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Wermelskirchen
Traditionsbäckerei Schrag stellt Insolvenzantrag

Wermelskirchen: Traditionsbäckerei Schrag stellt Insolvenzantrag
Mit zwei Plakaten im Fenster an der Telegrafenstraße informiert die Bäckerei ihre Kunden. Darauf ist zu lesen: "Wir schließen unser Geschäft. Wir danken Euch für 126 Jahre Treue!" FOTO: Radermacher
Wermelskirchen. 126 Jahre nach Eröffnung der Traditionsbäckerei hat Friedel Schrag Insolvenz angemeldet. Die Türen des Geschäfts an der Telegrafenstraße sind bereits geschlossen. Der Insolvenzverwalter kann noch nicht sagen, wie es weitergeht. Von Sebastian Radermacher

Ein älterer Mann und eine Frau stehen vor dem Schaufenster. Beide starren auf die zwei gelben Plakate und schütteln den Kopf. In fetter, schwarzer Schrift ist dort zu lesen: "Wir schließen unser Geschäft. Wir danken Euch für 126 Jahre Treue!" Seit 1888 versorgte die Bäckerei Schrag die Wermelskirchener mit frischen und handgemachten Backwaren. Das Geschäft an der Telegrafenstraße hat die Türen bereits geschlossen. In der vergangenen Woche hing dort noch ein Zettel mit dem Hinweis, dass die Bäckerei urlaubsbedingt schließt - jetzt der Schlussstrich. Inhaber Friedel Schrag hat einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Köln gestellt.

Das Gericht hat Rechtsanwalt Dr. Peter Neu aus Remscheid zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Dieser prüft zurzeit alle Möglichkeiten. In den vergangenen Tagen gab es nach BM-Informationen bereits eine Betriebsversammlung mit den sechs Mitarbeitern. "Wir verschaffen uns gerade einen Überblick, können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wie es weitergehen wird", teilte Rechtsanwalt Thorsten Kapitza gestern im Auftrag des Insolvenzverwalters auf Anfrage der BM mit. Auch zu den Gründen für den Insolvenzantrag sagte er nichts. Dazu könne er womöglich in einigen Tagen nähere Auskünfte geben. Friedel Schrag war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Was der Rechtsanwalt aber betonte: Der Insolvenzantrag gelte lediglich für die Bäckerei Schrag, die von Senior Friedel Schrag geführt wird. Die "Brotkutsche" von Sohn Philipp Schrag sei davon nicht betroffen. "Das ist ein selbstständiges Unternehmen", stellte Kapitza klar.

Friedel Schrag und sein Sohn Philipp beim Spekulatius-Backen. Bereits Mitte der 50er Jahre wurde in der Backstube mit der Spekulatiusmaschine gearbeitet. FOTO: Dörner

Friedel Schrag ist seit mehr als 50 Jahren Bäckermeister. Vor fast genau einem Jahr erhielt er als Auszeichnung dafür von der Kreishandwerkerschaft den Goldenen Meisterbrief. Der Bäcker gehört zur vierten Generation des Familienbetriebs. "Schon als Junge habe ich vor der Schule zu Fuß Brötchen verteilt", erzählte er 2014 in einem Interview mit unserer Redaktion. Auf der Internetseite der Bäckerei beschreibt Philipp Schrag die Anfänge des Familienbetriebs und die Entwicklung in den vergangenen Jahren. "Wir sind stolz auf die Tradition unseres Familienbetriebs", ist dort zu lesen. Und Schrag macht deutlich, worauf er und sein Team immer besonders viel Wert legen: "Das handwerkliche Können, die Erfahrung und traditionelle Rezepturen haben wir über Generationen weitergegeben. Seit jeher leben wir die Liebe zum Backen und pflegen die traditionelle Backkultur."

2014 äußerte Friedel Schrag öffentlich den Gedanken, dass Sohn Philipp den Betrieb in Zukunft übernehmen könnte. Er fände es schön, wenn die Familientradition erhalten bleiben würde, sagte er.

Düsseldorfer Bäcker unter den besten Deutschlands FOTO: Andreas Endermann

Doch ein Jahr später sieht alles ganz anders aus. Statt zahlreicher Kunden stehen zurzeit nur etliche Getränkekisten im Verkaufsraum an der Telegrafenstraße. In der Stadt und auch in den Sozialen Netzwerken im Internet machte die Schließung gestern schnell die Runde.

Der ältere Mann und die Frau vor dem Schaufenster sind geschockt, als sie die beiden Sätze auf den gelben Plakaten lesen. "Das ist wirklich sehr schade", sagt sie zu ihm. Dann gehen sie weiter in Richtung Rathaus.

Quelle: RP
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