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Wermelskirchen
Schüler helfen in der Tagespflege

Wermelskirchen. Seit einem Jahr beschäftigen sich die Jugendlichen der ehemaligen Pestalozzischule einmal in der Woche mit den Senioren in der Tagespflege des Seniorenparks "carpe diem". Dabei mangelt es den 14- bis 16-Jährigen nicht an Ideen. Von Stephan Singer

Von seinem Einsatzort ist der 15-jährige Domenic Simonides derart angetan, dass er sogar in den Osterferien mit einem Freund die Tagespflege im Seniorenpark "carpe diem" besuchte. Gemeinsam mit einer Schülergruppe der Verbundschule in Wermelskirchen - ehemals Pestalozzischule - hat Domenic dort einmal in der Woche seinen "Arbeitsplatz". Möglich macht das eine Kooperation zwischen dem Seniorenpark und der Schule im Rahmen des Arbeitslehre-Unterrichts in den neunten und zehnten Klassen.

Dieser Unterricht soll die Schüler auf die Berufswelt vorbereiten. Das Bearbeiten von Metall oder Holz gehört genauso dazu wie Langzeitpraktika in Unternehmen. Seit gut einem Jahr kommen Jugendliche der Schule in die Tagespflege-Einrichtung von 'carpe diem'. "Sie überlegen und besprechen vorher im Unterricht die Ideen, was sie mit den Senioren machen wollen. Dabei reicht das Spektrum von Bewegungs- und Gesellschaftsspielen bis hin zu Kochen, Backen oder Basteln", erläutert Lehrerin Annalena Grund. Vier bis sechs Jungen und Mädchen kümmern sich vormittags um die zwölf bis 15 Gäste der Tagespflege.

Gestern bastelten die Schüler mit den Senioren frühlingshafte Kressekörbchen. "An Ideen mangelt es uns nicht. Wir haben eher das Problem, dass wir genau abstimmen müssen, was wir wann machen wollen", erzählt Domenic Simonides. Sein Berufswunsch sei eigentlich Kfz-Mechatroniker - inzwischen könne er sich jedoch ebenso vorstellen, in der Pflege zu arbeiten.

Dort ist Nachwuchs bekanntlich gefragt. Der Seniorenpark "carpe diem" sieht die Kooperation durchaus als Möglichkeit, eigenen Nachwuchs zu gewinnen. "Wir möchten uns als Bestandteil des Lebens in der Stadt darstellen. Gerne nutzen wir dazu jede Gelegenheit und präsentieren die Möglichkeit einer Berufsausbildung bei uns", sagt "carpe diem"-Geschäftsführer Jan Christian Schreiter. Diese Möglichkeiten beschränken sich nicht auf die Pflege, sondern beziehen sich auch auf Küche oder Hauswirtschaft. In erster Linie sei der Abbau von Berührungsängsten das Ziel.

Letzteres gelingt in den Augen von Tagespflegeleiterin Birgit Stippe hervorragend: "Das ist eine fruchtbare Kooperation. Die Schüler bringen etwas ein und nehmen genauso etwas mit - beide Seiten profitieren." Da werde sich darüber unterhalten, wie es früher bei den Senioren war und wie es heute bei den Jugendlichen ist. "Die Jungen und Mädchen gewinnen an Selbstvertrauen - schon alleine dadurch, dass sie lernen, laut und deutlich zu sprechen." Lehrerin Annalena Grund macht bei ihren Schülern einen weiteren positiven Effekt aus: "Sind sie sonst eher verschlossen, werden durch solch ein Projekt motiviert und kommen aus sich heraus - sie zeigen dann auch in der Schule engagierte Leistungen." Ständig auf die Finger schauen muss Birgit Stippe den Schülern längst nicht mehr: "Wenn sie kommen, ziehe ich mich bewusst zurück. Das funktioniert reibungslos." Gerne erinnert sich Domenic Simonides daran, als er mit den Senioren Ostereier bemalte: "Da habe ich einen Minion gemacht und erklärt, was das für eine Figur ist. Alle waren begeistert und haben gelacht. Mir macht es Spaß und ich finde es spannend, was die älteren Leute zu erzählen haben."

Quelle: RP
 
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