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Wermelskirchen
Sterbenden Kraft geben und bis zum Schluss begleiten

Wermelskirchen. Jasmin vom Hoff engagiert sich als Hospizbegleiterin. Für die 38-Jährige ist die Tätigkeit eine Bereicherung fürs Leben. Von Stephan Singer

Wenn Jasmin vom Hoff nach der Arbeit noch einmal los muss, geht es nicht etwa zum Shoppen oder ins nächste Café. Sie setzt sich dann einfühlsam mit Alter, Krankheit und immer häufiger Demenz oder gar einer Kombination aus allem auseinander. Die 38-Jährige ist seit sieben Jahren als Hospizbegleiterin beim Wermelskirchener Hospizverein tätig. Die 24 ehrenamtlichen Begleiterinnen kümmern sich um das, was im Alltag oft ausgeblendet wird: ums Sterben. Sie stärken Angehörige und Patienten, die der Verein behutsam als Gäste bezeichnet, unter dem Motto "Begleitet Abschied nehmen".

"Bereits bei meiner ehemaligen Arbeitgeberin in Burscheid wurde mein Interesse geweckt. Meine damalige Chefin hat Hospizbegleitung gemacht. Hinzu kam damals, dass mein Nenn-Onkel und meine Nenn-Tante älter wurden - da habe ich mich dann rein privat gekümmert", erzählt Jasmin vom Hoff. Dies und die Krebserkrankung einer Freundin motivierten sie zum Engagement in der Hospizbegleitung. Nach der Ausbildung zur Hospizbegleiterin, die durch Seminarbesuche erfolgt, war der Startprozess, den Jasmin vom Hoff als "fließend" beschreibt, abgeschlossen. Heute kümmert sich die medizinische Fachangestellte mit einer Drei-Viertel-Stelle im Krankenhaus Wermelskirchen um nicht mehr als einen Gast gleichzeitig. "Ich möchte mich auf eine Person beschränken und konzentrieren", betont sie. Die Arbeit des ambulanten Teams in Wermelskirchen wird von den zwei hauptamtlichen Koordinatorinnen Annette Gennat und Anke Stolz organisiert. In Fällen von Urlaub, Krankheit oder beruflicher Verhinderung hilft man sich gegenseitig aus. Generell betreut ein Begleiter einen Gast. "Da entsteht eine Verbindung, ein Vertrauensverhältnis. Das kann über Wochen und Monate oder länger bestehen", erzählt Jasmin vom Hoff.

Die Hospizbegleiterin ist verheiratet und begeisterte Halterin von Hund "Mo". Wenn sie Ruhe und Kraft braucht, genießt sie die Stille im Wald beim Spaziergang mit ihrem Hund. Dabei kann sie Energie tanken - nicht zuletzt bestärkt sie auch ihr Ehemann in ihrem Engagement.

Die 38-Jährige nennt Offenheit, Nächstenliebe und Achtsamkeit als wichtige Voraussetzungen für die Arbeit in der Hospizbegleitung. "Man muss auch Meinungen stehen lassen können, die Vergangenheit eines Gastes interessiert mich nicht", betont sie. Und sicherlich gibt es auch belastende Situationen: Anstrengend und bedrückend für alle Beteiligten sei immer, wenn der Gast nicht mehr sprechen könne. Aber ständige Fortbildungen würden dafür sorgen, für solche Situationen gewappnet zu sein. Es gehören Zeit und Einfühlungsvermögen dazu, um herauszufinden, was zu viel oder zu wenig ist. "Eine Hand-Massage oder das Eincremen des Armes sind Methoden, um ein Gespür zu entwickeln", erzählt Jasmin vom Hoff. Für sie ist jede Begleitung anders - "so unterschiedlich wie die Menschen selbst".

Die Wermelskirchenerin empfindet ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Bereicherung: "Es gibt mir viel Tiefe und einen großen Erfahrungsschatz." Sie denke auch viel über ihr eigenes Leben nach: "Das Wesentliche spielt eine Rolle!" Sie habe gelernt, in sich hineinzuhorchen, nicht in Stress zu verfallen und sich zu fragen, wo sie irgendwann stehen möchte. "Und ich weiß, dass man das, was Freude bereitet, nicht verschieben sollte. Die Erkenntnis, nicht erst im Renten-Alter anfangen zu leben, ist bereichernd", sagt die 38-Jährige.

Quelle: RP
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