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Wermelskirchen
Schiedsfrau führt Streithähne zusammen

Wermelskirchen: Schiedsfrau führt Streithähne zusammen
Henrike Fürsich hat sich als Schiedsfrau beworben und ist vom Stadtrat gewählt worden. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Der Rat der Stadt hat Henrike Fürsich zur neuen Schiedsfrau für fünf Jahre gewählt. Ihr Ziel ist es, eine Lösung zu finden und den Streit zu beenden, bevor es zum Eklat kommt. Die Tätigkeit als Schiedsfrau ist ein Ehrenamt. Von Bernd Geisler

So angenehm lächelnd, wie Henrike Fürsich den Besucher empfängt, kann jeder Streitfall nur gut ausgehen. Sogar Hund Gina (5) grüßt mit wedelndem Schwanz. Henrike Fürsich ist seit einer Woche die neue Schiedsfrau in Wermelskirchen. Und das für die nächsten fünf Jahre. Der Rat der Stadt hat sie gewählt.

Die 31-Jährige hatte ihr Interesse dafür signalisiert. Ihr Mann, Sebastian Fürsich, ist im Rat der Stadt vertreten; beide sind Mitglied der SPD. Was macht eine Schiedsperson? "Sie schlichtet", sagt Henrike und lächelt. Der typische Fall sei ein Nachbarschaftsstreit. Manchmal richteten sich Bäume etwa nicht an Eigentumsgrenzen. Darüber können sich Nachbarn in die Haare kriegen. Zum Beispiel, wenn die Zweige des Apfelbaums über das Grundstück des anderen hängen. "Der Baum muss weg", sagt der eine. "Es ist ein Stück meiner Kindheit, die Zweige stören niemanden", sagt der andere. Bevor sich beide vor dem Richter treffen, wird eine Schiedsperson angerufen. "Die Schiedsperson ist die offizielle Instanz vor einer Gerichtsverhandlung", sagt Fürsich.

Es ist ein Ehrenamt. Das Ziel sei - wie etwa auch bei einem Streik - eine Einigung der Parteien herbeizuführen und nicht eine Streitentscheidung durch einen Dritten. Eine individuelle Rechtsberatung dürfe sie natürlich nicht geben. Außerdem sei sie keine Juristin. Das Schiedsverfahren entlaste selbstredend die Gerichte. Und wesentlich billiger sei es auch. Die Gebühr für die Schlichtungsverhandlung betrage zehn Euro, bei einem zustande gekommenen Vergleich 25 Euro. "Ich finde, dass es stets eine gute Lösung ist, einen Streit zu beenden, bevor es zum Eklat kommt", sagt die Schiedsfrau. Sie geht nicht davon aus, dass bereits beim ersten Gespräch sich die Parteien einigen. Sie habe vor Jahren einen Kursus über Mediation besucht. Bei dieser "Vorstufe einer Schlichtung" habe sie festgestellt, dass sie Freude dabei empfinde, Menschen auf dieser Art zu helfen. Sie interessiere sich für Menschen. "Ich freue mich darauf, wenn die Streitenden anschließend wieder friedlich miteinander auskommen."

Bevor es zu ihrer ersten Streitschlichtung kommt, wird sie noch mindestens einen speziellen Lehrgang für Schiedspersonen besuchen. Darum geht es neben einer Einführung um Hintergrundwissen über Nachbarschafts- und Strafrecht sowie um Sprachpsychologie - das Geschick, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Wie oft sie dann als Schlichterin angerufen wird, kann sie jetzt noch nicht sagen. Sie lasse das ganz entspannt auf sich zukommen. Die Schlichtungsverhandlung finde in der Regel in ihrer Privatwohnung statt. Eine ruhige und entspannte Atmosphäre "auf unbekanntem Terrain" schaffe die beste Voraussetzung für eine Einigung der Parteien.

Quelle: RP
 
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