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Wermelskirchen
Sana ist für Notfallpatienten erste Wahl

Wermelskirchen. Die Bündelung des Kassenärztlichen Notdienstes ist seit Oktober 2013 wirksam. Wermelskirchener lassen sich im Notfall in Remscheid behandeln, obwohl ihre Hausärzte in Gladbach sind. Die neue Notdienstreform wurde vorerst gestoppt. Von Jessica Balleer

Attraktiver sollte die Region für junge Ärzte werden, das hatten sich die Ärztekammer Nordrhein und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) nach längeren Beratungen im Jahr 2013 erhofft und den Kassenärztlichen Notdienst für Wermelskirchen, Burscheid und Leichlingen gebündelt. Im Schnitt musste jeder der 33 Wermelskirchener Ärzte etwa 13 Dienste pro Jahr schieben. Das hat sich verbessert, es sind derzeit etwa sechs pro Jahr. Weil der Standort Wermelskirchen als zu klein für eine eigene Notfallpraxis eingestuft wurde, sind für Patienten aber seither Remscheid (Sana-Klinikum) oder das Marien-Krankenhaus Bergisch Gladbach die Anlaufstellen im Notfall - sie müssen sich dabei zwischen einer kurzen Wegstrecke und den eigenen Hausärzten entscheiden.

Die Notdienstpraxen ergänzen den Rettungsdienst und die Notaufnahmen der Krankenhäuser außerhalb der regulären Sprechstundenzeiten der Hausärzte. Unter der Notrufnummer 116117 können Patienten die Anruf-Zentrale mit Sitz in Duisburg erreichen und werden an die nächste Praxis vermittelt.

"In jedem Notdienst haben wir Wermelskirchener Patienten", sagt Dr. Walter Steege. Sie begeben sich also in die Hände der Remscheider Ärzte - obwohl möglicherweise der eigene Hausarzt gerade in Bergisch Gladbach im Einsatz ist. Steege wisse von Kollegen, dass in Bergisch Gladbach ganz selten Wermelskirchener behandelt. Thomas Schwitalla, Allgemeinmediziner aus Wermelskirchen, bestätigt das. Insgesamt wurden in der Notfallpraxis am Klinikum Remscheid in den vergangenen Jahren etwa 7000 Patienten pro Jahr behandelt. Die Notfallpraxis am Marien-Krankenhaus Bergisch Gladbach wird im Schnitt von rund 4000 Patienten pro Jahr aufgesucht.

"Wir könnten hier die Unterstützung der Wermelskirchener gebrauchen", so Steege. Das aber ist nicht möglich. "Prinzipiell entscheidet jeder selbst, wo er sich behandeln lässt", sagt Barbara vom Stein, Vorsitzende Kreisstelle Rheinisch-Bergischer Kreis der Ärztekammer Nordrhein. Die Ärzte aber haben keine Wahl, weil der Rheinisch-Bergische Kreis zum südlichen Verwaltungsbezirk der Kassenärztlichen Verwaltung (KV) gehört. Auf den Faktor Nähe könne man aber keine Rücksicht nehmen. Auch Leichlinger führen nach Hilden oder Leverkusen. "Wir müssen das kleinräumige Denken ablegen", sagt vom Stein. "Wenn es planbar ist, kann man sich ja mit dem Hausarzt absprechen." Weil Notfälle aber kaum planbar sind, bleibt das Sana wohl erste Wahl für Wermelskirchener in Not.

Die KV Nordrhein hatte vor etwa einem Jahr eine weitere Reform geplant. Die Zahl der Notdienstpraxen in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln sollte ab 2016 von 84 auf 41 reduziert und außerdem der Fahrdienst neu aufgestellt werden. Ärzte im ländlichen Raum sollten so viele Dienste haben, wie die in einer Großstadt. Die Fahrdienstbezirke sollten weiter vergrößert werden. Die Reformen liegen aber seit April auf Eis. "Man kann einen Großstadtbezirk nicht mit dem ländlichen Raum vergleichen", sagt Dr. Heribert Wiemer, Vorsitzender der KV-Kreisstelle Rhein-Berg. Dies gilt es auch im August zu bedenken: Bei den Vorstandswahlen der Kreisstellen werden die personellen Karten neu gemischt - und es wird über die strukturelle Planung der ärztlichen Versorgung neu abgestimmt.

Quelle: RP
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