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Wermelskirchen
Samur und Doni kennen keine Vorurteile

Wermelskirchen: Samur und Doni kennen keine Vorurteile
Rita Jung mit ihren beiden Islandhunden Doni und Samur. FOTO: J. Moll
Wermelskirchen. Rita Jung besucht mit ihren beiden Islandhunden Schulklassen und Kinder mit Behinderung. Von Theresa Demski

Neulich hat Samur einen kleinen Jungen besucht. Das Kind tut sich schwer mit Berührungen, lebt in seiner eigenen Welt, reagiert nur selten sichtbar auf seine Umwelt. So wie autistische Kinder das eben tun. Aber dann kam Samur in den Raum, der weiche Islandhund von Rita Jung. Zielsicher steuerte er auf den Jungen zu, der auf seinem Stuhl saß. Samur legte seinen wuscheligen Kopf auf die Knie des Kindes und hielt still. Da bewegte sich die Hand des autistischen Jungen plötzlich zielsicher zum Kopf des Hundes und strich gedankenverloren über dessen weiches Fell.

"Samur hat ein Gespür für die Menschen", sagt Rita Jung. Er wisse, wer gut zu ihm ist und was ein Kind brauche. Vorurteile kennt er nicht. Das hat Rita Jung schon häufiger mit ihren beiden Islandhunden Samur und Doni erlebt: Dieses besondere Talent, ohne einen einzigen Laut zu machen, zu Kindern durchzudringen. Und deswegen hat Rita Jung ihre beiden Hunde eines Tages bei einer Aktion von "Royal Canin" angemeldet, um sie testen zu lassen.

Würden sie sich als begleitende Therapiehunde eignen? Doni und Samur bestanden die Prüfung des Projekts "Helfer auf vier Pfoten" mit Bestnoten. Seitdem sind sie mit ihrem Frauchen Rita Jung in Schulen und Kindergärten unterwegs, zuweilen besuchen sie auch Kinder mit Behinderungen. Dann bekommen sie ihre rote Uniform angeschnallt und beginnen hoch motiviert ihren Arbeitstag. Doni und Samur behalten auch in großen Gruppen die Ruhe und schließen die Kinder schnell ins Herz. "Meistens gibt es am Anfang immer einen Jungen oder ein Mädchen, das vor lauter Angst auf den Stuhl klettert", sagt Rita Jung. Aber dann erleben sie, wie ihre Mitschüler Leckerchen geben, wie sie die Islandhunde streicheln und kleine Übungen machen. Rita Jung überlegt gemeinsam mit den Kindern, welche Berufe Hunde ausüben können, wie ihre Welpen aussehen und welche Regeln die Menschen im Zusammenleben mit den Tieren unbedingt einhalten müssen.

Mehr und mehr werden die Jungen und Mädchen vertraut mit den beiden Islandhunden - innerhalb von 90 Minuten. Das gibt Selbstbewusstsein und hilft auch beim Umgang mit Hunden im Alltag. "Am Ende sind die Hunde fast immer k.o., aber die meisten Kinder wünschen sich einen eigenen Hund und sind hin und weg von den beiden", sagt Rita Jung. Und so geht es ihr selbst auch heute noch.

Mindestens zweimal am Tag macht sich Rita Jung mit ihren Hunden auf den Weg. Dann laufen und tollen Doni und Samur über den Feldweg, lassen sich von den stattlichen Pferden am Wegesrand nicht beeindrucken, nicken den Kühen nur gutmütig zu und spielen aufgeregt miteinander. Nur wenn eine Katze ihren Weg kreuzt, dann ist es vorbei mit der Ruhe. Dann muss Rita Jung einschreiten.

"Eigentlich habe ich Hunde schon immer geliebt", sagt sie. Das war auch damals so, als sie gerade zwölf war und ihren Vater anbettelte, endlich einen Hund haben zu dürfen. Aber er wollte nicht. Also schaltete Rita Jung eine Anzeige in der Zeitung: "Suche Bernhardiner." Ihrem Vater erzählte sie nichts. Als sich eine Familie meldete, setzte sich das Mädchen in den Bus, fuhr hin und sagte zu. Erst danach redete sie mit ihren Vater. Mit Erfolg. "Und dann gab es keinen Tag, an dem ich ohne Hund gelebt habe", sagt sie. Meistens waren es Möpse. Aber inzwischen sind es die Islandhunde mit ihrem weichen Fell und dem besonderen Gemüt, für die sie sich entschieden hat. Samur ist schon neun, Doni vier Jahre alt. Und wenn die beiden nicht gerade in einer Klasse mit Kindern im tierisch-menschlichen Gespräch sind, dann spielen sie miteinander oder räumen bei Wettbewerben ab.

Quelle: RP
 
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