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Wermelskirchen
Restaurant "Zur Eich" schließt im März

Wermelskirchen: Restaurant "Zur Eich" schließt im März
"Das Hotel bleibt erhalten", sagt Tina Jörgens, Chefin des "Hotels zur Eich". Genau hier betrieben ihre Vorfahren seit 1831 eine Schankwirtschaft und einen Beherbungsbetrieb. Solveig Pudelski FOTO: Solveig Pudelski
Wermelskirchen. Inhaberin Tina Jörgens trennt sich schweren Herzens von der Gastronomie, den Hotelbetrieb führt sie aber weiter. Von Solveig Piudelski

Eine Ära geht zu Ende - für Wermelskirchener Stammgäste und für Vereine ist es ein Schock: Zum 21. März wird das Restaurant im Hotel "Zur Eich" geschlossen. Der Hotelbetrieb läuft jedoch weiter. "Ich habe mir das lange und reiflich überlegt", sagt Inhaberin Tina Jörgens auf Nachfrage dieser Redaktion. Gleich mehrere Faktoren hätten den Ausschlag gegeben, den Gastronomiebetrieb aufzugeben. "Aber wirtschaftliche Gründe waren es nicht. Das Restaurant läuft sehr gut, wir haben immer genug Gäste und Festgesellschaften gehabt."

Das Restaurant ist eine Institution, ein Aushängeschild, ein zentral gelegener Treffpunkt für viele - wie für den Rotary-Club, den Lions-Club oder die Mundartfreunde. Es diente als Vereinslokal. Familienfeiern und Hochzeiten spielten sich dort ab, weil das Ambiente in dem denkmalgeschützten Gebäude mitten in Wermelskirchen den passenden Rahmen bot, weil die Räume großzügig geschnitten sind, der Service gut und das Essen vorzüglich sind.

2014 übernahm Tina Jörgens die Regie. Ihr Vater, inzwischen 70 Jahre alt, war immer an ihrer Seite, "wir haben alles gemeinsam entschieden", sagt die Chefin. Fünf Jahre habe sie sich mit dem Gedanken getragen, das Restaurant aufzugeben. "Ich hatte so manche schlaflose Nacht", räumt sie ein. Zum einen war es die persönliche Belastung, zum anderen waren es personellen Probleme, die am Ende zur Entscheidung führten.

"Es wird immer schwieriger, Fachkräfte zu finden", sagt die 40-Jährige. Zwar habe sie gute Köche, die dem Restaurant über lange Jahre die Treue hielten. Aber es sei heutzutage kaum noch möglich, Köche oder ausgebildete Servicekräfte zu finden. Immerhin konnte sie stets Aushilfen und Anlernkräfte einstellen, die das Stamm-Team unterstützten, aber ausgebildete Kellner seien kaum noch zu finden. "Und ich habe sehr hohe Ansprüche, was das Servieren und Abräumen anbelangt", betont die Chefin.

"Die Ausbildung absolvieren junge Menschen zwar noch, aber viele springen später wieder ab", weiß die Hotelfachfrau. Die Arbeitszeiten stellen Mitarbeiter vor große Herausforderungen. An Abenden, Wochenenden und Feiertagen, wenn das Restaurant Hochbetrieb habe, zu arbeiten, sei alles andere als familienfreundlich. Außerdem sei die Belastung hoch. "Wir können nichts liegenlassen wie in anderen Branchen. Der Betrieb muss laufen, auch wenn Mitarbeiter krank werden", sagte Tina Jörgens. All dies bekam sie auch am eigenen Leib zu spüren. Immer präsent zu sein, kaum einen freien Tag zu haben, geschweige denn freie Wochenenden - das fordere Opfer. "Mein Mann, der in einer anderen Branche arbeitet, und mein siebenjähriger Sohn haben gemeinsam etwas unternommen - ohne mich." Auf lange Sicht erschien ihr dieses Opfer zu groß.

Den drei Köchen und den beiden Servicekräften habe sie fristgerecht gekündigt, einige hätten bereits neue Stellen in Aussicht. Und die Aushilfen hätten wohl andere Jobs gefunden. Den Vereinen, die das Restaurant als Tagungsort nutzten, habe sie schon im Januar eröffnet, dass sie sich ein neues Vereinslokal suchen müssten. "Sie haben viel Verständnis gezeigt, wenn ich meine Gründe dargelegte."

Das Hotel führt sie weiter. Der historische Gastraum, der unter Denkmalschutz steht, diene künftig als Frühstücksraum für die Gäste. Bei 30 Zimmern sei dieser groß genug. Was sie mit den anderen Räumen des Restaurants machen wird, stehe noch nicht fest. "Vielleicht baue ich sie zu einem weiteren Appartement um." Denn die Nachfrage sei groß, das jetzige sei vor allem von Firmen stark nachgefragt, die eine erste Bleibe für neue Mitarbeiter suchen.

"Das Haus zu erhalten, lag mir sehr am Herzen", meint Tina Jörgens mit einem Stoßseufzer.

Quelle: RP
 
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