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Jecke Zick
Der Tramp vom Amt - Jürgen Scholz nimmt Wermelskirchen aufs Korn

Wermelskirchen. Karneval hat so seine eigenen Gesetze - nicht jeder, der meint, ein lustiger Vogel zu sein, ist auch als Karnevalist oder gar Büttenredner geboren - und geeignet. Immer wieder mal stehen - zur Verblüffung vieler - Menschen in der Bütt, die am Arbeitsplatz oder täglichen Leben sachlich-korrekt, bescheiden, oft hier und da mit einer versteckten Andeutung erlebt werden. Aber von denen man nie glauben würde, sie hätten Talent für die Bütt.

Solch eine Persönlichkeit durften am Donnerstag (leider nur) die Mitarbeiter der Stadtverwaltung erleben, die ihre interne Altweiberparty feucht-fröhlich feierten. Da stand plötzlich der "Tramp vom Amt für Haupt und Personal" vor ihnen - im Hochzeitsanzug seines Vaters aus dem Jahre 1954, mit einem Bibi auf dem Kopf, einem Ringel-T-Shirt unter dem keinen Schwarzen und gestreiften, vielfach gestopften Ringelsocken. Links rot-weiß. Rechts schwarz-weiß. Das rote Schirm beschützend über seinem Haupte. Und dazu der Notenständer.

Es war Jürgen Scholz, der überraschend für alle auftrat. Was er vom Besten gab - natürlich viele Schmonzetten aus dem Alltag im Amt - ließ kein Auge trocken. Als Tramp vom Amt berichtete er ungeniert, was so im Rathaus alles passiert. Der neue Bürgermeister bekam sein Fett weg ("wir werden bürgerfreundlich, und zwar wie noch nie") wie auch der alte ("Er fährt jetzt mit einem größeren Dienstwagen hinaus, und seine Körpergröße gleicht er bei der IHK mit einem Podest aus"). Natürlich kam auch das "Weltkulturerbe" Rathausfassade zur Sprache: "Hörst Du das Gerüst am Rathaus knirschen, dann weißt Du, du bis in - Wermelskirchen". Und natürlich die Politik. Hier mal eine besonders erwähnenswerte Strophe: "Da kommst Du montags ins Amt / und machst Dein Outlook auf / Du blickst auf den Bildschirm / was sieht Du darauf? / Einen Antrag von Herrn Rehse / und ich sag es ganz barsch / sofort ist die ganze Woche / ziemlich im - Eimer."

Besser geht's doch nicht, oder?

Scholz' karnevalistische Vita, das zeigte dieser Auftritt, lässt sich sehen und manchen wundern. 36 (!) Jahre war er mit dem vor zwei Jahren verstorbenen Karl-Walter Hessenbruch als "Tramps vom Buchholzer Hof" unterwegs - leider immer nur in der "Buche". Im Rathaus war's der erste Soloauftritt (und hoffentlich nicht der letzte!!!). Ihre Büttenredner-Karriere wollten schon damals die beiden nicht ausdehnen. "Mein Freund Karl-Walter und ich sind oft gefragt worden, ob wir auf anderen Veranstaltungen auftreten würden. Aber es sollte ein entspanntes Hobby exklusiv für Buchholzen sein."

Er habe sich nun einen Tag vorher entschlossen aufzutreten, erzählte er. Die Überraschung war gelungen. Seine Kollegen waren begeistert. Der Tenor an diesem Abend: Das hatte ihm keiner zugetraut.

Und so verabschiedete er sich brav mit Diener und einem "Helau" - okay, er wird sicher noch hinkriegen, dass man hier "Alaaf" sagt. Aber sonst: Hut ab!!! UDO TEIFEL

Quelle: RP
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