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Leben & Lernen
Italiener entwerfen Flyer über Kulturunterschiede

Wermelskirchen. Auch wenn sie teilweise in der zweiten oder dritten Generation in Wermelskirchen leben - Unterschiede zwischen dem deutschen und italienischen Alltag gibt es allemal. Mit diesen unterschiedlichen Kulturen und Lebensarten setzten sich die acht Schülerinnen und Schüler des Italienisch-Kurses von Lehrerin Roberta Romani in den vergangenen drei Wochen auseinander. Unter dem Stichwort "Kulturelle Identität" ("Identità culturale") entwickelten die Schülerinnen und Schüler aus den sechsten bis achten Klassen von Wermelskirchener Schulen der Sekundarstufe I eine Broschüre und ein Video. Der Anlass: Der Internationale Tag der Muttersprache am kommenden Sonntag, 21. Februar.

"Unsere Frage war: Können Missverständnisse durch die verschiedenen Kulturen auftreten?", erläutert Roberta Romani die Ausgangslage. Dabei seien in dem "sehr aktiven Kursus", den die aus Italien stammende Lehrerin seit der Grundschulzeit der Jungen und Mädchen begleitet, unterschiedliche Situationen gegeben. Beispielsweise die Brüder Loris (elf Jahre) und Anthony (14), die erst seit neun Monaten in Wermelskirchen leben, haben ein rein italienisches Elternpaar, andere Kinder hätten deutsch-italienische Eltern. "Das ist eine sehr gemischte Situation. Auch wenn alle Kinder den deutschen Alltag voll und ganz leben, ist es spannend zu beobachten, was mit ihnen passiert", sagt Roberta Romani. Da dränge sich die Frage auf, ob man nicht doch etwas anders, vielleicht doch ein bisschen fremd sei.

So nahmen die Kursus-Teilnehmer mit der Sprachlehrerin gerade Themen des täglichen Lebens unter die Lupe: Mode, Hygiene, Abendessen, Reisen oder das typisch-italienische "Fare i complimenti", das der Kursus mit "Tue Dir keinen Zwang an" übersetzte, weil es keine sinnvolle, wörtliche Übersetzung ins Deutsche gibt. Der elfjährige Davide erzählte mit einem eigenen Erlebnis, was damit gemeint ist: "Ich war bei einem deutschen Freund zuhause und wurde gefragt, ob ich Kekse wolle. Ich habe 'Nein' gesagt und mich gewundert, dass ich dann tatsächlich keine bekam." In der italienischen Lebensart sei es üblich, dass der Gastgeber mehrfach frage und man erst einmal verneine, um zu signalisieren, dass man keine Umstände machen wolle. Von einem ganz anderen kulturellen Unterschied berichtete die zwölfjährige Elena lachend: "Als ich in Italien bei Verwandten war, redeten alle lautstark durcheinander, was ich anfangs für einen Streit hielt." In Deutschland gehöre es eben zum "guten Ton", sich gegenseitig ausreden zu lassen. "Das wird in Italien nicht so streng bewertet. In Italien gilt es sogar als Zeichen von Empathie, nicht abwarten zu können, etwas zu sagen", erläutert Roberta Romani, die pro Schuljahr zwischen 30 und 40 italienisch-stämmige Kinder aus Wermelskirchen in verschiedenen Jahrgängen unterrichtet. Für die Projekt-Ergebnisse lasen die Schülerinnen und Schüler sogar wissenschaftliche Studien, um diese dann durch eigene Erfahrungen mit Leben zu füllen. Die zweisprachige Broschüre will der Kursus übrigens den weiterführenden Schulen in Wermelskirchen zur Verfügung stellen - und das Video soll, "wenn es etwas wird" (Romani), im Internet veröffentlicht werden.

STEPHAN SINGER

Quelle: RP
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