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Wermelskirchen
Sanierung dauert acht Monate länger

Wermelskirchen: Sanierung dauert acht Monate länger
Frank Kieseler vom städtischen Gebäudemanagement zeigt die Schäden an einer Außenwand des Rathauses. Die freigelegten Eisenstangen sind teilweise nicht so stark verrostet wie zunächst befürchtet worden war. Einige sind schon mit neuem Rostschutz versehen. Dafür sind an anderen Stellen weitere große Schäden sichtbar geworden. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. An der Rathausfassade sind weitere große Schäden sichtbar geworden. An etlichen Stellen ist der Beton porös, teilweise bis zu einer Tiefe von 15 Zentimetern. Vorsichtiges Ziel der Stadt: Die Rathausfassade soll im August 2016 fertig sein. Von Sebastian Radermacher

Es sollte ein symbolisches Weihnachtsgeschenk der Stadt an ihre Bürger werden: Die Sanierung der Rathausfassade sollte im Dezember komplett fertig werden, alle Baugerüste bis zum Weihnachtsfest verschwinden. Das war der Plan, doch daraus wird nichts. Die Fertigstellung wird sich verzögern - voraussichtlich um weitere acht Monate. Diese Nachricht überbrachten gestern der Technische Beigeordnete Dr. André Benedict Prusa und Frank Kieseler vom städtischen Gebäudemanagement. "Nach jetzigem Stand gehen wir davon aus, dass die Sanierung der Rathausfassade erst im August 2016 beendet werden kann", sagte Kieseler.

Der Grund für die Verzögerung: An der Rathausfassade sind während der Betonsanierung (siehe Infokasten) weitere große Schäden sichtbar geworden. An etlichen Stellen ist der Beton porös, es haben sich sogenannte Kiesnester gebildet. Das sind Stellen, in denen die Außenwand fast nur aus Kies und nur einem äußerst geringen Zement-Anteil besteht. "Wir hatten damit gerechnet, dass wir an der Oberfläche einige Kiesnester finden. Problematisch ist aber, dass etliche Nester deutlich in die Tiefe verlegt sind", erklärte Prusa. Teilweise ist die Außenwand bis zu einer Tiefe von 15 Zentimetern porös. Sogar tragende Pfeiler sind davon betroffen.

Diese weiteren Schäden legen nochmals den Verdacht nahe, dass beim Bau des Bürgerzentrums vor mehr als 30 Jahren in großem Stil gepfuscht wurde. "So zu bauen, wäre heute verboten", sagte Prusa. Es gebe aber keine andere Wahl, als die porösen Stellen in der Außenwand zu entfernen (per Sandstrahl-Technik) und die Löcher dann mit einer speziellen Betonspachtelmasse zu verfüllen. "Das ist sehr aufwendig und kostet viel Geld", sagte Kieseler. Wie hoch die Summe an zusätzlichen Kosten ist, konnte er gestern noch nicht sagen. "Wir erstellen zurzeit einen Kostenplan."

Mitarbeiter der Baufirma überprüfen mit einem speziellen Gerät die komplette Fassade des Rathauses, um weitere Kiesnester zu finden. Die Sanierung der Fassade ist in drei Abschnitte unterteilt, die Baufirma arbeitet sich einmal um das Gebäude herum: Im ersten Bauabschnitt - der Fläche vom Rathausinnenhof bis zum Brückenweg - ist das Freistemmen des Betons fast abgeschlossen. Die Arbeiten gehen ineinander über, wenn also im zweiten Abschnitt freigestemmt wird, können im ersten Abschnitt bereits weitere Arbeiten erfolgen.

Jede Stelle, an der der Beton freigestemmt werden muss, muss einzeln erfasst und dokumentiert werden, erklärte Kieseler. Farbige Markierungen an den Außenwänden weisen die Arbeiter darauf hin, dass sich an diesen Stellen Kiesnester befinden. "Wir sind jetzt schon bei 10 000 Stellen. Der Aufwand ist riesig", verdeutlichte Kieseler. Zudem gibt es Stellen, an denen beim Bau des Gebäudes Abstandshalter aus Holz in der Außenwand verankert worden waren. Diese müssen nun ausgebaut werden, weil sich das neue Füllmaterial nicht mit Holz verträgt. "Auch das ist sehr aufwendig", sagte Kieseler.

Die Zeitverzögerung lasse sich definitiv nicht vermeiden. Denn das Verfüllen der Löcher mit der speziellen Betonspachtelmasse kann nur bei einer Außentemperatur von mehr als acht Grad erfolgen, erklärte der Fachmann. Durch den entstandenen Mehraufwand können diese Arbeiten nun nicht mehr vor dem Wintereinbruch erledigt werden. "Wir werden vermutlich drei bis vier Monate haben, in denen nicht gearbeitet werden kann", sagte Kieseler. Wegen der enormen Lärmbelästigung für die städtischen Mitarbeiter beginnen die Bauarbeiten unter der Woche immer erst um 14 Uhr. In Zukunft soll auch an Wochenenden gearbeitet werden, um dadurch womöglich etwas Zeit zurückgewinnen. Ein Statiker kontrolliert regelmäßig die Bauarbeiten, auch die "Kiesnester" wurden begutachtet. Prusa: "Es gibt aktuell keine Bedenken wegen der Statik."

Quelle: RP
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