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Politisches
Erinnerungen an den Besuch von Helmut Kohl

Wermelskirchen. Mit dem Tod des großen deutschen Staatsmannes Helmut Kohl werden bei manchen Bürgern Erinnerungen an seinen Besuch in Wermelskirchen am 8. September 2005 wach. Peter Raubuch, heute Leiter des Leitungsstabes bei der Kreispolizeibehörde Bergisch Gladbach, war von 1997 bis 2006 Leiter des Führungsstelle der Polizeiinspektion Nord und in dieser Funktion auch im Einsatz, als Kohl nach Wermelskirchen kam. "Für mich zeigt eine kleine Begebenheit am Rande seinen Charakter. Das werde ich nicht vergessen."

Er hatte Verspätung, der Kanzler der Einheit, der nachmittags am Kölner Flughafen eintreffen sollte, und auch die Autobahnen waren verstopft. Raubuch: "Die Zeiten von Straßensperren und respekteinflößender Eskorten waren vorbei. So drohte nicht nur sein Termin im Bürgerzentrum zu platzen, auch sein Eintrag in das Goldene Buch der Stadt war gefährdet." Da ereilte Raubuch ein Anruf in der Führungsstelle der damaligen Polizeiinspektion Nord. "Könnt ihr helfen, habt ihr eine Idee?" Sein Mitarbeiter Jürgen Farsen, erfahrener Kradfahrer, bot sich an, den Kanzler mit seinem bewährten Fahrer Eckhard Seeber direkt am Flughafen abzuholen und über Schleichwege durch das schöne Bergische Land zu schleusen. "Eine gute Idee, wie wir fanden, denn Helmut Kohl sollte vor seinem öffentlichen Auftritt um 18 Uhr vor dem "Hotel zur Eich" von den Honoratioren der Stadt begrüßt werden."

Kurzerhand zog sich Raubuchs Kollege Farsen die Kraduniform an und fuhr zum Flughafen, erhielt Einlass auf das Rollfeld, wo er Seeber und Kohl direkt in Empfang nahm. Dann ging es über Stock und Stein nach Wermelskirchen, und wie von Geisterhand geführt traf die kleine Kolonne um 17.59 Uhr in der Innenstadt ein.

Seeber parkte direkt auf dem Gehweg vor dem Hoteleingang und der dort aufgereihten Prominenz, an dessen Spitze der damalige Bürgermeister Eric Weik wartete.

Der gut gelaunte Kanzler stieg aus und ging auf die Ehrengäste zu, doch dann bog er ab, ließ sie stehen und wendete sich seinem Fahrer zu. Er bedankte sich bei Jürgen Farsen mit Handschlag und lud ihn ein, an dem geplanten kleinen Umtrunk teilzunehmen.

Erst danach begrüßte er die sichtlich überraschten Repräsentanten der Stadt. Diese kleine Geschichte wird Raubuch immer in Erinnerung bleiben. Helmut Kohl wusste kleine wertschätzende Gesten gewinnbringend einzusetzen. Raubuch: "Für einen Machtpolitiker seiner Klasse keine ganz schlechte Eigenschaft.

(tei.-)
 
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