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Ogata St. Michael
Auf den Spuren eines traditionellen Handwerks

Wermelskirchen. In die Kunst der Wollspinnerei wurden gestern 35 Kinder der OGATA St. Michael eingeführt. Im Rahmen der Ferienbetreuung, die in der letzten Ferienwoche unter dem besonderen Motto "Bergische Geschichte und heimisches Handwerk" steht, waren am Nachmittag drei Wollspinnerinnen und ein Wollspinner, Heinz Sennewald, in der Schillerstraße zu Besuch. Die Kinder hatten so viel Spaß, dass für einige der nächste Weihnachtswunsch schon feststand: ein eigenes Spinnrad.

Hochkonzentriert und mit Elan bürsteten sie kräftig die Wolle, sponnen sie zu feinen Fäden und bastelten sich daraus schließlich - veredelt mit einigen Perlen und Anhängern - hübsche Wollketten. Die 35 Kinder, die an der Ferienbetreuung der OGATA St. Michael teilnahmen, hatten gestern mächtig viel Spaß dabei, in eine Zeit einzutauchen, in der Wollfäden noch nicht von automatisierten Maschinen hergestellt wurden. "Das macht auf jeden Fall Spaß, obwohl es auch ein bisschen anstrengend ist", sagte der achtjährige Kayne, der bereits eine fertige Kette um den Hals trug - und noch weiter sorgfältig einen Büschel Wolle kämmte. "Ich mache mir daraus gleich noch einen Wollknödel und hebe ihn mir auf." Seine kleinere Schwester Alycha (6) hatte mit ihrer Wolle viel ambitioniertere Pläne. "Ich kämme die jetzt, danach mache ich daraus eine Hose für meine Puppe." Die achtjährige Rebekka arbeitete derweil eifrig an der Handspindel: "Das ist das erste Mal, dass ich das mache. Vorher hatte ich sowas auch noch nie gesehen", gestand sie. "Aber es ist sehr spannend."

Für OGATA-Mitarbeiterin Antje Mannheim war es eine Freude, die Kinder so vergnügt beim Spinnen zu sehen: "Für die Kinder waren die Spinnräder absolutes Neuland. Es ist aber schön zu sehen, wie sie ihre Wollbänder selbst erstellen, mit Perlen veredeln und sich dabei gegenseitig helfen." Mannheim hatte die Wollspinnerinnen nach Wermelskirchen eingeladen. "Ich bin dafür extra zum Handwerkermarkt nach Schloss Burg gefahren, um den Kontakt zu knüpfen, daher bin ich sehr froh, dass es so gut hingehauen hat", sagte sie.

Auch die Wollspinnerinnen Rita Nehls und Martina Seidel aus Solingen freuten sich über die Einladung: "Für uns ist das öffentliche Interesse natürlich wichtig, damit das Wissen über dieses Handwerk nicht verloren geht", sagte Seidel, die seit 2006 die Wollspinnerei für sich entdeckt hat. "Neu war es für mich nicht. Meine Mutter hat früher gesponnen, da habe ich es mir womöglich abgeschaut." Daniela Jandl aus Wermelskirchen spinnt Wolle nun seit eineinhalb Jahren. "Es ist nicht schwer zu erlernen, aber man braucht schon ein bisschen Gespür dafür." Die Kinder beim Spinnen am Spinnrad oder mit der Handspindel zu erleben, fand sie spannend: "Wenn die Kinder daran Gefallen finden, ist das toll."

CRISTINA SEGOVIA-BUENDÍA

Quelle: RP
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