Prusa. Weiter sei die Planung nach dem jetzigen Stand aber noch nicht fortgeschritten.

Die Politiker gaben bereits gestern das deutliche Signal, dass ihre Fraktionen hinter dem Vorgehen der Verwaltung stehen - auch mit Blick auf die Nutzung der Mehrzweckhalle als Erstaufnahmestelle. "Diese Maßnahme tragen wir alle gemeinsam", betonte auch Bürgermeister Eric Weik. Er machte deutlich, dass die Situation große Einschränkungen mit sich bringe. "Wir können es aber nicht mehr anders lösen." Weik verteidigte das Vorgehen der Verwaltung, die betroffenen Vereine in Dabringhausen nicht eher informiert zu haben. "Dann hätte diese Nachricht im Dorf direkt die Runde gemacht. Wir haben die Realschule vorher auch nicht über unsere internen Pläne informiert."

Überladene Züge: Flüchtlinge auf dem Weg nach Zagreb FOTO: dpa, ab jak

Finanziell bedeutet die Unterbringung der Flüchtlinge eine enorme Mehrbelastung. Im städtischen Haushalt 2015 wurden die Ausgaben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz von knapp 1,5 Millionen Euro mittlerweile auf zwei Millionen Euro korrigiert. "Eine Prognose für 2016 ist zurzeit noch völlig unmöglich", sagte Weik. Für welche Kosten muss letztlich die Stadt aufkommen? "Wir gehen davon aus, dass wir alle Kosten vom Land NRW erstattet bekommen", betonte Weik. Das Land könne von Wermelskirchen nicht erwarten, dass in Zeiten des Haushaltssicherungskonzepts (HSK) die Stadt diese Kosten noch übernimmt. Wie lange die Mehrzweckhalle als Erstaufnahmestelle genutzt wird, ist ebenfalls noch unklar. "Diese Frage kann ich heute nicht beantworten", sagte Weik. Es sei aber ausgeschlossen, dass Karneval oder der Indoor-Markt in diesem Jahr dort stattfinden können.

Die Erstaufnahmestelle in der großen Halle in Dabringhausen betreibt ab sofort das DRK. Nach der Ankunft der Flüchtlinge werden jeweils etwa zehn Helfer in einem Zwei-Schicht-System im Einsatz sein und die Menschen versorgen.

Flüchtlingskinder: "Ich muss nach Deutschland, um zu leben" FOTO: afp, ak-iw
Quelle: RP
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