| 00.00 Uhr

Sara Weirich
"Richter sind ihre eigenen Chefs"

Sara Weirich: "Richter sind ihre eigenen Chefs"
Sara Weirich hat zur Anfangszeit als Richterin deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche gearbeitet. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Sara Weirich (30), Richterin am Amtsgericht Wermelskirchen, spricht über ihren Weg auf den Richterstuhl, ihre Einstellung zu dieser speziellen Arbeit und die Besonderheiten ihres Jobs. "Ich schätze vor allem meine inhaltliche Unabhängigkeit", sagt sie. Von Stephan Singer

WERMELSKIRCHEN Ihre Entscheidungen sind oft im Fokus, schließlich haben diese richtungsweisenden Charakter für menschliche Schicksale. Die Richter, die die Urteile fällen, stehen selten im Mittelpunkt. Das Bild von ergrauten, leicht angestaubt wirkenden Herren auf dem Richterstuhl, das Karikaturen, Comics oder Hollywood-Filme gerne zeichnen, passt dabei keinesfalls zur Realität. Sara Weirich (30), Richterin am Amtsgericht Wermelskirchen, spricht über ihren Weg auf den Richterstuhl, ihre Einstellung zu dieser speziellen Arbeit und die Besonderheiten ihres Jobs.

Der Berufswunsch Richter ist nicht alltäglich, wie sind sie dazu gekommen?

Weirich Ich habe mir das auch erst während meiner Referendariatszeit überlegt. Das ist direkt am Anfang eines Jura-Studiums auch schwierig, denn die Noten müssen stimmen. Es sind schon zwei Prädikatsexamen nötig - erst beim Ersten Staatsexamen nach dem Studium und dann bei Zweiten nach dem Referendariat. Der Staat hat schon den Anspruch, nur die Besten zu bekommen.

Dann steht "Vater Staat" im harten Wettbewerb mit der freien Wirtschaft, wenn es um juristisches Personal geht?

Weirich Ja, natürlich. Wer Richter werden will, muss ja formell keine weiteren Voraussetzungen erfüllen, als die beiden Staatsexamen gemacht zu haben.

Ist die freie Wirtschaft nicht schon allein unter finanziellen Aspekten interessanter?

Weirich Nicht unbedingt. Hier kommt die eigene Persönlichkeit ins Spiel. Ich habe mir im Rahmen von Praktika auch Großkanzleien angesehen. Dort wird viel gearbeitet, es herrscht aber ein extrem hoher Aufstiegsdruck. Der Karriereweg ist vorgegeben, es geht nur "up or out"! Das sind für mir persönlich nicht wirklich gute Motivationen.

Was ist denn ihre Motivation, welche persönlichen Eigenschaften sind für eine Richterin wichtig?

Weirich Ich arbeite gerne und das auch viel. Ich schätze vor allem meine inhaltliche Unabhängigkeit. Ein Rechtsanwalt muss sich an den Interessen seines Mandanten und letztlich Kunden orientieren. Ich kann mich auf eine rein sachliche Lösung mit der Frage "Was ist das Richtige in dem speziellen Fall?" konzentrieren. Es ist angenehm, ohne finanziellen, wirtschaftlichen Druck arbeiten zu können.

Viel arbeiten...?

Weirich Als Richterin habe ich anfangs deutlich mehr als 40 Stunden wöchentlich gearbeitet, eher 50 Stunden. Es gilt, stets viel nachzudenken und sich eigene Strukturen zu schaffen. Dabei hilft einem niemand. Sich selbst zu organisieren und unabhängig sein eigener Chef zu sein, muss zu einem passen und muss man mögen.

Steckt da auch Idealismus hinter?

Weirich Mit Sicherheit. Viele junge Richter-Kollegen kommen aus Großkanzleien. Richter machen ihre Arbeit gerne, sind unabhängig von Mandanten und gelangen nicht in den Interessenwiderstreit von eigener Auffassung und dem, was man als Anwalt für Mandanten möglicherweise vertreten muss. Richter wird niemand zufällig, das überlegt man sich und das ist richtig so. Das ist immer eine bewusste, persönliche Entscheidung!

Wie teilt sich der Arbeitsalltag einer Richterin am Amtsgericht auf?

Weirich 80 Prozent der Zeit sitzt man im Büro, 20 Prozent im Gerichtssaal, dazu kommen wenige Außentermine beispielsweise zur Besichtigung.

Am Amtsgericht haben sie mit Zivil- und Strafsachen zu tun. Gibt es Schicksale, die sie beschäftigen?

Weirich Wir haben am Amtsgericht ja nicht die wirklich ganz schlimmen Fälle. Das läuft mir nicht nach. Sicherlich gibt es gerade im Familiengericht Fälle in Verbindung mit Kindern, die sich nicht einfach abschütteln lassen.

Wie geht man da heran?

Weirich Für mich ist jeder Fall erst einmal gleich, ich rege mich wegen der Inhalte nicht auf. Ich bin ein ruhigeres Gemüt. Ich möchte, dass ein Urteil einen Mehrwert für alle Beteiligten hat und dafür bietet das Recht durchaus Möglichkeiten.

Ein Arbeitsalltag ohne schlechte Laune?

Weirich Mich ärgern schlechte Schriftsätze von Anwälten - die, bei denen man merkt, da fehlt es vorne und hinten. So etwas hält gerade Fälle im Zivilrecht, wo die Parteien den Ablauf diktieren, auf und machen das Verfahren zäh.

Werden Sie zum anderen Menschen, wenn Sie die Richterrobe überziehen?

Weirich Ich schlüpfe in keine andere Rolle, der Mensch, der man ist, bleibt erhalten. Ein Richter soll normal bleiben, nicht abgehoben oder wie ein Roboter sein. Ich hoffe, dass die Robe nicht abschreckend wirkt, sondern den Bürgern klar macht, dass er dem Staat gegenüber sitzt. Die Robe ist wie eine Uniform, sie schafft Klarheit und Orientierung.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Sara Weirich: "Richter sind ihre eigenen Chefs"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.