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Leben & Lernen
Gedächtnistrainer zeigt, wie man sich viel mehr merken kann

Wermelskirchen. Wie sich eine Einkaufsliste in weniger als zwei Minuten einprägen lässt oder sich Zahlenkombinationen im Gehirn speichern lassen, brachte gestern der Gedächtnistrainer Gregor Staub den Schülern der Realschule und des Gymnasiums nahe. Seinen Fokus legte Staub dabei auf die Methode - der Wille dazu müsse selbstverständlich aus Eigen-Interesse vorhanden sein, sagte der 62-Jährige: "Das hat nichts mit Alter oder Intelligenz zu tun, nur mit Motivation."

Der Kerngedanke des Gedächtnistrainings ist das Zuordnen von Bildern oder Geschichten zu abstrakten Dingen. Ein Beispiel: Staub übte mit den etwa 650 Schülern, die am Vormittag seine Vorträge erlebten, die Namen der zehn amerikanischen Präsidenten in der Reihenfolge ihrer Amtszeiten ein. Die Tafel auf der Bühne diente als Gedankenstütze für Eisenhower, den 34. Präsidenten der USA: Sie ist aus Metall, und jemand haut drauf. Eine männliche Katze, die auf der Treppe hockt, symbolisierte Jimmy Carter. Mit Zahlen könne ähnlich verfahren werden, zeigte der Referent auf: "Die sieben Zwerge sind die 7, die Bibel wegen der zehn Gebote die 10 oder der Fußball wegen der Spielerzahl in einer Mannschaft die 11." Eine andere Methode sei das Zuordnen von Körperteilen: "Leck' mich doch an der 94", sagte der Gedächtnistrainer und lachte. Letztere Variante sei hervorragend geeignet, um sich eine Einkaufsliste ohne Stift und Papier einzuprägen: Wer gedanklich den Kartoffelacker auf dem Kopf, den Salat am Knie, den Zucker im Bauchnabel, das Wasser auf der Schulter und die Tomate in der Gesäßtasche habe, werde diese Lebensmittel im Supermarkt nicht mehr vergessen. Allerdings, das unterstrich Staub ebenso, sei das Üben wichtig: "Lernrhythmen müssen gelernt werden, damit es sich wiederholen lässt, damit nichts vergessen wird." Eine Geschichte von Gregor Staub bedachten die Schüler mit Applaus: Hörte sie sich zuerst eher wirr und scheinbar sinnlos an, entpuppte sie sich als eine Aufzählung der 28 EU-Länder: Findet der Akteur in der Geschichte eine Landkarte, ist von Finnland die Rede, bellt in der Geschichte ein Hund, prägt das Belgien ins Gedächtnis.

"Das lässt sich bestimmt umsetzen, gerade in Mathematik. So kann man sich Dinge schnell merken", sagten die Realschülerinnen Lara Friedrichs (16) und Elina Burzinski (17). Und auch Lehrerin Martina Frey ist überzeugt, die Methoden im Unterricht nutzen zu können: "Ich überlege mir, wie ich das umsetzen kann, zum Beispiel um Fachbegriffe in Chemie zu lehren." Viermal hielt Staub gestern seinen Vortrag: zweimal für die Schüler von Realschule und Gymnasium, dann einmal für die Lehrer und am Abend noch einmal für sonstige Interessierte.

(sng)
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