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Wermelskirchen
Schuldnerberatung auf dem Prüfstand

Wermelskirchen: Schuldnerberatung auf dem Prüfstand
FOTO: Moll Jürgen
Wermelskirchen. Der Kreis will mit einer Ausschreibung herausfinden, welche freien Träger für die Schuldnerberatung ab 2018 infrage kämen. Die Stadt hat daher den Vertrag mit der Awo gekündigt - beide Seiten möchten aber weiter zusammenarbeiten. Von Sebastian Radermacher

Die Stadtverwaltung hat den Vertrag mit der Arbeiterwohlfahrt Rhein-Oberberg über die Schuldnerberatung zum Jahresende gekündigt. Das bestätigt Bürgermeister Rainer Bleek auf Anfrage unserer Redaktion. Gleichwohl bedeutet das aber nicht, dass die Awo zwangsläufig ihre Beratungen für verschuldete Menschen in Wermelskirchen in Zukunft nicht mehr anbieten wird. "Wir möchten mit der Awo weiter zusammenarbeiten - im selben Umfang wie bisher", betont Bleek. Und auch Alwine Pfefferle, zuständige Geschäftsbereichsleiterin bei der Awo, stellt klar: "Wir möchten das Angebot in Wermelskirchen gerne fortführen."

Warum also die Kündigung des Vertrages, wenn doch beide Seiten die erfolgreiche Schuldnerberatung fortführen möchten? Die Schuldnerberatung im Rheinisch-Bergischen Kreis ist ein kompliziertes Konstrukt, vor allem was die Finanzierung angeht. Die Schuldnerberatung in Wermelskirchen kostet laut Bleek pro Jahr rund 139.000 Euro. Der Kreis trägt mit rund 80.000 Euro den größten Anteil - er finanziert sozusagen die "Standard-Beratung" für Empfänger von SGB-II- (Harzt IV) und SGBXII-Leistungen (Sozialhilfe). Hinzukommt eine Unterstützung von 12.000 Euro durch den Rheinischen Sparkassen- und Giroverband. Die Stadt Wermelskirchen steuert jährlich 47.000 Euro bei, um einen höheren Standard anbieten und so auch Menschen mit finanziellen Problemen beraten zu können, die durch die Kreis-Finanzierung nicht abgedeckt sind.

Der Kreis stellt jetzt die Schuldnerberatung auf den Prüfstand, er will mit einem Interessenbekundungsverfahren herausfinden, welche weiteren freien Träger Interesse hätten, dieses Beratungsangebot ab 2018 zu übernehmen. "Dieser Schritt wurde letztlich angestoßen durch die Stadt Leichlingen, die die Schuldnerberatung zurückgegeben hat - dadurch ist Bewegung in die ganze Sache gekommen", erklärt Bleek. Der Kreis sondiere jetzt den Markt. "Wir haben entschieden, den Schuldnerberatungsvertrag mit der Awo zu kündigen und jetzt erst einmal abzuwarten, was die Markerkundung des Kreises ergibt", sagt der Bürgermeister. Bis zum Jahresende bleibe alles beim Alten - und Bleek hofft, dass auch ab dem 1. Januar 2018 die Schuldnerberatung in Wermelskirchen von der Awo angeboten wird. "Die Awo leistet sehr gute Arbeit, wir sind sehr zufrieden." Es sei aber logisch, dass solche Dienstleistungen "immer mal wieder zur Disposition gestellt werden". Seines Wissens sei die Awo der einzige Interessent, der die Schuldnerberatung in Wermelskirchen in Zukunft anbieten möchte. Bleek: "Und sie könnte jetzt zum Beispiel versuchen, das Angebot auch in Burscheid oder Leichlingen zu übernehmen." Er geht davon aus, dass die Politik nach der Sommerpause in den Umstrukturierungsprozess eingebunden wird, denn sie muss entscheiden, ob der Standard der Schuldnerberatung (mit städtischem Zuschuss) auch 2018 erhalten bleibt oder ob womöglich das Angebot reduziert werden soll. Bleek hofft, dass es weitergeht wie bisher - mit der Arbeiterwohlfahrt.

Die Awo stellt zurzeit eine Kalkulation für ihr Beratungsangebot zusammen. Sollte in Wermelskirchen auch in Zukunft das bisherige Angebot fortgesetzt werden, müsste sie mit der Stadt einen separaten Vertrag (zusätzlich zur dann neuen Vereinbarung mit dem Kreis) abschließen. "Wir müssen in Ruhe klären, ob die Stadt das bisherige Angebot aufrecht erhalten will", sagt Alwine Pfefferle. "Die Zusammenarbeit funktioniert seit mehr als 20 Jahren sehr gut - unser Wille ist da, dass es in Zukunft so weitergeht."

Quelle: RP
 
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