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Sommer-Interview Oliver Platt (bürgerforum)
"Stadt hat viel Potenzial, um zu wachsen"

Sommer-Interview Oliver Platt (bürgerforum): "Stadt hat viel Potenzial, um zu wachsen"
Die Wermelskirchener Innenstadt von oben betrachtet: Oliver Platt vom Bürgerforum sieht es als große Herausforderung, den Bevölkerungsrückgang zu stoppen. Nur dann könne sich die Stadt die Infrastruktur leisten. FOTO: jürgen moll (archiv)
Wermelskirchen. Die Hälfte der Wahlperiode ist vorbei, 2020 wird ein neuer Stadtrat gewählt. Anlass für unsere Redaktion, mit den Fraktionsvorsitzenden über die "erste Halbzeit" und die künftigen Herausforderungen zu sprechen. Heute: Oliver Platt (Büfo).

Die Hälfte der Legislaturperiode ist vorbei. Nennen Sie bitte die drei wichtigsten Dinge, die die Wermelskirchener Politik in den vergangenen knapp drei Jahren angestoßen hat.

Platt Die Ansiedlung eines Vollsortimenters auf dem Loches-Platz wurde mit großer politischer Mehrheit beschlossen. Den Bau des ersten Kunstrasens haben wir geschafft, den zweiten haben wir auf den Weg gebracht. Und Geld für die Umgestaltung der Schullandschaft wurde freigegeben - hier sind besonders der Ausbau für Ganztagesbetreuung und der Bau der Sekundarschule zu nennen. Wobei wir in diesem Bereich auch noch einiges in den nächsten Jahren stemmen müssen.

Warum ausgerechnet diese drei?

Platt Wermelskirchen ist in der Peripherie von den Städten Köln und Düsseldorf eine Stadt, die noch viel Potenzial für Wachstum in sich trägt. Um dieses Wachstum zu ermöglichen, brauchen wir die dafür nötige Infrastruktur. Schulen, Sportstätten und Einkaufsmöglichkeiten sind, in Kombination mit attraktivem Wohnraum, ein absolutes Muss. Hier müssen wir nachlegen - und das machen wir auch.

Was sind die Ihrer Ansicht nach drei größten Flops seit der Wahl im September 2014?

Platt Der wohl größte Flop ist der Ausschuss für Umwelt und Bau. Die Idee, diesen Ausschuss unbedingt haben zu müssen, ging voll daneben. Die paar Themen, die dort behandelt werden, waren früher und könnten auch heute noch im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr behandelt werden. Wenn man überlegt, was solch ein Ausschuss kostet, besonders jetzt, wo die Vorsitzenden der Ausschüsse ihre Arbeit oder auch Nicht-Arbeit gut bezahlt bekommen, sollte man echt überlegen, den Umwelt- und Bauausschuss abzuschaffen. Weitere Flops sind die AfD und Die Linke, beziehungsweise was davon übrig ist und was nur noch selten gesehen wird.

Warum?

Platt AFD und Linke sind jeweils mit zwei Ratsmitgliedern in die Wahlperiode gestartet und haben sich dann beide aufgelöst. Hier hat der Wähler seine Stimmen umsonst vergeben, da von der Seite nichts mehr kommt. Nicht, dass ich inhaltlich im Rat etwas vermissen würde, aber es passt nicht zu meiner Einstellung, wie man als gewählter und bezahlter Mandatsträger mit dem Wählerwillen umgehen sollte.

Was läuft zurzeit gut in der Stadt?

Platt Die Zusammenarbeit unter den Fraktionsvorsitzenden finde ich sehr gut. Auch wenn man nicht immer einer Meinung ist, bringen wir dann doch die für Wermelskirchen wichtigen Themen mit klaren Mehrheiten durch.

Und was läuft schlecht? Woran muss noch gearbeitet werden?

Platt Wir müssen schneller werden. Das Bürgerforum hat trotz einer sehr schwierigen Haushaltslage der Aufstockung des Personals in der Stadtverwaltung zugestimmt. Dieses haben wir aber an die Bedingung geknüpft, dass es jetzt auch keine Entschuldigungen mehr geben darf, warum sich Themen so ziehen. Hier ist jetzt das Rathaus am Zug, um zu liefern. Loches-Platz, Hallenbad, Schulumbau und Sanierung, energetische Sanierungen und vieles mehr müssen jetzt umgesetzt werden.

Was sind die größten Herausforderungen für Wermelskirchen in den kommenden Jahren?

Platt Wir müssen den Bevölkerungsrückgang stoppen und uns in die andere Richtung bewegen. Wir dürfen nicht schrumpfen, wir müssen wachsen. Wenn wir das nicht schaffen, können wir uns die Infrastruktur nicht mehr leisten. Wermelskirchen ist zu schön, um sich zurück zu entwickeln. Wir haben den richtigen Standort, jetzt müssen wir uns nur noch gut präsentieren, dann klappt das.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Bürgermeister Rainer Bleek?

Platt Herr Bleek muss als erster Bürger der Stadt das Tempo vorgeben. Er muss die wichtigen Themen anschieben und beschleunigen. Hier hat er noch großes Potenzial nach oben. Er hat jetzt das passende Personal und somit auch keine Ausreden mehr. Auch und gerade er muss jetzt liefern!

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit im Stadtrat?

Platt Die eigentliche Zusammenarbeit ist gut. Was aber besser werden muss, ist die Zusammenarbeit zwischen Rat und Ausschüssen. Es kommt vor, dass Ausschussvorsitzende eine gewisse Eigendynamik entwickeln, die die politische Arbeit in den Fraktionen behindert. Hier sollten die jeweiligen Fraktionsvorsitzenden ihre Leute einfangen, um ein besseres Arbeiten ohne Überraschungen zu ermöglichen.

Ein Ausblick auf den Wahlabend im Herbst 2020: Wo sehen Sie dann Ihre Partei in Wermelskirchen?

Platt Gut, dass wir keine Partei sind, sondern ein Bürgerverein. Gut, weil wir uns auf die reinen Wermelskirchen-Themen konzentrieren können. Hier hat das Bürgerforum bisher eine hervorragende Arbeit für Wermelskirchen geleistet. In den nächsten drei Jahren gilt es, das fortzusetzen und den Bürgern auch zu vermitteln. Tue Gutes und sprich darüber, dann steht einem weiteren Wahlerfolg unseres Bürgervereins nichts im Wege.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Haben Sie jetzt politische Sommerferien oder lassen die lokalen Themen Sie auch in den Ferien einfach nicht los?

Platt Kommunalpolitik ist ein Ehrenamt, das einen nie ganz loslässt. Immer kommen Mails, man wird angerufen oder bereitet Themen auf, die aktuell anstehen oder die man selber zusammen mit seiner Fraktion angehen möchte. Ich selber werde aber dieses Jahr versuchen, im Sommer mal zwei Wochen nichts zu machen. Mal sehen, ob es mir gelingt.

SEBASTIAN RADERMACHER STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
 
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