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Musikalisch
Herausragendes Konzert des Kammerchores

Wermelskirchen. "Charmant" - kann damit Kirchenmusik beschrieben werden? Tatsächlich, denn mit diesem Gefühl, ein herzerfrischendes (ein Synonym für charmant) Kirchenkonzert erlebt zu haben, werden die meisten Besucher die Evangelische Stadtkirche am Sonntagnachmittag verlassen haben. Der Kammerchor Wermelskirchen hatte eingeladen.

Unter dem Titel "Magnificat von John Rutter" bot das Konzert Musik aus drei Jahrhunderten: die Choralkantate aus dem Jahre 1828 "Wer nur den lieben Gott lässt walten" von Felix Mendelssohn, das Adagio E-Dur KV 261 für Violine und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1776 und schließlich "Magnificat" von John Rutter, vollendet 1990. Für eine vollständige Beschreibung dieses Konzertes reicht "herzerfrischend" bei Weitem nicht. Die Musik erreichte beschwingt das Publikum, stellenweise sogar mit aufrüttelndem Karacho zum Ohrenaufstellen und dann wieder zart, empathisch, das Herz besänftigend wie Liebeslieder. Natürlich auch mit gottesfürchtigem Ernst hoffend und frohlockend den Intellekt stimulierend, ohne darauf zu verzichten, stellenweise mit schmunzelnd gehauchtem jazzigen Anstrich direkt in die Beine zu fahren.

Es war von allem etwas dabei, was in einem Gotteshaus spielbar ist. Aber niemals mit dem Anspruch einer belehrenden und ermahnenden Dogmatik. So kamen sicherlich alle Besucher - das Kirchenschiff war voll - auf ihre Kosten. Ihnen bot dieses Konzert wahrlich etwas ganz Besonderes. Möglich machte dies natürlich die Auswahl der Werke. Aber was wäre dies ohne die Akteure: Der Kammerchor unter der Leitung seines Kantors Andreas Pumpa reagierte auf den Punkt, war sicher in den Höhen und zugleich druckvoll genug, um zusammen mit den schwerelosen, solide sicheren Bässen ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen, das einen auch nach dem Konzert nicht mehr losließ.

Dazu der klare, wie eine Wiesenblume leuchtende Sopran der Solistin Veronika Madler, bei der besonders mit "Et misericordia" (Satz IV von "Magnificat") klar wurde, dass sie sich auch des Textes bewusst war: ein Sahnestück.

Und last, but not least das Neue Rheinische Kammerorchester aus Köln. Es sorgte im kraftvollsten Forte und im feinsten Piano für die Spannung, ein konzentriertes Zuhören zu ermöglichen. Und das mit Freude und Hingabe. Seine Solistin an der Geige, Irmgard Zavelberg, bewies perfekt, dass sie mit ihrem bestimmenden, intensiven Ton auch "nebenbei" ein Orchester leiten kann.

Am Ende des Konzertes gab es schließlich Standing Ovations, Blumen für die Solisten und den Dirigenten und Sekt fürs Publikum.

BERND GEISLER

Quelle: RP
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