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Wermelskirchen
Stefan Leßenich - der Familienmensch

Wermelskirchen: Stefan Leßenich - der Familienmensch
Stefan und Sandra Leßenich mit den Kindern Leon (6) und Lina (4). FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Am 13. September tritt der 35-Jährige für die CDU zur Bürgermeisterwahl an. Der Tierfreund, Sparkassenfachwirt und eingefleischte Karnevalist wirkt überlegt, fast ernst, wenn er über Politik redet. Dann stürzt Sohn Leon (6) in den Raum - jetzt braucht es den Familienvater. Ein Hausbesuch. Von Jan Dobrick

Stefan Leßenich macht es sich nicht leicht. Wie auch, der 35-Jährige hat ja alle Hände voll zu tun. Ein Beispiel gefällig? Leßenich steigt in seinen Kombi, nimmt eine Leiter mit, ein paar Kabelbinder und fährt für ein Weilchen nach Dabringhausen - Plakate an die Laternen hängen. Er sei Perfektionist, sagt er und schneidet jedes der Plakate noch ein bisschen zurecht.

Auch der Paketbote, der das gelbe Haus an der Peter-Molineus-Straße anfährt, merkt, dass ganz am Ende der Sackgasse in dem Neubaugebiet "Eifgenblick" seit einiger Zeit Wahlkampf auf dem Programm steht. Er bringt ein Päckchen mit Visitenkarten "für den Mann, der überall auf den Plakaten zu sehen ist".

Leßenich, der für die CDU am 13. September ins Rennen ums Rathaus geht, sieht aber ein bisschen anders aus, als er die Haustür öffnet. Auf den Plakaten lächelt er mit angezogener Handbremse. Jetzt grinst er breit. Er wirkt entspannt, trägt Hemd, Jeans, blaue Crocs. Frau Sandra, Leon (6) und Lina (4) laufen auch in den gemütlichen Kunststoffschuhen rum. Die ganze Familie kommt zur Tür. Im Flur hängen unzählige Fotos von gemeinsamen Auflügen, im hellen, gelb gestrichenen Wohnzimmer auch. Leßenich setzt sich an den großen Esszimmertisch.

Das Radio läuft. Lasse, eine der vier buschigen Norwegischen Waldkatzen der Familie, weißblau, putzig, klaut einen Kugelschreiber. Trotzdem kann das Interview beginnen. Leßenich ist Tierfreund, Sparkassenfachwirt, Bürgermeister-Kandidat und eingefleischter Karnevalist (Lieblingskostüm: Indianer) bei der KG Rot-Weiß St. Michael. Auch. Aber der Politiker ist in erster Linie Familienmensch. Lieblingsplatz: das kuschelige, graue Stoffsofa, direkt neben der Leseecke der Kinder. Hier verbringt er mit Sandra freie Abende, trinkt Sekt statt Bier, schaut Arztserien, "In aller Freundschaft" etwa. "Dabei können wir prima abschalten."

Gerade schaltet er hoch, läuft zur Höchstform auf. Es geht um Politik. Bisher keine Arbeit für ihn, sondern Hobby. Und sein beschäftigungsintensives Hobby begeistert den Dellmann, der kommunikativ, fleißig, zielstrebig, ehrlich, manchmal aber auch dickköpfig und stur sein kann. "Das sagt meine Frau zumindest", sagt der Christdemokrat und lächelt verschmitzt. "Es macht mir einfach unheimlich viel Spaß, mich für meine Geburtsstadt und die Bürger einzusetzen. Ich bin ein Kümmerer, immer ansprechbar." Seine Bürotür im Rathaus stände, falls er denn gewählt würde, ständig offen. Auch beim Brötchenholen habe er für die Fragen der Bürger ein offenes Ohr, betont Leßenich. Drei thematische Schwerpunkte setzt er: die Innenstadtentwicklung und Attraktivität Wermelskirchens, Wirtschaftsförderung und eine moderne, dienstleistungsorientierte Verwaltung.

Leßenich, seit dem vergangenen Jahr 1. stellvertretender Bürgermeister, wirkt extrem überlegt, fast ernst und staatsmännisch, wenn er über Kommunalpolitik redet. Dann stürzt plötzlich Leon in den Raum, bringt Kater Lasse mit - der 35-Jährige wechselt die Rolle, jetzt braucht es den Familienvater, der zu Hause seine Basis findet.

Der engagierte Wermelskirchener, der im Männerchor 1844 singt, geschichtsinteressiert ist, früher schwamm, Fußball (1. FC Köln-Fan, schläft allerdings längst nicht mehr in Fan-Bettwäsche) und Trompete spielte, schafft Freiräume für die Familie, ist gut organisiert, kommt immer zum Mittagessen nach Hause. "Absoluter Luxus" sei das, sagt er - und genießt. Als Kind wollte er Flugkapitän werden. "Das wäre mit einer Familie kaum vereinbar gewesen." Bürgermeister, das geht. "Alle stehen geschlossen hinter mir", sagt Leßenich. Er lächelt. Nicht verklemmt, sondern breit und zufrieden. Gespräch vorbei. Papazeit.

Quelle: RP
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