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Wermelskirchen
"Psychiatrie ist nicht schlimm"

Wermelskirchen: "Psychiatrie ist nicht schlimm"
Willibert Pauels, als "Bergischer Jung" aus dem Kölner Karneval bekannt, begeisterte rund 150 Zuhörer bei seiner Autorenlesung im katholischen Pfarrzentrum wermelskirchen. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Wermelskirchen. Willibert Pauels präsentierte bei einer Autorenlesung sein Buch über den Umgang mit seiner Depressions-Erkrankung. Von Stephan Singer

Dass ein vorgeblich erfülltes, gesellschaftlich präsentes Leben viel mehr Seiten haben kann als die sprichwörtlichen zwei einer Medaille, zeigt das prominente Beispiel von Willibert Pauels. Der gebürtige Wipperfürther kam am Donnerstagabend zu einer Autorenlesung nach Wermelskirchen, um auf Einladung der katholischen Bücherei im Pfarrzentrum an der Kölner Straße vor knapp 150 Zuhörern sein Buch "Wenn dir das Lachen vergeht - Wie ich meine Depression überwunden habe" vorzustellen.

Darin verarbeitet Pauels seine Depressions-Erkrankung, die er als "schwarzen Hund" bezeichnet. Dank des Humors und der Bühnenpräsenz des Autors wurde deutlich: Er hat seine Depression überwunden, hat "die Bestie" in den Griff bekommen. Der 1954 geborene Pauels ist Sänger, Kabarettist sowie katholischer Diakon und dem Publikum vor allem als "Ne Bergische Jung" aus dem Kölner Karneval bekannt.

"Heute trete ich nur noch da auf, wo es schön ist - deshalb auch in Wermelskirchen", sagte der 62-Jährige, der seine Markenzeichen - schwarzes Hütchen, Hornbrille und rote Pappnas' - während seines eineinhalbstündigen Auftritts immer wieder auf- und absetzte. Gemeint war damit, dass er dem Rat seines Gesprächstherapeuten gefolgt ist: Er hat dem großen, professionellen Kölner Karneval mit 200 bis 300 Auftritten pro Jahr den Rücken gekehrt, arbeitet nun hauptberuflich als Diakon, was er zuvor nebenberuflich gemacht hat. "Es war eine Erleichterung, nicht mehr in der Mühle mit Dauerdruck und Verträgen für zwei Jahre im Voraus zu stecken", sagte sich Pauels. Im September vergangenen Jahres erschien sein Buch über den Umgang mit der Depression, inzwischen plant der Verlag die vierte Auflage. Ein neues Buch sei in der Mache - Arbeitstitel: "Die Geschichte des Christentums in Witzen erzählt."

Im katholischen Pfarrzentrum las Willibert Pauels kaum vor: Gekonnt frei sprechend folgte er dem "roten Faden" seines Buches (und eigentlich wohl auch seines Lebens). Dieser sei geprägt von den drei großen "K": Kirche, Karneval und Klappse. Ohne seinen unterhaltsamen, kölsch-rheinischen Humor außer Acht zu lassen, unterstrich Pauels sein Anliegen deutlich: "Depression ist nicht selten, in Deutschland betrifft das mindestens vier Millionen Menschen. Der Skandal ist, dass die meisten nicht in professioneller Behandlung sind." So wie seine eigene Form der Depression seien die meisten Fälle: auf eine organische Störung (Stoffwechsel) zurückzuführen und gut behandelbar. Sein Appell: "Erzählen Sie das weiter. Psychiatrie ist nicht schlimm!"

Zu einer gelungenen Behandlung brauche es zwei Schritte: die Einstellung mit Medikamenten, die einige Zeit dauere, und die anschließende Gesprächstherapie. Letztere habe er nach seinem Klinik-Aufenthalt in Neuss erst wöchentlich, dann monatlich genutzt. Heute brauche er sie nicht mehr. Gelöst werden müsse die Frage: "Wie kann man das Alltägliche so strukturieren, dass der Druck erträglich ist und nicht in Gedanken-Fallen führt?"

Willibert Pauels zitierte das Philosophen-Wort "Nicht die Dinge machen uns unglücklich, sondern wie wir die Dinge sehen!" als Lösungs-Ansatz. Während Kritiker dem "kölschen Jung" anlasteten, dass weder Kirche und Karneval, noch Kirche und Klappse zusammenpassen, gehören aus Pauels' Perspektive die drei "K" sehr wohl zusammen: Offenkundig hat er sie nun für sich in ein stimmiges Lot gebracht.

Quelle: RP
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