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Wermelskirchen
Rathauswand an 20 000 Stellen freigestemmt

Wermelskirchen: Rathauswand an 20 000 Stellen freigestemmt
Blick auf ein "Kiesnest": An dieser Stelle besteht die Außenwand fast nur aus Kies und nur einem äußerst geringen Zement-Anteil. FOTO: Moll (Archiv)
Wermelskirchen. Die Beseitigung der Schäden ist sehr aufwendig. Ein neuer Lösungsansatz könnte Zeit und Geld sparen. Von Sebastian Radermacher

Wie aufwendig die Beseitigung der Betonschäden an der Außenwand des Rathauses ist, verdeutlichte Frank Kieseler vom städtischen Gebäudemanagement mit einer Zahl: Die Rathauswand musste bereits an etwa 20 000 Stellen freigestemmt werden, weil der Beton dort teilweise bis zu einer Tiefe von 15 Zentimetern porös ist, teilte der Experte gestern Abend den Politikern im Ausschuss für Umwelt und Bau mit. Und die Erfassung der Schäden ist noch lange nicht abgeschlossen.

Die Beseitigung dieser "Kiesnester" - das sind Stellen, in denen die Außenwand fast nur aus Kies und nur einem äußerst geringen Zement-Anteil besteht - bedeutet einen erheblichen Mehraufwand, eine weitere Verzögerung der Fassadensanierung sowie eine deutlich höhere finanzielle Belastung für die Stadt. Jede Stelle, an der der Beton freigestemmt werden muss, wird einzeln erfasst und dokumentiert. Die Stadt musste daher den Zeitplan bereits korrigieren: Statt im Dezember 2015 kann die Rathausfassade frühestens im August 2016 komplett fertiggestellt werden.

Kieseler hofft nun, durch einen neuen Lösungsansatz bei der Beseitigung der Betonschäden zumindest eine Menge Geld sparen zu können. Weil die Korrosionsschäden an den Eisenstangen in der Rathauswand nicht so gravierend sind wie zunächst befürchtet, habe er sich die Frage gestellt: Sind all diese Sanierungsmaßnahmen - wie in einem Gutachten vorgeschrieben - wirklich zwingend notwendig? "Wenn das Eisen nicht rostet, kann doch eigentlich nicht viel passieren", lautet Kieselers Annahme. Und die neue Fassade werde dicht sein, sie erhalte eine 20 Zentimeter dicke Dämmung. "Man kann die Außenwand eigentlich wie eine Innenwand betrachten", sagte Kieseler. Laut DIN-Vorschriften ist dies allerdings nicht möglich.

Trotzdem hat sich die Stadt mit dem zuständigen Gutachter und dem Bauleiter auf einen Kompromiss geeinigt. Kieseler: "Wir werden von unserem ursprünglichen Sanierungsplan abweichen und einige Teile der Leistungen nicht ausführen - und zwar an Stellen, an denen in den nächsten 50 Jahren sowieso keine Schäden zu erwarten sind." Der Bauunternehmer habe zwar Bedenken, weil er letztlich in der Haftung stehe. "Wir werden alles aber rechtlich prüfen lassen, so dass es keine Probleme geben sollte", sagte Kieseler. Mit diesem "pragmatischen Ansatz" könne man womöglich wieder etwas Zeit bei der Sanierung zurückgewinnen. "Und wir können auf diese Weise eine Menge Geld sparen", meinte Kieseler. Von dem jetzigen Zeitplan (Fertigstellung im August 2016) werde die Stadt aber nicht abweichen.

Zu den Kosten für die Mehrleistungen wegen der zusätzlichen Schäden konnte Kieseler noch nichts sagen. "Wir rechnen die Kosten für das Freistemmen und Verspachteln der 20 000 Stellen auf die gesamte Fassade hoch. Diese Daten liegen aber noch nicht vor."

Quelle: RP
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