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Wermelskirchen
Smarter Jurist sendet Seitenhiebe

Wermelskirchen. Max Uthoff begeistert in der Katt mit seinem Programm "Gegendarstellung". Auch wenn dem Publikum dabei das Lachen manchmal im Hals gefriert. Von Wolfgang Weitzdörfer

Manchmal kommt er auch raus aus der ZDF-"Anstalt": Max Uthoff, der smarte Jurist mit der fliehenden Stirn und der spitzen Zunge, ist derzeit mit seinem Programm "Gegendarstellung" unterwegs. Am Donnerstagabend hat er für eine bestens gefüllte Katt gesorgt. Und gezeigt, dass er zu den besten Politk-Kabarettisten Deutschlands gehört. Das Publikum erlebt einen Abend, bei dem einem das Lachen immer wieder im Hals gefriert. Wie sich das eben gehört, wenn man unbequeme Wahrheiten im Halbminutentakt um die Ohren geschleudert bekommt.

Symptomatisch der Beginn: "Wer immer wieder dasselbe sagt, hat Recht!" Diesen Satz spricht Uthoff, immer wieder, durch ein Megafon, während er durch den Saal wandert und - meist sinnfreie - Hohlphrasen des medialen und politischen Alltags einwirft. Ein ungewöhnlicher Auftakt, aber er lässt direkt aufhorchen.

Uthoff teilt heftig aus. Sehr schön ist dabei, dass es in alle Richtungen gleichermaßen geht. Auch wenn natürlich eine gewisse Tendenz spürbar ist - was aber nicht weiter schlimm ist, denn auch wenn Uthoff Sahra Wagenknechts zwölfminütigen Bundestagsreden mehr Substanz unterstellt als stundenlangen Vorträgen anderer Politiker, so bekommt doch auch die Partei Die Linke ihr Fett weg.

Uthoff spielt mit Extremen, mit Polarisierung, frei nach dem Motto: Übertreibung veranschaulicht. "Zivilisationsbruch ist ein Wort, das bislang für die Shoah, den Völkermord an den Juden Europas, verwendet wurde. Das Wort wurde nun auch für die Ereignisse in Köln benutzt." Das sitzt. Ebenso der Seitenhieb auf die Kölner Polizei: "Die spielt eh nicht in der Champions League der Sicherheitskräfte: Als ich mit meiner Frau einen Polizisten am Kölner Hauptbahnhof nach dem Weg gefragt habe, meinte der nur, dass wir wohl nicht aus Köln seien. Als ich verneinte und wissen wollte, woher er das wisse, kam die Antwort: Ein Kölner würde nie einen Polizisten um Hilfe bitten."

Neben gesellschaftlichen Themen liegt Uthoff vor allem die Politik am Herzen. Merkel sollte den Friedensnobelpreis bekommen: "Sie hat aus dem Fenster geschaut und die Flüchtlinge gesehen. Dann hat sie gedacht: Mauer haben wir keine, erschießen können wir sie nicht. Dann lassen wir sie eben rein!" Zu Seehofer: "Ein Denkzettel für Seehofer sei das Abstimmungsergebnis, hieß es. Da frag ich mich: Denkzettel - wofür?" Zur AfD: "Da sag ich ganz platt: Das sind offene Rassisten!" Zur SPD: "Kann mir jemand erklären, warum man heute noch Mitglied der SPD ist?" Zu den Grünen: "Die sind das ideologische Kirschkernkissen der Wohlhabenden unserer Gesellschaft." Zu Pegida: "Die stellen montags das Vakuum zwischen ihren Ohren zur Schau."

Klingt nach viel? War es auch. Uthoff schafft es dennoch, den Faden nicht zu verlieren.

Quelle: RP
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