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Wermelskirchen
"Runder Tisch" fürchtet Wohnungsmangel

Wermelskirchen: "Runder Tisch" fürchtet Wohnungsmangel
FOTO: Jonas Kunst
Wermelskirchen. Zum ersten Mal trafen sich die Mitglieder, um über die Situation von Flüchtlingen in Wermelskirchen zu sprechen. Bürgermeister Rainer Bleek möchte verstärkt Ausbildungsbetriebe und Handwerksinnungen in die Pflicht nehmen. Von Stephan Singer

Auf dem Wermelskirchener Wohnungsmarkt wird es eng. Mit eindringlich warnenden Worten wandte sich Pfarrerin Cornelia Seng von "Willkommen in Wermelskirchen" (WkiWk) beim ersten "Runden Tisch Flüchtlingshilfe" an Bürgermeister Rainer Bleek. "Das Konzept der Stadt, Flüchtlinge schnellstmöglich in eine eigene Wohnung unterzubringen, ist gut. Aber es kommt an die Grenze, weil die Wohnungssituation kritisch ist. Wir brauchen schleunigst den Bau von sozialem Wohnraum", sagte sie.

Bislang habe der Wechsel der Menschen von Unterkünften in eigene Wohnungen funktioniert, bilanzierten die Vertreter am "Runden Tisch" einmütig. Dazu leisteten neben der wesentlichen Arbeit der Stadtverwaltung auch die privaten Kontakte von WkiWk-Engagierten einen Beitrag. Rainer Bleek unterstrich, dass die Verwaltung mit Hochdruck an dem Thema arbeitet. "Wir kaufen und renovieren. Problematisch ist, dass private Investoren den sozialen Wohnungsbau ablehnen. Wir stoßen auf viel Desinteresse."

Gerade die ehrenamtlich Tätigen hätten in den vergangenen Monaten Großartiges und Vorbildliches geleistet, betonte Bleek als Moderator des "Runden Tischs". Jetzt sei es an der Zeit, die vorhandenen Ressourcen so zu steuern, dass das von der Situation geforderte, längerfristige Engagement möglich ist.

Ebenso richtete Jochen Bilstein, SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und bei WkiWk aktiv, den Blick in die Zukunft: "Wir müssen an der Zufälligkeit, mit der Flüchtlinge betreut werden oder eben nicht, arbeiten. Ich habe ein bisschen Angst, dass uns Menschen verloren gehen." Konkret vermisst Bilstein, der ehrenamtlich Deutschunterricht gibt, die Möglichkeit zur Nachhilfe für junge Flüchtlinge, die es geschafft haben, eine Ausbildungsstelle zu finden. "Es fehlt oft Mathematik, Physik oder Chemie." Sozialamtsleiterin Tanja Dehnen lobte die gute Kooperation der Stadt mit dem Jobcenter, das sehr aktiv geworden sei. Aber: "Das Jobcenter kümmert sich um diejenigen, die eine Bleibeperspektive habe."

Bürgermeister Rainer Bleek sieht die Ausbildungsbetriebe und Handwerksinnungen in der Pflicht. "Ich höre überall von Fachkräftemangel. Also haben die Betriebe ein Eigeninteresse an dem Gelingen der Ausbildung." Grundsätzlich müssten vorhandene Strukturen genutzt werden, bevor mit großem Aufwand neue geschaffen würden. Die Mitglieder des "Runden Tisches" beobachten einen hohen Bedarf an PC-Schulungen für geflüchtete Menschen, denn ohne Computer ginge heutzutage nichts mehr. Hierzu will Bleek mit der Volkshochschule Bergisch Land Möglichkeiten ausloten. Brigitte Krips von der Tafel führte das Burscheider "Brückenprojekt" als Beispiel an, das in Wermelskirchen Schule machen könnte. "Mütter von unter dreijährigen Kindern können nachmittags in einen Kindergarten kommen und erhalten dort Deutschunterricht, während ihre Sprösslinge betreut werden. Diese Frauen haben erst ein Anrecht auf einen solchen Kursus, wenn ihre Kinder drei Jahre alt sind. Dadurch verschenken wir viel Zeit."

Lutz Balschuweit, der sich als WkiWk-Mentor um Flüchtlinge kümmert, betonte: "Jeder ist anders. Somit gibt es keine klare, pauschale Linie, an der wir arbeiten können - das macht es so schwierig." Deshalb wollen sich die Mitglieder des "Runden Tisches" in Zukunft mindestens drei Mal im Jahr treffen und auch Vertreter aus den Reihen der geflüchteten Menschen dazu bitten.

Quelle: RP
 
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