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Wermelskirchen
Schock-Fotos sorgen für Tränen und Respekt

Wermelskirchen: Schock-Fotos sorgen für Tränen und Respekt
Für "Crash-Kurs NRW - Realität erfahren. Echt hart." hatte die Polizei fünf Referenten ausgewählt, die von ihren Erfahrungen mit Autounfällen und den schrecklichen Folgen berichteten. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Wermelskirchen. Mit einer Präventionsaktion führt die Polizei Zehntklässlern die Risiken im Straßenverkehr anschaulich vor Augen. Ob Notfallseelsorger, Feuerwehrmann oder die Mutter des tödlich Verunglückten berichten: Die Realität ist schrecklich. Von Stephan Singer

Tief beeindruckt und bewegt zeigten sich die mehr als 130 Schüler, die gestern Vormittag den "Crash-Kurs NRW" im Bürgerzentrum erlebten. Zwei Schülerinnen verließen sogar zwischenzeitlich unter Tränen den Saal. Mit dem "Crash-Kurs" will die Polizei für die Risiken im Straßenverkehr sensibilisieren und kommt damit zweimal im Jahr nach Wermelskirchen: einmal für die zehnten Klassen des Gymnasiums und wie gestern für die Zehntklässler von Haupt-, Real- und Förderschule. "Das macht nachdenklich. Ich gebe das auch gerne in meinem Bekanntenkreis weiter, schließlich ist ein Kumpel von mir vor zwei Jahren bei einem Autounfall tödlich verunglückt", sagte der 16-jährige Joel Pleuser von der Realschule nach der Veranstaltung im BM-Gespräch.

Für "Crash-Kurs NRW - Realität erfahren. Echt hart." hatte die Polizei fünf Referenten ausgewählt, die unter der Moderation von Polizistin Petra Botta von ihren Erfahrungen mit Autounfällen und den schrecklichen Folgen berichteten. So mahnte Dr. Hans Goost, Chefarzt der Unfallchirurgie im Krankenhaus Wermelskirchen: "Nach einem Unfall, bei dem Ihr vielleicht mit dem Leben davon kommt, ist es nicht vorbei. Lähmungen oder Behinderungen bleiben für immer." Der Arzt zeigte mit einem Foto das Beispiel eines um zehn Zentimeter verkürzten Beines - die Folge eines Motorradunfalls. Notfall-Seelsorger Uli Geiler kennt die Momente, wenn der Notarzt feststellt, dass die "Verletzungen nicht mit dem Leben vereinbar sind": "Der Tod bei einem Verkehrsunfall ist so ziemlich das Sinnloseste, was es überhaupt gibt."

Mit eindringlichen Bildern und Filmen, in ihrer Wirkung noch durch Musik verstärkt, von Kreuzen an Unfallorten und von Einsatzstellen mit völlig demolierten Fahrzeugwracks lenkten die Organisatoren der Präventionsveranstaltung den Fokus bewusst auf die dramatischen Folgen von Unfällen, ohne mit Statistiken zu "langweilen".

Als betroffene Mutter sprach Ursula Seiffert. Sie hatte ihren damals 21-jährigen Sohn Christian vor sechs Jahren durch einen Autounfall verloren - er war zu schnell und unter Alkohol-Einfluss nur vier Minuten von Zuhause entfernt von der Fahrbahn abgekommen. Ursula Seiffert betonte nachdrücklich mit zitternder Stimme, dass ein solches Unglück eine ganze Familie "aus der Bahn wirft". Depression, Alpträume und fehlende Konzentrationsfähigkeit seien einige der Folgen: "Seit sechs Jahren ist unser Leben durch Christians Tod geprägt."

Polizistin Petra Botta appellierte an das eigene Verhalten der Jugendlichen: "Unfälle passieren nicht einfach, sie werden verursacht. Jedem Unfall geht ein Regelverstoß voraus. Wer sich an Regeln hält, schützt Leben - sein eigenes und das der anderen." Aus der Sicht von Einsatzkräften am Unfallort schilderten Polizist Holger van Helden und der Wermelskirchener Feuerwehrmann Willi Garweg ihre Erfahrungen anhand exemplarischer Beispiele. Garweg, in der Freizeit ein begeisterter Handball-Spieler und -Trainer, unterstrich: "Beruflich will ich Euch gar nicht kennenlernen, im Sport sehr gerne!"

Im Nachgang zum "Crash-Kurs" wird das Thema auch im Schulunterricht weiter aufgegriffen, was der 15-jährigen Realschülerin Lea Steffens zusagt: "Diese Veranstaltung sollte man erlebt haben. Das ist ein Anstoß, darüber nachzudenken." Und ihr Mitschüler Christian Schifferings (16) gab gegenüber der BM zu: "Ich habe ein mulmiges Gefühl. Objektiv weiss man das ja eigentlich alles. Das aber so realitätsnah zu hören, flößt mir Respekt ein."

Quelle: RP
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