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Wermelskirchen
Rollrausch geht bei Tauschgeschäft leer aus

Wermelskirchen: Rollrausch geht bei Tauschgeschäft leer aus
Die Rollrausch-Rampe neben dem AJZ verrottet langsam - das Holz hält der bergischen Witterung ohne Regenschutz nicht lange mehr Stand. FOTO: ser
Wermelskirchen. Die Stadt hatte 2009 davon gesprochen, dass Rollrausch für die Bahnhofshalle ein neues Domizil bekommen. Wo ist das Geld?, fragt der Verein. Im allgemeinen Haushalt, so die Verwaltung. Es gab keine Zweckbindung durch die Politik. Von Udo Teifel

Hat ein Jugend- und Freizeitpark für Jung und Alt an der B51 zwischen der Fußgängerbrücke "Am Wasserturm" und Lidl überhaupt eine Chance? Der Vorsitzende des Rollrausch-Vereins, Marco Lerch, ist nach wie vor rührig und guter Dinge, um der Jugend eine weitere Perspektive in Wermelskirchen zu geben. Dabei blickt er sinnvollerweise über den Tellerrand der Rollsportjugend hinaus. Doch wer soll das finanzieren? Im Jugendhilfeausschuss meinte Lerch recht kryptisch, es müsste doch Geld vorhanden sein aus dem Tauschgeschäft mit Aldi.

Seit 2010 können Skater die ehemalige Bahnhofshalle nicht mehr nutzen. Das Domizil wurde abgerissen, die Skater vorübergehend im ehemaligen Top-Zoo untergebracht. Nach Querelen kündigte der Verein dort. Seither sind sie "heimatlos".

Schon in der ersten Pressekonferenz zu den Plänen von Stadt und Aldi im Mai 2009 mit Bürgermeister Eric Weik und dem Architekten des Investors hieß es, dass das Unternehmen am Standort Thomas-Mann-Straße Millionen investieren wolle - dafür müsste Rollrausch weichen und bekomme ein neues Domizil. Es hieß damals, die Stadt sei finanziell nicht eingebunden. Sie tausche das Grundstück am Bahnhof u.a. gegen einen Hallenbau. Ein Jahr später wurden erstmals Zahlen genannt. 472.000 Euro wollte die Stadt für die Halle, die die Skater kostenfrei nutzten, von Aldi haben. So stand es damals im Haushaltsplan. Im Gegenwert dieser Summe sollte der Discounter, das war damals nach wie vor Ziel der Stadt, den Skatern eine neue Halle an der Feuerwache ausstellen. Das erklärte 2010 der Technische Beigeordnete Dr. Prusa. "Die Skater sollen nicht schlechter gestellt werden", sagte er damals der Morgenpost.

Das alles hat Lerch natürlich nicht schriftlich. Weik hatte das Thema "Skaterhalle" zur Chefsache erklärt, zwischenzeitlich gab es zwischen Stadt und Rollrausch Streit. Hauptamtsleiter Jürgen Scholz erklärte auf Anfrage dazu, dass es keine Zahlung von Aldi für diesen Zweck gegeben habe. Das sei nie Thema gewesen. Zudem sei es schwer, dies zu verifizieren, da es "Chefsache" gewesen sei. Bürgermeister Rainer Bleek erklärte, dass das Geld, dass Aldi für die Fläche gezahlt habe, für die allgemeine Haushaltsdeckung eingesetzt worden sei. "Es wurde nie durch die Politik eine Zweckbindung ausgesprochen." Es habe lediglich eine Spende über 36.000 Euro für Rollrausch gegeben. Damit seien die Kosten für die Top-Zoo-Halle bezahlt worden. "Ein Restbetrag von 1600 Euro wird dem Verein überwiesen."

Das solle aber nicht heißen, dass man Rollrausch nicht unterstützen wolle. "Die Kommunalaufsicht gibt uns den Rahmen vor, in dem wir jonglieren." Sein erklärter politischer Wille sei, etwas für die freie Jugendarbeit zu tun. "Es fehlt ein Platz, wo sie mal unter sich sein können", sagte der Bürgermeister.

Marco Lerch hatte im Rahmen des Leader-Entwicklungsprozesses ein gutes Konzept für junge und alte Menschen geschrieben - für einen Jugend- und Freizeitpark an der B 51. Zwar gehört Wermelskirchen zur förderwürdigen Leader-Region, doch das Projekt ist herausgenommen worden - es ist zu stadtnah.

Der Sportausschuss hatte in einer Sitzung der Verwaltung den Auftrag erteilt, Flächen zu untersuchen. Aus fünf Vorschlägen wurde dann doch die bekannte Fläche an der B 51 genommen. Andreas Voß vom Jugendamt erklärte, dass die Verwaltung bis zum Frühjahr Ergebnisse vorlegen werde. "Wir müssen prüfen, was überhaupt machbar ist."

Lerch zeigte anhand von Beispielen auf, was rollsporttechnisch machbar ist. Je nach Ausstattung müsse mit 130 bis 220 Euro je Quadratmeter Rollsportpark gerechnet werden; die Pflege würde der Verein übernehmen. "Wir sind guter Dinge. Der Park an dieser Stelle wäre für Wermelskirchen prestigeträchtig", sagte er. Jetzt müsse nur noch die Politik begeistert werden.

Ein Finanzierungskonzept legte Lerch nicht vor. Er setzt auf die Stadt und Sponsoren. Seiner Ansicht nach müsste wenigstens noch 100.000 bis 130.000 Euro bei der Stadt für den Bau einer Halle vorhanden sein. "In den Gesprächen mit uns wurde immer gesagt, es gehe um Kompensation. Wir verzichten auf die Nutzung der Bahnhofshalle, und wir bekommen eine neue gebaut. Wo ist denn der Rest des Geldes geblieben?"

Quelle: RP
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