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Blickpunkt Wirtschaft
Hunde wedeln der Tierärztin in der Stadt schon zu

Wermelskirchen. Sie hat schwierige, aufwühlende Momente erlebt und auch Situationen, die sie "echt wütend" gemacht haben. Letztlich sind es aber die schönen Erlebnisse, die überwiegen und die dafür sorgen, dass sie ihre Arbeit nach wie vor sehr gerne macht: Seit 40 Jahren betreibt Dr. Luise Strack-Fabricius ihre Kleintierpraxis in Wermelskirchen - ein stolzes Jubiläum. Die 66-Jährige weiß: "Auf solch eine Zeit werden jüngere Kollegen in Zukunft kaum noch zurückblicken können, denn die meisten von ihnen gehen in der Regel erst mit Anfang oder Mitte 30 in die Selbständigkeit." Nicht zuletzt der Zuspruch vieler Tierbesitzer, die seit Jahrzehnten treue Kunden sind, geben der Tierärztin die Gewissheit: "Ich höre noch nicht auf. Ich mache bestimmt noch fünf Jahre. Ich bin nicht der Typ, der den ganzen Tag in der Küche steht."

Als Luise Strack-Fabricius, die seit ihrem achten Lebensjahr in Wermelskirchen lebt und somit hier nahezu aufgewachsen ist, 1976 den Sprung in die komplette Eigenverantwortung mit eigener Praxis wagte, hatte sie ihr Studium und ein gutes Dreivierteljahr praktische Arbeit als Vertretung für einen krankheitsbedingt verhinderten Kollegen hinter sich. "In dieser Zeit für den Kollegen habe ich mich auch um Großtiere gekümmert. Das war damals eher noch gängige Praxis, dass Tierärzte in erster Linie das Vieh in der Landwirtschaft versorgten und Kleintiere eher nebenbei behandelten. Das war für mich eher eine Stippvisite. Ich habe mich auf einen Teil vom Ganzen konzentriert. Diese Spezialisierung war richtig, das habe ich nie bereut." Der Startschuss fiel damals an der Nordstraße, bevor es ein Anbau an ihr Elternhaus ermöglichte, die Praxis 1979 an den jetzigen Standort Mannesmannstraße 21a zu verlegen.

Naturgemäß sind auch Tierärzte mit Krankheit und damit verbundenem Leid konfrontiert: "Der Umgang damit wird mit der Zeit schon zur Routine. Schwierig wird es beispielsweise immer dann, wenn die Besitzer es nicht sehen wollen, dass eine Einschläferung der beste Weg ist, um das Leiden eines Tieres zu beenden. Da musste ich schon viel Überzeugungsarbeit leisten." Und weiter: "Richtig wütend hat mich mal gemacht, als einer kam und seinen Hund an der Leine einfach am Empfang zur Einschläferung abgegeben hat. Das Herrchen ist nicht dabei geblieben. Das war wohl mit das Gruseligste, was passiert ist!"

Die enge Bindung an die vielen Tierbesitzer und deren Schützlinge sowie die schönen Momente seien jedoch das Elixier ihrer Arbeit. "Es macht doch fröhlich, wenn nach einem Kaiserschnitt die Kleinen vergnügt quiken oder nach einer aufgrund eines Bisses notwendigen, geglückten Notoperation ein Hund die Jagdhundeprüfung besteht", zeigt sich Luise Strack-Fabricius überzeugt.

Nach 40 Jahren als Tierärztin ist Luise Strack-Fabricius in Wermelskirchen längst bekannt wie der sprichwörtliche "bunte Hund": "In der Stadt wedeln mir die Hunde beim Aufeinandertreffen reihenweise freundlich zu." " Heute investiere sie ein Drittel meiner Arbeitszeit in "Papierkrieg" - das sei vor 40 Jahren noch nicht so gewesen. "Allerdings sollte niemand ausschließlich auf Technik schwören. Ich setze immer erst auf Sehen, Hören, Riechen, Sprechen - das ist nach wie vor immens wichtig und lässt sich nicht durch ein schnelles Röntgenbild ersetzen. Das ist immer erst ein Folgeschritt der Untersuchung!"

Mit der Tierarztpraxis machte Luise Strack-Fabricius ihr Hobby zum Beruf. Die Ärztin ist eine große Freundin von Drahthaar-Foxterriern, hat mit "Vicky" aktuell ihren vierten Hund. Auch das erleichtert den Umgang mit Tierfreunden: "Viele Besitzer haben inzwischen ihr drittes oder viertes Tier und kommen immer wieder, die sind unheimlich treu. In der Praxis fühle ich mich nie gestresst." Zum Jubiläum widmete eine Kundin der Tierärztin ein Gedicht. Darin heißt es: "Mit Mut, Herz und Verstand haben 40 Jahre Dienst einen hohen Bestand. . ." STEPHAN SINGER

Quelle: RP
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