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Wermelskirchen
Schulen kämpfen für Inklusionshelfer

Wermelskirchen. Genau ein Jahr, nachdem es angelaufen ist, wird das Inklusionshelfer-Projekt an Wermelskirchener Schulen nicht weitergeführt. Die finanziellen Mittel fehlen. Jetzt wenden sich die Schulen geschlossen an das Landesministerium. Von Jessica Balleer und Udo Teifel

Den Stempel "Förderkind" gibt es beim Thema Inklusion schon lange nicht mehr. Es sind hochbegabte Kinder, solche mit Migrationshintergrund oder Flüchtlingskinder. "Inklusion, damit ist jedes Kind gemeint", sagt Mareike Olschenka. Als Inklusionshelferin hat sie in den vergangenen Monaten an der Schwanenschule dafür gesorgt, dass die Gesamtsituation in den Klassen verbessert wird. "Sie war für uns ein wertvoller Schatz", sagt Schulleiterin Katrin Wagner. Sie spricht in der Vergangenheitsform, weil Olschenka wohl im kommenden Schuljahr nicht mehr da sein wird.

Ein Jahr lang unterstützten insgesamt neun Inklusionshelfer die Wermelskirchener Schulen bei der "Mammutaufgabe Inklusion", wie sie Wagner bezeichnet. Im Rahmen des Integrationshelfer-Projektes stellte die Lebenshilfe als Projektträger den Verbundschulen, der Sekundarschule und der Schwanenschule jeweils zwei "I-Helfer" zur Seite, der KGS, der Waldschule und der GGS Am Haiderbach je einen. Doch die 56.000 Euro, die in das Projekt flossen, sind längst aufgebraucht. Ein neuer Geldgeber ist trotz wochenlanger Suche durch Stadt und Schulen bisher nicht gefunden.

"Es sind ganz alltägliche Dinge", sagt Mareike Olschenka über ihre Aufgaben. Die fangen bei der Aufgabenbetreuung im Unterricht an, gehen über die Hilfe bei koordinativen Problemen im Schulalltag bis zur Aufsicht, wenn sich ein Kind von der Klasse entfernt. Es gab beispielsweise dieses Flüchtlingskind an der Grundschule, das immerzu weglaufen wollte. Beispiele für eine Situation, in der ein Klassenlehrer sowohl der gesamten Klasse, als auch einem besonders bedürftigen Kind gerecht werden muss. "Ein Lehrer kann kaum allen gerecht werden", sagt Olschenka. Die 41-Jährige hatte Ende August an der Schwanenschule als pädagogische Hilfskraft angefangen. "In einer 22-köpfigen Klasse kommt es oft zu Situationen, in denen eine zweite Person im Raum wichtig wird." Alle Inklusionshelfer haben zwar einen festen Stundenplan. Als zusätzliche Kräfte eingesetzt, ermöglichte ihre Anwesenheit aber das schnelle Reagieren auf besondere Situationen - im Rahmen der Hochbegabtenförderung und auch dem Fördern leistungsschwacher Kinder. "Wir konnten so Kinder unterstützen, die aus dem eigentlichen Förderbedarf herausfallen", sagt Schulleiterin Wagner. Für Lehrer und Schüler seien die Inklusionshelfer Gold wert gewesen.

Das findet auch Schuldezernent Jürgen Graef. Er hat in den vergangenen Monaten mit seinen Mitarbeitern versucht, die unterschiedlichsten Stellen "anzuzapfen" - ohne Erfolg. "Hier funktioniert endlich mal etwas - und dann gibt es plötzlich kein Geld mehr." Dafür hat Graef nur noch ein Kopfschütteln übrig.

Im Rahmen einer Forsa-Umfrage zum Thema Inklusion hätten sich Lehrer geäußert. "Tenor war, dass alle unzufrieden waren." Und dann wurde beim Land das Inklusionshelfer-Projekt aufgelegt und Geld zur Verfügung gestellt. Einmalig. "Eltern, Lehrer, Kinder und Träger sind zufrieden, weil Inklusion hier Fortschritte macht. Und dann scheitert alles am Geld."

Doch die Schulen haben noch nicht aufgegeben. Weil Inklusion als pflichtige Aufgabe gilt und damit zur Landessache wird, wenden sich die Wermelskirchener Schulen nun an das Ministerium. "Ich stehe in Kontakt mit dem Büro der Ministerin Löhrmann", sagt Dietmar Paulig, Schulleiter der Sekundarschule. Alle Schulen sitzen in einem Boot."

Für ihn sei es kaum nachvollziehbar, dass das Schulministerium um Sylvia Löhrmann die Kommunen bei diesem wichtigen Bildungsthema alleine lasse. "Eine große Last liegt momentan auf den Grundschulen", sagt Paulig. Er werde das Schreiben an die Ministerin - stellvertretend für sämtliche Wermelskirchener Schulleiter - zeitnah aufsetzen.

Eine Eingabe der Stadt Wermelskirchen wurde in Köln bereits abgelehnt. Die Aussichten für Mareike Olschenka und die acht weiteren Inklusionshelfer bleiben daher düster. Gescheitert ist das Projekt aber noch nicht.

Quelle: RP
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