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Wermelskirchen
Stadt braucht mehr Flüchtlingsunterkünfte

Wermelskirchen: Stadt braucht mehr Flüchtlingsunterkünfte
Für das Areal am Freibad Dhünn hatte Besitzer Frank Jäger ein Konzept für die Unterbringung ausgearbeitet - es wurde in der vorigen Woche von der Stadtverwaltung abgelehnt. FOTO: Moll (Archiv)
Wermelskirchen. Die Stadt muss deutlich mehr zugewiesene Flüchtlingen unterbringen als geplant. Fürs Strandbad Dhünn gab's ein Konzept - es wurde in der vorigen Woche abgelehnt. Die Stadt will das erneute Schließen von Sporthallen vermeiden. Von Sebastian Radermacher und Udo Teifel

Die Stadtverwaltung muss bis Ende des Jahres mit einer deutlich höheren Zahl an zugewiesenen Flüchtlingen rechnen als sie bislang angenommen hatte. Das bestätigt Bürgermeister Rainer Bleek auf Anfrage unserer Redaktion. Er hatte in einer nicht öffentlichen Sitzung des Ältestenrates die Politiker über die neue Entwicklung informiert. Die Stadtverwaltung hatte in ihre Planungen für die langfristige Unterbringung von Flüchtlingen einbezogen, dass nach der Schließung der Erstaufnahmeeinrichtungen in den Sporthallen die Zahl der dann zugewiesenen Flüchtlinge zunehmen wird.

Bislang war sie davon ausgegangen, dass Wermelskirchen bis Ende 2016 etwa 100 Flüchtlinge zugewiesen werden. "Die Bezirksregierung Arnsberg hat jetzt aber noch einmal neu gerechnet und uns eine Zahl mitgeteilt, die höher, eventuell deutlich höher, ausfallen könnte", sagt Bleek. Die neu prognostizierte Zahl nennt er bewusst noch nicht. "Wir werden diese Zahl noch einmal hinterfragen und Anfang der Woche Kontakt zur Bezirksregierung aufnehmen. Wir sehen da noch Kompromissmöglichkeiten", sagt Bleek.

Was der Bürgermeister aber bestätigen kann: Die Stadtverwaltung steht nun unter einem erheblichen Zeitdruck, möglichst schnell passende Unterbringungsmöglichkeiten für die zugewiesenen Flüchtlinge zu schaffen. Er gibt zu, "dass uns diese neue Zahl der möglichen Zuweisungen überrascht hat. Wir haben immer mit einer realistischen Zahl kalkuliert - die galt aber nur bis vorgestern."

Die Verwaltung hat nun kurzerhand ein Konzept erarbeitet, wie sie die nicht eingeplante Zahl an zugewiesenen Flüchtlingen auffangen und die Menschen unterbringen kann. Diese Pläne stellte Bleek den Politikern vor. Und wie waren die Reaktionen? Bleek hält sich bedeckt, sagt: "Wir haben intensiv über diese neue Entwicklung gesprochen." Dabei sei auch über verschiedene Wohntypen und mögliche Standorte im Stadtgebiet diskutiert worden. Eigene Baumaßnahmen der Stadt würden nicht rechtzeitig fertig, stellte der Bürgermeister klar. Es müssen also andere Lösungen her, Bleek spricht in diesem Zusammenhang von "temporärer Unterbringung". Es müssten also vor allem Objekte für eine Übergangszeit von ein, zwei Jahren zur Verfügung stehen - Überlegungen seien, Einfamilienhäuser und Appartementhäuser zu nutzen oder auch sogenannte Wohndörfer zu errichten. Eine Entscheidung dazu ist noch nicht gefallen. Die Politiker sollen die Pläne der Verwaltung nun in ihren Fraktionen diskutieren, bevor sie der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Bleek stellt klar: "Wir müssen in viele Richtungen denken und auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten. Das große Problem ist: Niemand weiß, was die übergeordneten Behörden an Kosten übernehmen und was an den Kommunen hängen bleibt." Aktuell gelte eine Pauschale von 10.000 Euro pro Jahr pro Flüchtling, die der Bund den Städten zahle. "Der Bund hat zugesagt, diese Mittel aufzustocken, es ist aber noch nichts endgültig geklärt. Es ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten", sagt der Bürgermeister. "Es ist ärgerlich, dass es keine Planungsgrundlage gibt."

Ändert diese neue Sachlage nun die Position der Stadtverwaltung zum Wohncontainerdorf auf dem Parkplatz des ehemaligen Strandbades in Dhünn? Freibadbesitzer Frank Jäger hatte jüngst nach Aufforderung der Stadtverwaltung ein Konzept für die Unterbringung vorgelegt - dies war aber laut Jäger vorige Woche abgelehnt worden. Frank Jäger gestern auf Anfrage unserer Redaktion: "Wir haben ein gutes Konzept erarbeitet. Auf dem Parkplatz sollten die Schlafcontainer stehen. Die Sozialräume des Freibades sollten eingebunden werden. Die sind ja vorhanden. Wir hätten die Räume ausgebaut und saniert."

Doch das unterbreitete Angebot fand keine Zustimmung im Rathaus. Die Container seien angeblich nicht wirtschaftlich, weil sie nur für einen begrenzten Zeitraum von drei Jahren hätten genutzt werden können. Jäger: "Ich verstehe nicht, warum man in so einer Situation die Nutzung nicht verlängern kann."

Muss die Stadtverwaltung nun umdenken und womöglich gleich wieder Sporthallen schließen, um diesmal die zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen? Der Bürgermeister sagt dazu: "Wir wollen das erneute Schließen von Hallen unbedingt vermeiden."

Quelle: RP
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