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Wermelskirchen
Stadt braucht Unterkünfte für Flüchtlinge

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft
Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller
Wermelskirchen. Die Zahl der Zuweisungen nimmt weiter zu - alle Unterkünfte sind voll. "Die Grenze ist erreicht", sagt Eric Weik. Er will mit der Politik kurzfristig Lösungen für neue Unterkünfte erarbeiten. Für den Übergang kommen auch Sporthallen infrage. Von Sebastian Radermacher

Die Stadtverwaltung sieht aktuell keine Möglichkeit, neue Flüchtlinge und Asylbewerber in Wermelskirchen aufzunehmen und in den einzelnen Unterkünften unterzubringen. "Die Unterkünfte sind voll, wir haben keinen Platz mehr. Unsere Möglichkeiten sind erschöpft, die Grenze ist erreicht", teilt Bürgermeister Eric Weik auf BM-Anfrage mit. Etwa zehn neue Flüchtlinge werden der Stadt pro Woche zugewiesen, die Entwicklung der Zuweisungen seit 2013 ist dramatisch (siehe Info-Box). Die Stadt hofft, dass in den nächsten Wochen keine weiteren Zuweisungen erfolgen. "Wir müssen schnellstmöglich andere Möglichkeiten finden, wie wir diese traumatisierten Menschen unterbringen können", sagt der Bürgermeister und stellt klar: "Es ist unsere Pflicht, diese Menschen aufzunehmen. Wir lassen keinen Flüchtling auf der Straße schlafen."

Weik möchte gemeinsam mit der Politik kurzfristig Lösungen für neue Unterkünfte erarbeiten. Für den morgigen Donnerstag wurde eine außerordentliche Sitzung des Ältestenrats einberufen, um mit den Fraktionsvorsitzenden darüber zu diskutieren. Im Anschluss werde das Thema in den Fraktionen besprochen, bevor in der Ratssitzung am 28. September womöglich eine Entscheidung getroffen werden könne. Die Problematik sei - bezogen auf die Größe der Städte - in Wermelskirchen genauso groß wie in Köln, betont Weik. "Die Entwicklung betrifft uns direkt, wir müssen handeln." Es gebe Familien, die anbieten, Flüchtlinge bei sich zu Hause in einer Art "WG" aufzunehmen. Dies sei eine tolle Idee, bei der großen Zahl an Zuweisungen seien jedoch weitere Lösungen erforderlich.

FOTO: Hertgen (Archiv)

Der Bürgermeister gibt auf BM-Anfrage zu, dass er und seine Mitarbeiter auch eine Unterbringung in Wermelskirchener Sporthallen ins Auge fassen. Wenn sich die Situation weiter so entwickelt, "müssen wir bereit sein, unsere Hallen zur Verfügung zu stellen", sagt Weik. Es sei noch nicht entschieden, welche Hallen als Notfallunterkunft für Flüchtlinge infrage kommen.

Weik betont, dass auch die Unterbringung in Gewerbegebieten diskutiert werden müsse. "Vielleicht gibt es ja brachliegende Gewerbehallen, die von der Infrastruktur her passen", schlägt er vor. Alles müsse auf den Prüfstand, Einschränkungen müssten in Zukunft alle hinnehmen. Er persönlich möchte vermeiden, die Flüchtlinge für längere Zeit "auf Feldbetten in eine Halle zu stecken". Das halte er für unzumutbar, betont der Bürgermeister. "Es ist unsere Pflicht, die Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen und sie in die Gesellschaft hier in Wermelskirchen zu integrieren." Kinder sollten die Möglichkeit bekommen, hier zur Schule zu gehen, Jugendliche sollten die Chance haben, eine Ausbildung zu beginnen, Erwachsene bräuchten Arbeitsplätze. "Wir müssen den Menschen eine Perspektive geben", appelliert Weik und fügt an: "Wir sind uns im Verwaltungsvorstand einig, dass Hallen nur eine kurzfristige Übergangslösung sein können."

Fotos: Große Hilfsbereitschaft am Dortmunder Hauptbahnhof FOTO: dpa, mjh

Für die Stadt bedeutet die steigende Zahl der Zuweisungen auch eine enorme finanzielle Belastung. Für die Unterbringung in städtischen Unterkünften sind im Haushalt für das Jahr 2015 etwa 140 000 Euro veranschlagt. Für die Unterbringung in privaten Wohnungen und Hotels kommen nach aktuellen Schätzungen alleine für 2015 noch einmal 480 000 Euro hinzu. Die Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz liegen nach BM-Informationen bei geschätzt knapp 1,8 Millionen Euro für das Jahr 2015 - davon wird der Stadt womöglich nur etwa die Hälfte vom Land NRW erstattet.

Einen besonderen Dank spricht der Bürgermeister Cornelia Seng und den mehr als 170 freiwilligen Helfern der Flüchtlings-Initiative "Willkommen in Wermelskirchen" aus. "Ohne dieses ehrenamtliche Engagement würde in Wermelskirchen schon jetzt nichts mehr funktionieren. Sie übernehmen so viele Aufgaben, die wir als Stadt gar nicht leisten könnten. Diese Hilfe ist sensationell", betont Weik. Die Unterbringung und Integration der Flüchtlinge werde nicht nur die Stadt in den nächsten Jahren beschäftigen. Weik: "Es ist eine große Herausforderung für die ganze Gesellschaft."

FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Quelle: RP
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