| 00.00 Uhr

Wermelskirchen
"Stadtumbau ist ein ständiges Ringen"

Wermelskirchen: "Stadtumbau ist ein ständiges Ringen"
Wolfgang Schindler hat als Stadtplaner zahlreiche Stadtentwicklungsprojekte in Wermelskirchen begleitet. Auch im Ruhestand war der 66-Jährige noch ein Jahr als Halbtagskraft im Rathaus tätig, weil Not am Mann war. FOTO: S. Singer
Wermelskirchen. Fast 40 Jahre war Wolfgang Schindler als Stadtplaner im Rathaus tätig. Eigentlich wollte er nur ein Jahr in Wermelskirchen bleiben. Auch im Ruhestand ist der 66-Jährige offen für Gespräche mit den Bürgern. "Ich versuche, die Dinge zu erklären." Von Stephan Singer

Als Wolfgang Schindler Ende der 1970er Jahre bei der Stadtverwaltung seinen Job antrat, kam ihm Wermelskirchen "mausgrau" vor - er wollte nur ein Jahr hier bleiben. Aus diesen ersten zwölf Monaten sind nahezu 40 Jahre berufliche Tätigkeit geworden, als Stadtplaner war Schindler an vielen Maßnahmen beteiligt, die nach wie vor prägend für das Erscheinungsbild dieser Kleinstadt sind. Der 66-Jährige war bei der Stadtverwaltung 39 Jahre und elf Monate als Stadtplaner tätig, zuletzt noch ein Jahr als schon verrentete Halbtagskraft. Am 1. Februar übernahm Daniela Renner als Sachgebietsleiterin der Stadtplanung Schindlers Stelle (BM berichtete).

"Als ich in Wermelskirchen antrat, erschien es mir mit schmuddeligem Winterwetter und dem B51-Verlauf mitten durch die Stadt sehr mausgrau. Das war jedoch für einen Stadtplaner ein glücklicher Umstand, weil Veränderungen notwendig anstanden", erinnert sich Schindler. Eines der Projekte, das er und sein kleines Team im Rathaus anzugehen hatten, war die erste Innenstadtsanierung Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre: Der "Bergische Löwe" wurde saniert, die Diskothek "Audimax" abgerissen und an dieser Stelle die heutige Marktpassage gebaut.

Damit einher ging der Umbau der Carl-Leverkus-Straße und der Taubengasse - erste Entwürfe wurden von Hand mit Bleistift gezeichnet: "Schon damals stand in der Diskussion, das Haus, das mal als Obdachlosenunterkunft diente, abzureißen. Erst jetzt ist es tatsächlich dazu gekommen." Mit Blick auf den Platz am Fuß der Carl-Leverkus-Straße sagt Schindler: "Angesichts der damaligen Überlegungen ist es umso trauriger, dass unter dem Naturweihnachtsbaum heute Autos parken."

Solche Entwicklungen, die die ursprünglichen Ideen verwässern, erlebte Schindler in seiner Berufszeit nicht nur einmal. Er hält sie für ein generelles Problem aller Stadtplaner: Bei der jüngsten Innenstadtsanierung nach dem Bau der B51n sei es ein Ziel gewesen, durch freie Flächen eine offene Anmutung zu erzielen. "Leider werden diese Freiflächen häufig zum Parken genutzt und eben nicht nur die dafür gekennzeichneten Flächen. Vielleicht helfen da wirklich nur bauliche Maßnahmen." Der Umbau einer Stadt sei ein ständiges Ringen.

Die Forderungen nach dem Bau der B51n (Dellmannstraße) und die damit verbundenen teils "abenteuerlichen" Vorstellungen begleiteten Schindler in seiner Verwaltungszeit täglich: "Es war sogar mal eine Hochstraße über das Rhombus-Areal angedacht", sagt er rückblickend. Der Bau der B 51n habe positiven Einfluss auf die Stadtentwicklung genommen: "Das brachte einen Schub", sagt Schindler. Konfrontiert war er auch mit großspurigen Privatinvestoren: "Einer meinte, er könne die Telegrafenstraße für den Verkehr untertunneln, um eine Fußgängerzone entstehen zu lassen."

Wolfgang Schindler, der begeisterter Wanderer und Fahrradfahrer ist, freut sich über das ausgebaute Wanderwegenetz und darüber, dass die Balkantrasse auf der ehemaligen Bahnlinie so gut von Radfahrern angenommen wird: "Der Nahtourismus wächst zusehends", stellt der 66-Jährige fest.

Froh ist er darüber, dass sich Pläne wie der Autobahnbau via Dabringhausen (A31/"Friesenspieß") oder der Talsperren-Bau im Eifgen nicht umgesetzt wurden: "1978 hatten wir einen abenteuerlichen Flächennutzungsplan in Wermelskirchen. Da mussten solche Ideen noch berücksichtigt werden." Heute sei das Stadtgebiet durch Werkzeuge wie Bebauungs- und Flächennutzungspläne oder Satzungen gut abgedeckt. Maßgeblich war Schindler beispielsweise an den Planungen für das Gewerbegebiet Ost sowie für die Wohngebiete Braunsberg, Eifgenblick und Jahnstraße/Unterweg beteiligt. "Heutzutage ist es ungemein wichtig, dass eine Stadt sich mit ihren Ideen zur Entwicklung in Planungen über die kommunalen Grenzen hinaus, wie die Regionale 2025, einbettet. Damit können dann auch Fördertöpfe angezapft werden", betont Schindler.

Eines wird sich wohl auch im Ruhestand nicht ändern: Nie hat sich der Stadtplaner weggeduckt, sondern sich auch als Privatmann den Gesprächen mit den Bürgern gestellt: "Ich habe schon das eine oder andere Mal verbale Prügel bezogen. Da verteidige ich dann die Stadtverwaltung und versuche, Dinge zu erklären. Da bin ich dann der Prellbock, das mache ich gerne!"

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wermelskirchen: "Stadtumbau ist ein ständiges Ringen"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.