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Wermelskirchen
Schulleiter Gebhard Lehr ist ein "Lieber"

Wermelskirchen: Schulleiter Gebhard Lehr ist ein "Lieber"
Schulleiter Gebhard Lehr (sitzend) verabschiedet sich heute. Seine Wegbegleiter nennen ihn "Lieber" (v.l.): der stellvertretende Schülersprecher Aslan Duda, die Lehrerinnen Tanja Wagner, Allegra Rabe und Christiane Ritschel. FOTO: stephan singer
Wermelskirchen. Mit einem Festakt verabschiedete gestern die Hauptschule ihren Rektor in den Ruhestand. Heute ist sein letzter Arbeitstag. Von Stephan Singer

Als gestern Nachmittag der stellvertretende Schülersprecher Aslan Duda an das Rednerpult trat, sprach er den scheidenden Leiter der Hauptschule, Gebhard Lehr, nicht etwa mit dem förmlichen "Verehrter" an, sondern mit "Lieber Herr Lehr". Das begründete der Schüler beim Festakt zur Verabschiedung von Gebhard Lehr schlüssig. Er wies den einzelnen Buchstaben, die auf Papier gedruckt symbolisch in die Höhe gehalten wurden, löbliche Charaktereigenschaften von Lehr zu: "loyal", "engagiert" oder ruhig". Aslan Duda wörtlich: "Wir werden Gebhard Lehr vermissen, ihn und seine besondere Fähigkeit als Schulleiter."

Am heutigen Freitag hat Gebhard Lehr seinen letzten Arbeitstag, den alle Schüler nutzen wollen, um sich gebührend von ihrem Schulleiter zu verabschieden.

Beim offiziellen Festakt waren es auch bei der Rede von Dagmar Strehlow-Toussaint die Buchstaben, mit denen die Rektorin der Waldschule den "roten Faden" durch ihr "Schul-ABC" spann. Da stand das C für das lange in der Wermelskirchener Schullandschaft nicht mehr verwendete und jetzt wieder aktuelle, "böse" Wort Container oder das M für Medienkompetenz. Strehlow-Toussaint sprach stellvertretend für alle Schulleiter in der Stadt und erinnerte an die verbindenden Herausforderungen, Aufgaben und Pflichten, die alle Schulleiter in den vergangenen Jahren gemeinsam hätten tragen müssen.

Rüdiger Menn vom Lehrerrat der Hauptschule ließ die Veränderungen, die die elfjährige Dienstzeit von Gebhard Lehr in Wermelskirchen prägten, Revue passieren: der Umbau zur Ganztagsschule, jede Menge Sanierungsarbeiten am Gebäude, die Entscheidung pro Sekundarschule und zum Auslaufen der Hauptschule, der Einsatz für Integration und Inklusion. "Das war eine starke Leistung in unruhigen Zeiten", attestierte Menn dem scheidenden Rektor.

Gebhard Lehr bedankte sich bei seinen Wegbegleitern, richtete im Hinblick auf den Neubau der Sekundarschule jedoch ebenso kritische Worte an die Kommunalpolitik. Es stünden überaus wichtige Entscheidungen an, und die beteiligten Schulen könnten nicht länger im Unklaren gelassen werden: "Kosten müssen getragen werden - das haben Schüler, Eltern und das Lehrerkollegium verdient." Zudem seien 32 Millionen Euro ein realistischer Wert für den Bau einer neuen Sekundarschule. Der angehende Pensionär bedauerte, dass sich die Eltern der Schüler verändert hätten: "Viele Eltern haben aus meiner Sicht heutzutage zu wenig Zeit für ihre Kinder." Das schade den Jungen und Mädchen. Als Fazit seiner beruflichen Laufbahn fand Lehr zufriedene Worte: "Es war eine ertragreiche Zeit. Ich bin ein glücklicher Schulleiter gewesen, weil ich immer das Vertrauen der Schulaufsichtsbehörden hatte."

Für genau diese Behörden sprach die rheinisch-bergische Schulamtsdirektorin Barbara Gerhards, die Gebhard Lehr eine "kompromissbereite Grundeinstellung" zusprach. Besonders das Thema Berufsorientierung habe der Hauptschulrektor stets forciert und ausgebaut: "Gebhard Lehr zeichnet eine zupackende, positiv-pragmatische Art, mit den Umständen umzugehen, aus."

Gebhard Lehr, der 1971 am Wermelskirchener Gymnasium sein Abitur machte, war insgesamt 41 Jahre im Schuldienst, 25 davon als Leiter einer Hauptschule. 1977 nahm er nach dem Referendariat seine Arbeit als Lehrer auf, 1992 wurde er Leiter der Hauptschule an der Wilhelmstraße in Remscheid. Dort wirkte Lehr zudem als Sprecher der Leitungen aller Remscheider Hauptschulen. Als Rektor übernahm Gebhard Lehr im Februar 2006 die Leitung der Städtischen Hauptschule in Wermelskirchen. Damals hatte die Schule an der Wirtsmühler Straße etwa 840 Schüler in 33 Klassen mit 60 Lehrkräften. Im aktuellen Schuljahr besucht der letzte Jahrgang (drei Klassen) die Hauptschule, bevor diese ausläuft und endgültig in der Sekundarschule aufgeht. Bis zum Ende des Schuljahres übernimmt Konrektor Marcel Schnürer die Leitung.

Quelle: RP
 
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