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Wermelskirchen
"Übergangsunterkünfte sind keine Hotels"

Wermelskirchen: "Übergangsunterkünfte sind keine Hotels"
Solche Müllecken sind am Loches-Platz häufiger zu sehen. FOTO: Teifel
Wermelskirchen. Vertreter von "Willkommen in Wermelskirchen" gingen der Frage nach: Sind Übergangswohnheime in einem menschenunwürdigen Zustand? Die Caritas plant eine offene Sprechstunde für Asylsuchende im Jugendbüro. Von Udo Teifel

Sind die Übergangswohnheime oder -wohnungen in einem menschenunwürdigen Zustand? Eine Frage, die unlängst Brigitte Krips und Alfred Seidel bei einer Begehung mit der Stadtverwaltung Wermelskirchen auf eigenen Wunsch klärten. Für Sozialdezernent Jürgen Graef ist klar: "Übergangswohnheime oder -wohnungen sind keine Hotels. Wir bemühen uns, sie in Ordnung zu halten." Allein dafür werde ein Hausmeister beschäftigt. Krips und Seidel von "Willkommen in Wermelskirchen" überzeugten sich: "Die Unterkünfte sind nicht von der Wohnqualität, die wir Deutschen gewohnt sind. Aber der Zustand ist akzeptabel, wenn auch teilweise beengt."

Die Übergangswohnheime an der Beltener Straße sind die bekanntesten; weitere Übergangswohnungen gibt es seit Frühjahr im Stumpf (ehemalige Gaststätte "zum Kamin"), im "Bitburger Hof" (Graef: "Nicht optimal, da keine eigene Kochgelegenheit") Loches-Platz (Norma) und im Gebäudekomplex Eich 4b/c. "Diese Wohnungen werden angemessen belegt, damit es keinen Ärger gibt mit den Anwohnern." Viele Flüchtlinge seien auch in den städtischen Räumen an der Bachstraße wohnungsmäßig versorgt.

Derzeit werden Wohnungen in der Beltener Straße renoviert. "Nach einem halben Jahr sind sie schon vom Nutzungsverhalten her stark beansprucht", erzählt Graef diplomatisch. Familien würden ordentlich mit Wohnungen und Mobiliar umgehen; bei Mehrfachnutzung vor allem von Männern würde schon mal was "vergammeln". Zudem hätte der Hausmeister in der Beltener Straße schon eingeschlagene Wände und Türen vorgefunden.

Der Hausmeister ist laut Graef zuständig für alle Unterkünfte und renoviert sie auch - nicht aber für die Menschen, die in Privatwohnungen untergekommen sind. "Unser Ziel ist es, dass alle Nutzer selbst Verträge mit ihren Vermietern abschließen." Um auch die Menschen in den Unterkünften intensiver zu betreuen, sind bereits Mittel für eine Betreuungsstelle eingestellt worden - und mit der Genehmigung des Haushaltes auch frei. "Diese Mittel sind für die Caritas, die diese Stelle beantragt hat", sagte Graef.

Das bestätigte Brigitte Krips von der örtlichen Caritas. "Das Antragsverfahren läuft", sagte sie. Krips hofft, dass bis Ende des Jahres eine Entscheidung getroffen ist. Raphaela Hänsch vom Fachdienst Integration und Migration des Kreis-Caritasverbandes ist da nicht ganz so optimistisch: "Derzeit läuft noch die Bewilligung der letzten Runde 2014. Der Fördertopf ist fünffach überzeichnet gewesen." Die Caritas bemühe sich, aber der Fonds, aus dem die Caritas Rhein-Berg Mittel auch für Wermelskirchen beantragen wolle, sei noch nicht ausgeschrieben.

Die Caritas organisiert derzeit die Flüchtlingsberatung vor Ort. Eine offene Sprechstunde für Asylsuchende findet montags von 14.30 bis 16 Uhr im Jugendbüro, Eich 22, statt. Sie startet am 3. August.

Bei der Initiative "Willkommen in Wermelskirchen" werde jetzt überlegt, wie gemeinsam mit Bewohnern der Wohnunterkünfte die Atmosphäre verbessert werden könne. "Wir haben vereinzelt bei unserem Besuch Familien gefragt, ob sie sich wohlfühlen. Das haben sie bejaht", erzählt Brigitte Krips. Bezogen auf die Wohnungen meinte Krips, dass dies eben eine Übergangslösung sei - da müsse man Zugeständnisse machen. "Wir müssen die Menschen frühzeitig begleiten", sagt Krips. Deshalb hoffe man auf die Betreuungsstelle.

Überlegt werde aber auch, Mentoren zu schulen, die den Menschen helfen. Immerhin träfen verschiedene Mentalitäten aufeinander. "Hierfür suchen wir noch Mitstreiter." Inzwischen gibt es in der Initiative Betreuer, die Neuankömmlinge vor allem bei den Wegen zu den Ämtern helfen. "Wir haben Sprachvermittler. Das ist wichtig, um erste Hürden zu überwinden", sagt Brigitte Krips.

Quelle: RP
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