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Gut Gemacht
Junge Flüchtlinge in Wohngemeinschaft integriert

Wermelskirchen. Gestern Vormittag staunten Muhammad, Seyed und Sharif nicht schlecht: Mit etwa 40 Gästen war die offizielle Einweihung der neuen, interkulturellen Wohngemeinschaft der Evangelischen Jugendhilfe Bergisch Land (EJBL) derart gut besucht, dass das Wohnzimmer des etwa 120 Quadratmeter großen Reihenhauses an der Joseph-Haydn-Straße beinahe "aus allen Nähten platzte". Die drei unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge aus Pakistan und Afghanistan leben gemeinsam mit dem deutschen Jugendlichen Darius in dem Häuschen - Darius drückte allerdings zum Zeitpunkt der kleinen Feier noch die Schulbank.

Die drei Geflüchteten besuchen an vier Tagen in der Woche einen Deutsch-Integrationskursus der Volkshochschule. Bei den Nachbarn im "Musiker-Viertel" kommt das Konzept der Wohngemeinschaft gut an: Gundula Schmitz brachte zur Eröffnung ganz traditionell Brot und Salz mit. Und Yvonne Groß, die mit Ehemann Roland nebenan wohnt, sagte im BM-Gespräch: "Die Jungs passen sehr gut zu uns!"

Mit der interkulturellen WG beginnt auch für die EJBL eine neue Zeitrechnung. Sie reagiert auf die gesellschaftliche Herausforderung der Integration Minderjähriger. "Das macht Freude, fordert aber auch heraus", sagte der EJBL-Fachbereichsleiter Markus Emonts. Geschäftsführerin Silke Gaube fügte an: "Alle hier haben traumatisierende Erfahrungen gemacht, bringen aber Ehrgeiz mit, für den Weg in die Eigenständigkeit." Die WG soll ein Training für die Zeit danach sein. "Wenn das ein gutes Projekt ist, wonach es zurzeit aussieht, werden wir das Konzept weiter verfolgen." Die Firma Ortlinghaus hatte mit einer Spende zur Anschaffung von Mobiliar beigetragen. Außerdem überreichten die Firmenvertreter Dr. Bastian Franzkoch und Roland Groß den Jugendlichen einen "Gutschein" für einen Praktikumsplatz. Unter Führung der EJBL-Teamleiterin Heidrun Neitzel kümmern sich die Pädagogen Marlene Ostermann, Christiane Schwarzer und Heiko Hombrecher um die Wohngemeinschaft - statten vor- und nachmittags einen Besuch ab, besprechen alltägliche Erledigungen. "Das ist ein spannendes Projekt für Wermelskirchen. Wir sind froh, dass es in den bewährten Händen der EJBL liegt. Das Ehren- und Hauptamt kooperiert in Wermelskirchen gut. Wie erwartet haben wir 30 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge vor Ort. Bis auf zwei haben wir alle gut in Familien oder professionell geführten Gruppen untergebracht", sagt Bürgermeister Rainer Bleek. Deshalb könne die Stadt darüber nachdenken, Flüchtlingsfamilien in das von der Stadt gekaufte, ehemalige Gemeindezentrum Sonne unterzubringen. Eigentlich hatte die Stadt das Gebäude, das derzeit umgebaut wird, als "Reserve" für Minderjährige vorgesehen.

(sng)
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