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Wermelskirchen
Theaterstück "Die Kurve" fragt nach der Würde des Menschen

Wermelskirchen. Schwarzer Humor ist, wenn das Lachen im Halse erstickt - nicht vor Begeisterung, sondern vor Entsetzen. Schwarz glänzt der Humor, wenn Themen wie Tod und Trauer, menschliche Existenz und Würde durch den Kakao gezogen werden. Handlungsreich auf die Spitze getrieben wird schwarzer Humor zur Farce, wenn es dabei im Stück auch noch grotesk und absurd zugeht. Ein Lehrspiel dafür ist das Theaterstück "Die Kurve" von Tankred Drost. Es wurde 1960 uraufgeführt, und jetzt spielten es André Klem (Rudolf), Bernd Moritz (Anton) und Martina Wortmann (Dr. Kriegbaum) von der Freien Bergischen Bühne im Filmeck-Theater. Von Bernd Geisler

Die beiden Brüder Rudolf und Anton leben in einer beschaulichen Hütte in einer idyllischen Gebirgslandschaft unterhalb einer gefährlichen Kurve. Neben der Hütte liegt ein schmucker Friedhof mit 24 Holzkreuzen. Sie zeugen von 24 tödlichen Unfällen, allesamt passiert in der Kurve. Die Brüder leben von der Kurve: Rudolf repariert die Unfallwagen und verkauft sie; Anton schreibt gezirkelte Grabreden auf die Verstorbenen, individuell gestaltet mit den persönlichen Informationen, die er im Auto und an der Unfallstelle findet. Doch plötzlich kommt Bewegung in diese Idylle: Die für Verkehrsplanung zuständige Ministerialdirigentin Dr. Erika Kriegbaum schleudert aus der Kurve und fällt vom Felsen. Die Freude der Brüder über die neue Leiche währt nicht lange - Kriegbaum überlebt. Zwangsläufig erkennt sie die Gefährlichkeit der Kurve und will jetzt auf Antons nach jedem Unfall regelmäßig geschriebene und stets unbeantwortete Eingaben tätig werden. Darin hatte Anton immer wieder um eine Entschärfung der Kurve gebeten. Doch jetzt sehen die Brüder trotz aller moralischen Entrüstung über die vielen Todesfälle ihre Existenzgrundlage schwinden.

"Darf man töten, wenn es den Erhalt einer Lebensgemeinschaft fördert?", fragt Anton hintersinnig. Dahinter steckt ein ethisches Dilemma: Darf man eine kleinere Anzahl von Menschen töten, um eine größere zu retten? Wer hätte das anfangs gedacht: In "Der Kurve" steckt (mindestens) eine große Frage menschlicher Existenz. Bewundernswert kreativ, schelmisch und hintersinnig geschrieben. Überzeugend gespielt und ans Publikum gebracht. Die Schauspieler trafen mittels der absurden Naivität der Figuren mitten ins Ziel: Herz und Verstand der Besucher. Das Nachdenken über ihre Leistung und das Stück hatten sie sich redlich verdient. Wie auch diese Aufführung einen gelungenen Beitrag für die Kultur unserer Stadt bildete. Übrigens: Das Bundesverfassungsgericht verneinte obige Frage mit der Begründung, dass Menschenleben nicht gegen Menschenleben aufgewogen werden dürfen: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Quelle: RP
 
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