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Kulturelles
Unterhaltsames Seemannsgarn in der Katt

Wermelskirchen. Schon die Bühnendeko war vielversprechend: Ein einfacher Holzstuhl samt Notenständer für den Meister, zwei Keyboards, ein Percussion-Set, zwei Schiffslaternen, die eine rot, die andere weiß, und ein Rettungsring. Dazu ertönte kurz nach acht Uhr im Hintergrund das Geräusch von Möwen und Meeresrauschen. Damit war das Setting für den Abend vollständig. Dazu kam ein Hans-Martin Stier, der schon alleine mit seiner Präsenz die Bühne ganz für sich vereinnahmte. "Schön, dass es so voll ist", sagte er mit seiner sonoren Stimme und einem freundlichen Lächeln im Gesicht.

Und in der Tat, der kleine Saal der Kattwinkelschen Fabrik war am Mittwochabend gut gefüllt, als Stier mit seiner "Stier Shipping Company" das Programm "60.000 Seemeilen Geschichten und Musik" auf die Bühne brachte. Die drei Leichtmatrosen an den Instrumenten sahen tatsächlich aus, als wären sie direkt vom nächsten Kutter entflohen, um Kapitän Stier die passende musikalische Untermalung für seine Geschichten und Songs zurechtzuzimmern. Und wer Stier, diesen massiven, kahlköpfigen Kerl mit Wahnsinnsstimme und tonnenweise Charisma bislang nicht kannte, sah sich mit einer nicht nur hochinteressanten sondern ebenso abwechslungsreichen Mischung aus Musik und Geschichten konfrontiert - der Programmtitel war in diesem Fall tatsächlich Programm. Stier war zudem in beiden Metiers heimisch, konnte sowohl mitreißend erzählen als auch leidenschaftlich singen. Letzteres wurde deutlich in grandios dargebotenen Coversongs wie James Browns "It´s A Man`s World", einer hervorragenden Version "Pretty Woman" von Roy Orbison, bei der Stier ganz genau wie Chris Rea klang, oder "Whiskey In The Jar", den Irish-Folk-Klassiker, der durch Thin Lizzy und Metallica erst so richtig bekannt wurde. Und die Geschichten dieses so ganz und gar plausibel klingende Seemannsgarn aus den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Stier selbst auf den sieben Weltmeeren unterwegs gewesen ist, machte es einfach nur Spaß zu hören.

Und Stier machte den Erzähler auf so angenehm unaufgeregte Weise, dass die Zeit dabei wie im Fluge verging. Er erzählte etwa von Landgängen in Vancouver oder von Lukenwachen in Schottland, bei denen er das korrekte Verladen des Whiskeys überwachen sollte. Was natürlich so nicht klappte, aber wiederum für das eine oder andere Schmunzeln und Lachen im Publikum sorgte. Apropos: Auch wenn es ein Abend der eher leisen und zurückhaltenden Töne war, auch wenn die Songs eine intime Jazz-Club-Atmosphäre transportierten und Stiers Erzählungen eigentlich nach einem prasselnden Kaminfeuer verlangten, wurde kräftig und lautstark applaudiert, bisweilen sogar gejubelt. Völlig zu recht natürlich, denn bei allem gelungenen Entertainment schaffte Stier es, mit seinen Erinnerungen an die 60er und 70er Jahre wie nebenbei, auch ein Stück Zeitgeschichte zu präsentieren.

(wow)
 
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