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Analyse
Prüfung der Denkmalwürdigkeit entwickelt sich zur politischen Posse

Analyse: Prüfung der Denkmalwürdigkeit entwickelt sich zur politischen Posse
Im April 2013 wurde die Obdachlosenunterkunft geräumt. Seither steht das Haus leer und verfällt immer mehr. Die Grünen wollen daraus ein Denkmal machen; die Stadt scheint dies zu unterstützen; der Landschaftsverband sieht die Kriterien indes nicht erfüllt. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Wermelskirchen. Die Stadtverwaltung sieht in dem Abbruchhaus an der Taubengasse einen "Kulturschatz", der Landschaftsverband Rheinland erklärt jetzt, die Denkmalschutzkriterien werden nicht erfüllt. Hier ist Klärungsbedarf seitens des Bürgermeisters dringend erforderlich. Von Udo Teifel

Wird die Diskussion um die Denkmalwürdigkeit des Gebäudes Berliner Straße 17 a (ehemalige Obdachlosenunterkunft) zu einer politischen Posse? Es hat den Anschein, denn, aus welchen Gründen auch immer, versucht die Stadtverwaltung, dieses Abbruchhaus zu erhalten. Vorgeschoben wird der Denkmalschutz. Doch die Kriterien dafür sind nicht erfüllt. Das ist das Ergebnis einer Stellungnahme des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland an die Untere Denkmalbehörde der Stadt Wermelskirchen vom 8. Dezember 2015.

Eigentlich hatte der Fachausschuss im Februar 2013 den Antrag der Grünen, das städtische Gebäude an der Taubengasse als Heimatmuseum zu verwenden, mit einer Elf-Stimmen-Mehrheit abgelehnt. Nur drei Ja-Stimmen - 2 Grüne, 1 Büfo - gab es dafür. Die Politik diskutierte Planungsmöglichkeiten für das Grundstück, die Stadtverwaltung stellte Bebauungsvarianten vor, es kam zu Gesprächen mit Investoren, die, wie es beim Kauf des Hauses 1983 von der Familie Becher geplant war, Parkplätze dort schaffen wollten. Doch die sind inzwischen abgesprungen, obwohl im April 2015 der Haupt- und Finanzausschuss mehrheitlich mit der Stimme der Grünen bei einer Gegenstimme (WNKUWG) beschloss, das Gebäude zu verkaufen. Dann kam im August der Grünen-Antrag, das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen.

Für den Politiker Henning Rehse war das Kapitel damit nicht abgeschlossen. Er verlangte Akteneinsicht, die ihm gewährt wurde, stellte daraufhin Fragen an die Stadtverwaltung, die ihm beantwortet wurden. Die Bergische Morgenpost berichtete. Das Ergebnis überraschte: Die Stadt erklärt, sie habe von Amts wegen den Prüfungsprozess eingeleitet. Das Interesse des Freilichtmuseums war Grund, von Amts wegen zu ermitteln. So weit, so gut.

Das Fazit der Stadt ließ manche tief durchatmen: Die Unterschutzstellung wird als Wertaussage betrachtet - ungeachtet möglicher hoher Kosten. Dieses verfallene Objekt sei "ein Kulturschatz der Stadt", heißt es. Diese Antwort schrieb die Stadt am 18. Dezember 2015 an Henning Rehse und auf die Anfragen der Bergischen Morgenpost. Kein Wort darin, dass der Landschaftsverband Rheinland längst, nämlich am 8. Dezember, der Unteren Denkmalbehörde mitgeteilt hatte, dass das Gebäude an der Taubengasse nicht die Denkmalkriterien erfüllt. Dies schrieb die Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland, Ulrike Lubek, auf eine Anfrage der Fraktion der Freien Wähler in der Landschaftsversammlung. Dieser Brief liegt der Redaktion vor.

Laut der Direktorin ist das LVR-Fachamt erstmals nach der Berichterstattung der Bergischen Morgenpost auf das Objekt im August aufmerksam geworden. Inhalt des Berichtes war der Antrag der Grünen. Bereits am 24. August bat die Untere Denkmalbehörde der Stadt den Landschaftsverband zu untersuchen, ob das Objekt den Kriterien des Denkmalschutzes erfülle. Am 5. November fand die Ortsbesichtigung des Objektes statt. Das Ergebnis erreichte die Stadt dann am 8. Dezember. Diese Antwort scheint indes nicht von öffentlichem Interesse, denn Rehse fand das Schreiben weder bei der Akteneinsicht, noch informierte die Stadt den Politiker über diesen doch wohl wichtigen Schriftwechsel.

Warum lag dieser Brief nicht bei den Akten? Was will die Stadt? Hier ist allmählich dringender Klärungsbedarf erforderlich.

Quelle: RP
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