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Wermelskirchen
So gelingt Inklusion

Wermelskirchen. Die Arbeit der Inklusionshelfer an den Schulen wird künftig aus städtischen Mitteln finanziert, sonst wäre das Vorzeigeprojekt gestorben. Wie wichtig Inklusionshelfer sind, zeigt das Beispiel des sechsjährigen Jasper Willinghöfer. Der Junge mit Down-Syndrom geht seit diesem Schuljahr auf die Schwanenschule - und fühlt sich dort pudelwohl. Von Stephan Singer

Inklusion funktioniert, ist für alle Beteiligten bereichernd und für Kinder mit Behinderung der richtige Weg. Noch im Sommer stand das von der Landesregierung initiierte Inklusionshelferprojekt an Schulen in Wermelskirchen auf der Kippe. Der Stadtrat beschloss dann, die künftig fehlenden Landesmittel aus dem kommunalen Säckel aufzubringen. Es war die richtige Entscheidung, wie das Beispiel des sechsjährigen Jasper Willinghöfer zeigt.

Seit Schuljahresbeginn besucht der Junge mit Down-Syndrom die erste Klasse der Schwanenschule. Sein Vater Andreas Willinghöfer ist überzeugt: "Wir diskutieren nicht, wir machen einfach!" Bei seinen täglichen Besuchen des Unterrichts und der Offenen Ganztagsschule über die Mittagsstunden kann sich Jasper auf die Unterstützung von Inklusionshelferinnen verlassen. Von 8 bis 14 Uhr steht ihm Jasmin Kralemann zur Seite. Ihre Stelle wird von der Lebenshilfe finanziert.

"Natürlich habe ich Jasper und seine Familie vor dem Antritt der Stelle kennengelernt. Ohne gegenseitige Sympathie geht es nicht. Und natürlich ist es manchmal auch schwierig, da brauche ich dann viel Fingerspitzengefühl", erzählt die 33-jährige Inklusionshelferin. Sie weiß aus ihrer beruflichen Erfahrung: "Kinder mit Down-Syndrom können dickköpfig sein, das ist typisch. Wenn Jasper nur kuscheln will, ist es schwierig, ihn wieder an die Arbeit zu kriegen. Und manchmal ist es nötig, dass ich mich mit Jasper aus dem Geschehen zurückziehe, damit er sich besser konzentrieren kann."

Anfangs sei es gar nicht einfach gewesen, Jasper aus der Pause zu bekommen, weil er nicht einsehen wollte, dass das Spielen jetzt ein Ende hat. Letzteres zeigt jedoch, dass sich Jasper in der Schule sehr wohlfühlt. "Mir geht es gut hier", sagt der Junge, der wenig spricht. Für diesen kurzen Satz erntet er von den Mitschülern Applaus. Die Frage, ob es ihm Spaß macht, mit den anderen Kindern zu lernen, bejaht er mit einem deutlichen Nicken.

Zu Jasper Willinghöfers Klasse gehören 23 Jungen und Mädchen des ersten und zweiten Schuljahres. Für sie gehört der Junge mit Down-Syndrom wie selbstverständlich dazu. "Ich finde es toll, dass er hier ist. Er arbeitet schnell", sagt Kilian. Leo beobachtet, dass "Jasper viel lernt". "Ich mag ihn", betont Lia, und Daria ergänzt: "Ich spiele gerne mit ihm."

Jaspers Mitschüler und Pate Nikos ist selbst ein eher stiller Junge, erzählt Klassenlehrerin Gabriele Nauroth: "Nikos kümmert sich fast schon zu viel. Da beide Jungen eher ruhig sind, verstehen sie sich hervorragend, weil sie sich gut ineinander hineinversetzen können." Die 55-jährige Pädagogin setzt bei der Inklusion auf ihren Erfahrungsschatz: "Ich habe einen größeren, methodischen Werkzeugkoffer als jüngere Kollegen. Manchmal ist Jasper besser in den Unterricht und die Klasse integriert, als ich es fordere. Dann muss ich Aufgabenformate ganz schnell umstellen, damit Jasper selbstgestärkt daraus hervorgeht." Jasper sei immer dabei, selbst beim jüngsten Theaterprojekt habe er problemlos mitgemacht.

Der Sechsjährige bekommt keine Extra-Lehrer, keinen Extra-Kurs. Das macht das System der Schwanenschule möglich. "Wir haben es für Jasper lediglich individualisiert", sagt Nauroth. So lernt Jasper etwa aktuell nur Großbuchstaben und stempelt diese, anstatt sie aufzuschreiben. Seine Lehrerin bedauert, dass ihr zu wenig Arbeitszeit für administrative Dinge bleibt: "Die Vernetzung mit allen Eltern, Ämtern und Institutionen ist wichtig. Das klappt an der Schwanenschule."

Wohlwissend, dass Entscheidungen über den Bildungsweg eines Kindes stets der individuellen Situation und Fähigkeit angepasst sein müssen, ist sich Nauroth in Bezug auf Jasper ihrer Sache sicher: "Er ist ordnungsliebend, kann sich gut konzentrieren. Er sprengt nicht die Klasse. Die anderen Kinder leiden nicht, es ist für alle genial. Das ist Inklusion, wie man sie sich wünscht."

Quelle: RP
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