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Ruhestand
Detlev Odendahl kann nicht ohne "seine" Feuerwehr

Wermelskirchen. Wenn die Feuerwehrwagen mit Blaulicht und Sirenen unterwegs sind, heißt es: "Platz da - es brennt!" Gestern Morgen waren die Fahrzeuge zunächst ganz still und leise, fast schon in geheimer Mission, unterwegs - zumindest bis Grunewald. Dort holten sie den dienstältesten Feuerwehrmann Detlev Odendahl ab, der seinen letzten Arbeitstag hatte. Gemeinsam fuhren sie zurück nach Wermelskirchen, noch eine letzte Runde durch die Stadt und zur Wache Vorm Eickerberg. "Hoffentlich kommt kein Einsatz dazwischen", sagte Wachleiter Holger Stubenrauch im Vorfeld, "dann wäre unser Plan gescheitert".

Mit großem Hallo, mit Blaulicht und Sirenen kamen sie an. Der 60-jährige Oberbrandmeister Odendahl und Ehefrau Doris wurden stilecht in einem historischen VW-Bulli chauffiert. Ein richtiger Oldie, Baujahr 1967 und noch mit OP-Kennzeichen. 1975 begann Odendahl bei der Freiwilligen Feuerwehr in Dabringhausen. Seit 1978 war er als hauptamtlicher Feuerwehrmann tätig. In seiner Dienstzeit bildete er Rettungssanitäter und Rettungsassistenten aus und arbeitete als "Desinfektor". "Vor vielen Jahren war das ein großes Thema", erzählte er. "Als noch die ansteckenden Krankheiten wie Tuberkulose verbreitet waren." Detlev Odendahl arbeitete mit dem Gesundheitsamt zusammen und sorgte für die Desinfizierung der Krankenwagen. In 40 Jahren waren es wohl zu viele Einsätze, um sich an etwas ganz Besonderes oder Außergewöhnliches zu erinnern. Ein Brand in einer Chemiefirma an der Friedrichstraße, ein Brand in einem Wohnhaus an der Berliner Straße oder ein spektakulärer Hubschrauber-Absturz fielen ihm gestern spontan ein.

Wie wird das sein, jetzt im Ruhestand? Schließlich ist ein Feuerwehrmitarbeiter ein ganzes Leben im Einsatz, immer in Rufbereitschaft. "Ich werde zunächst nichts von seinem Ruhestand mitbekommen, da ich noch berufstätig bin", sagte Doris Odendahl. Ehemann Detlev will sich auch weiterhin mit "seiner" Feuerwehr beschäftigen. "Ich habe einen Antrag auf Verlängerung gestellt", sagte er gestern bei der kleinen Feierstunde auf der Wache. Feuerwehr-Chef Stubenrauch ist optimistisch, dass es klappen wird. Drei Jahre darf er verlängern und so seine Erfahrungen weitergeben. Er hat also noch ein bisschen Zeit, sich auf den richtigen, endgültigen Ruhestand vorzubereiten.

WALTER SCHUBERT

Quelle: RP
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