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Wermelskirchen
Stadt sichert Grabsteine für den BGV

Wermelskirchen. Rund 178 Jahre standen sieben Steine aus Grauwacke und Sandsteine unter einer Allee aus Weißbuchen. Bevor der Loches-Platz umgebaut wird und Bagger Steine und Allee vernichten, wurden die steinernen Zeitzeugen ausgebuddelt. Von Udo Teifel

Für Stadtführerin Petra Ammon war dieses kleine, verborgene Schätzchen auf Wermelskirchener Stadtgebiet immer der Höhepunkt ihrer Führungen. Versteckt auf dem unteren Loches-Platz, zeigte sie erstaunten Wermelskirchenern eine Allee aus über 100 Jahre alten Weißbuchen. Schon das sorgte bei vielen für überraschte Blicke, denn die Bäume am westlichen Ende des Platzes sind schwer nur als Teil einer ehemaligen Allee auszumachen. Gänzlich sprachlos waren viele Teilnehmer der Stadtrundgänge, wenn sie ihnen Steine zeigte, die, so wird vermutet, vor 178 Jahren von Julius Schumacher vom Kirchplatz umgesetzt wurden. Zwei davon könnten Grabsteine der Familien Schumacher/Schmidt sein.

Darüber wird Ammon nur erzählen können. Denn gestern hat die Stadtverwaltung in Absprache mit dem Bergischen Geschichtsvereins sieben Steine gesichert. Auf zwei Steinen sind Inschriften zu entziffern. BGV-Vorsitzender Volker Ernst, der gemeinsam mit Ammon die Arbeiten begleitete: "Die Steine werden am Stadtfriedhof gelagert. Dort wollen wir schauen, ob wir die Steine vorsichtig von der Patina der Zeit befreien können. Vielleicht können wir ja dann die Inschriften lesen." "Hütte" und "Gott" waren Fragmente, die sie entdeckten.

Die Mitarbeiter des Friedhofsamtes, Andi Klären im Bagger und Olaf Scheidler an der Schaufel, mussten ganz schon schuften. Friedhofsamtsleiter Thomas Pleil: "Einige Steine sind im Laufe der Jahrzehnte komplett angewachsen." Es sah so aus, als wollten die alten Weißbuchen die Steine, gut 30 Zentimeter tief im Erdreich eingesetzt, festhalten.

Der frühere Loches-Platz gehörte einst der Familie Schumacher. 1939 erst wurde die Fläche von der Stadt erworben. Es gibt Fotos, die im Besitz des BGV sind, die zeigen die alte Allee, die alte Fabrik und das ehemalige Wohnhaus der Schumachers. Letzteres sind heute die Bürgerhäuser an der Eich. Bis zum Seulenstiel reichte die Allee, damals mit Brücke über die Balkanexpress-Strecke.

Als der Kirchhof 1838 aufgelöst wurde, könnten die Steine von der Familie Schumacher umgesetzt worden sein in den eigenen Park.

1988 noch hieß es in der Bergischen Morgenpost, dass die alte Allee von der Stadt erhalten werden sollte. Davon ist heute keine Rede mehr. Harald Drescher vom Tiefbauamt: "Die Allee kommt wohl im Rahmen der Umgestaltung des Loches-Platzes mit einem Vollsortimenter weg." Darum wurden jetzt auch die Steine - Grauwacke und die Grabsteine aus Sandstein - gesichert. Später einmal, wenn der BGV seine wissenschaftlichen Arbeiten beendet hat, sollen sie auf dem Stadtfriedhof einen Platz finden.

So wird Petra Ammon den Teilnehmern der Stadtführung nur noch die Allee zeigen - bis auch die Geschichte ist.

Quelle: RP
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