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Wermelskirchen
Stunk unplugged - bissig, böse und belustigend

Wermelskirchen. Die kleine Halle der Katt ist proppenvoll und außer Rand und Band. Die Besucher stehen und schunkeln mit Nebenmann- oder Frau, ob bereits bekannt oder nicht. Oben auf der Bühne toben sich elf Personen nebst einem Moderator aus. Sie singen, schauspielern, lachen, animieren, karikieren, persiflieren, rocken, jubilieren und tirilieren ohne Rücksicht auf Person, Status und Herkunft: "Stunk unplugged", wie es nicht besser sein konnte. "Wo simma? Im Kölner E-Werk? Im Jürzenich? Oder überhaupt: Isset schon widda Fastelovend?", wird sich mancher Gast der Katt gedacht haben, angesichts des bunten Treibens in der Halle. Von Bernd Geisler

Wer am Donnerstagabend in der Katt nicht wenigstens ein bisschen Kölsch verstand, schaute zuweilen dumm aus der Wäsche. "Ejaal" war das zumindest im zweiten Teil des Programms, als jede(r) auf und vor der Bühne die Pappnase längst aufgesetzt hatte. Die Stimmung hatte sich auf dem schwindelerregenden Höhepunkt eingependelt. Dagegen konnte auch ein noch so militanter Karnevalsgegner nicht ankämpfen. Hatte das "Dreckige Dutzend" - so nennen sich die Mitglieder der alternativen Kölner Karnevalssitzung - doch bereits vorher mit bitterbösem Humor, mit auf Kölsch getexteten, zündenden Rocksongs und satirisch-zynischen Einlagen allerbestes politisches (Musik-)Kabarett geliefert. Bereits das rockige Intro "1980-f" (After the Fire) - die Erkennungsmelodie der Stunksitzung - riss die Leute förmlich hin: Stillsitzen galt ab sofort nicht mehr.

Mitklatschen wurde für alle zur gerne geleisteten Pflicht. Und dann ging es bissig los, ins Eingemachte: Der Friedensnobelpreis für die EU 2012 sei wie die Ernennung Hannibal Lecters zum Vegetarier oder die Wahl des Gefangenenlagers Guantanamo Bay zum "Super Luxus Nobel Ressort", der türkische Präsident Erdogan setze Pressefreiheit konsequent um ("Türkei frei von Presse"), Putin lasse nur auf die Beine politischer Demonstranten schießen ("Stirn-Bein, Joch-Bein, Nasen-Bein") und Assad schätze deutsche Chemie ("deutsches Gas mit Erfahrung").

Bernhard Grzimek trat auf und zeigte die "Rechte Graue Dumpfbacke" und den "Dummdödel der Haarlosen Pimmelbirne", die es trotz "Deutschländerwürstchen" nicht schaffte, ein Hakenkreuz zu zeichnen.

Klamauk en masse lieferte der Kölsch-Sprachkursus für Ausländer. "You-ten-more-yen" ist noch leicht, aber was heißt "fair-piece-dish-drag-suck" oder "come-l.a."? Als am Ende einer gefeierten Joe-Cocker-Imitation ("With a little help") über den kölschen Klüngel alle zusammen den Gefangenenchor aus der Oper Nabucco auf kölsch schmetterten, wird sicher so mancher im Publikum den Entschluss gefasst haben: Bei der nächsten Stunksitzung - "da simma dabei!"

Quelle: RP
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