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Wermelskirchen
Rabattaktionen sollen den Diesel retten

So reagiert das Netz auf den Dieselgipfel
So reagiert das Netz auf den Dieselgipfel
Wermelskirchen. In der Abgasaffäre gibt es keine Lösung. Die örtlichen Händler bekommen die Verärgerung der Kunden zu spüren. Händlerin Nicole Johann wünscht sich eine klare Ansage der Politik, eine Nachrüstpflicht und einen Bestandsschutz. Von Walter Schubert

Die Autohersteller haben betrogen. Sie haben bei Dieselfahrzeugen nicht geschummelt, sondern mutwillig, wissentlich und mit technischem Aufwand Verbraucher belogen, ihnen einen wirtschaftlichen und teilweise sogar einen gesundheitlichen Schaden zugefügt. Die Verunsicherung und den Ärger darüber bekommen jetzt die Händler zu spüren. "Ich kann nicht reinschauen, ich muss mich auf die Angaben des Herstellers verlassen", sagt Opel-Händler Bernd Hildebrandt in einer Umfrage der Bergischen Morgenpost.

Anders als in den USA sieht die deutsche Gesetzgebung nicht vor, die verantwortlichen Firmen und Personen zur Rechenschaft zu ziehen. Auf dem sogenannten "Dieselgipfel" in Berlin waren Betroffene, Umweltverbände oder Verbraucherschutzorganisationen nicht eingeladen. Autohersteller und Regierung einigten sich auf die preiswerteste Lösung. "Software-Update" heißt das Zauberwort und soll die Motoren auf ein erlaubtes Maß an Schadstoffausstoß zurecht rücken. Fachleute gehen davon aus, dass diese Maßnahmen die drohenden Fahrverbote in einigen Großstädten nicht verhindern werden.

Obwohl die Marke von Hildebrandt nicht in der Kritik steht, bietet er zwischen 1750 und 7000 Euro Prämie für einen Neuwagen an, wenn dafür ein Fahrzeug mit Klasse Euro 1 bis 4 abgegeben wird. "Das Altauto verschwindet vom Markt. Es wird verschrottet, mit Brief und Siegel", sagt Hildebrandt.

Bei BMW gibt es 2000 Euro für bestimmte Modelle. "80 Prozent der Altautos gehen in den Export, der Rest wird als Gebrauchtwagen vermarktet", sagt Guido Hirschfeld, stellvertretender Leiter der Niederlassung in Wipperfürth.

"Als freier Händler können wir natürlich nicht diese Rabattaktionen mitmachen", sagt Holger Kowalewske, Verkaufsleiter im Autohaus Lambeck. "Wir müssen abwarten, den Markt beobachten und für jeden Kunden eine individuelle Lösung finden", sagt er diplomatisch.

Ganz aktuell präsentiert Manuel Heitmann, Verkaufsleiter bei VW-Messink, die "Volkswagen Umwelt-/Abwrackprämie 2017". Die Prämie gilt für alle gebrauchten Diesel, für alle Fabrikate, von Euro 1 bis Euro 4. Angeboten werden zwischen 2000 und 10.000 Euro für einen Neuwagen oder einen jungen Gebrauchtwagen. "Altfahrzeuge werden entsorgt. Nur mit dieser Bescheinigung gibt es die Prämie", sagt Heitmann. "Der Ärger hält sich in Grenzen, da wir hier im Bergischen eine hohe Kundenbindung und eine hohe Kundenzufriedenheit haben", sagt der Verkaufsleiter.

Bei Mercedes Engels und Audi Messink in Wermelskirchen blockte man ab: Es gab keine Informationen.

Nicole Johann vom gleichnamigen Peugeot-Autohaus hält die "Umwelt- oder Abwrackprämien" für eine normale Verkaufsaktion. "Bei uns gibt es auch bis zu 10.000 Euro Rabatt, je nach Modell. Das sind ganz normale Abverkaufsmaßnahmen, die sich wiederholen und die alle Hersteller anbieten. Mit dem Diesel hat das nichts zu tun", sagt sie. Der PSA-Konzern mit den Marken Citroen und Peugeot steht aktuell nicht in der Dieselkritik. "Ein Citroen Picasso mit einem 100 PS-Diesel-Motor hat im Test den Abgaswert um fünf Prozent überschritten. Bei deutschen Premium-Herstellern sprechen wir von mehreren hundert Prozent", sagt Nicole Johann.

Sie wünscht sich eine klare Ansage der Politik, eine Nachrüstpflicht und Bestandsschutz bis zu einem bestimmten Datum. "Euro-5-Diesel sind fast unverkäuflich, die Preise bei Inzahlungnahme fallen dramatisch, der Wertverlust ist riesig. Selbst bei Exporten nach Afrika wird verstärkt nach Benzin-Modellen gefragt", sagt Nicole Johann.

Quelle: RP
 
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