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Klassentreffen
Ehemalige katholische Volksschüler sehen sich nach 60 Jahren wieder

Wermelskirchen. WERMELSKIRCHEN (rbrt) Elfie Ventriglia wunderte sich über die Veränderungen, die die Wermelskirchener Innenstadt in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Von 1948 bis 1956 besuchte sie hier die Katholische Volksschule, ging später aber nach England und kam nun zurück, um an einem Klassentreffen ihrer ehemaligen Mitschüler im Balkan-Restaurant teilzunehmen. "Viele schöne Fachwerkhäuser wurden abgerissen", stellte Ventriglia fest, die neben Manfred Wagner aus Berlin den weitesten Weg zurückgelegt hatte.

Dass sie vor 60 Jahren ihren Schulabschluss erreichten, feierten am Samstagmittag 20 Ehemalige mit ihrem zehnten Treffen. Organisatorin Regina de Brün hofft, dass sich die Gruppe ab jetzt wieder häufiger sieht. "Wie oft wir uns treffen, das hängt auch von unserem Gesundheitszustand ab. Wir sind alle um die 75 Jahre alt und werden immer weniger", bedauerte de Brün. Die 74-Jährige zeigte Fotos von der Einschulung, die 68 Jahre zurückliegt. 20 Mädchen und 33 Jungen lernten in einer Klasse, wurden aber getrennt voneinander fotografiert.

Auch für den Sportunterricht wurden die Geschlechter getrennt. Eine Sporthalle und Trainingskleidung gab es nicht, ein richtiger Sportlehrer fehlte ebenfalls. Die Dame, die für gewöhnlich Handarbeit unterrichtete, turnte im Klassenraum in Filzpantoffeln mit den Schülern über Bänke und Stühle. Knie- und Rumpfbeugen wurden auf Kommando ausgeführt. Ob es im Sportunterricht chaotisch zugegangen sei? "Wenn wir chaotisch gewesen wären, hätten wir eins drüber gekriegt!", erklärte Regina de Brün. Heidi Meemann fügte an: "Mit dem Rohrstock auf die flache Hand." Sie selbst habe den harten Umgang mit den Schülern damals schon beinahe als normal empfunden, sagte Regina de Brün. "Das war einfach so in dieser Zeit." Mittags gab es in der Katholischen Volksschule häufig Grießsuppe mit Rosinen.

Am Samstag erinnerten sich die Ehemaligen daran, froh darüber gewesen zu sein, dass es überhaupt etwas zu essen gegeben hat. Wessen Eltern Hühner hielten oder eine Metzgerei hatten, der bekam gute Noten, sofern er den Lehrern von den Erzeugnissen mitbrachte. "Aber wehe, du hattest nichts. Dann hattest du Pech", sagte Heidi Meemann. Die Mehrzahl der Ehemaligen kam nicht in der Wermelskirchener Umgebung auf die Welt. Viele Familien waren aus Ost- und Westpreußen geflüchtet und hatten Unterschlupf in katholischen und evangelischen Vereinshäusern gefunden. Die Schulen wurden getrennt nach Konfessionen besucht.

Quelle: RP
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