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Wermelskirchen
Uns knutscht das Einhorn zur Matinee

Buntes Jahrmarkttreiben in Wermelskirchen
Wermelskirchen. Hunderte Wermelskirchener feierten am Montag auf der Matinee im "Bermuda-Dreieck" das Straßenfest des Jahres. Das Bier floss in Strömen, die Stimmung war super. Freunde zu treffen, war für die meisten der Hauptgrund zu kommen. Von Beate Wyglenda

Ihre Stimme lässt schon langsam nach. Irgendwo zwischen dem letzten Refrain von Justin Timberlakes Sommerhit "Can't Stop The Feeling" und Dauerbrenner "Atemlos" von Helene Fischer hat Bianca Stades Goldkehlchen einen Knacks bekommen. "Mich wundert, dass meine Stimme überhaupt so lange durchgehalten hat", sagt die 18-Jährige und lacht. Seit gut zwei Stunden feiert sie immerhin schon im "Bermuda-Dreieck" Matinee. Kein Lied wird ausgelassen. Jeden Song singt die Wermelskirchenerin mit, jubelt, schreit, sobald der DJ einen neuen Hit anspielt. Und ans Aufhören ist längst nicht zu denken. "Nur weil meine Stimme schlappmacht, muss ich das doch noch lange nicht tun", ruft Bianca Stade heiser. Recht bekommt sie von ihren Kumpels - wenn auch auf eine eher unkonventionelle Art: "Aber scheiß drauf, Matinee ist nur einmal im Jahr", grölen ihre Freunde von hinten, umarmen das Mädchen und reißen sie schunkelnd mit sich. Bianca und ihr lädiertes Goldkehlchen verschwinden in der Menge.

Was bleibt, ist ein Motto: "Aber scheiß drauf, Matinee ist nur einmal im Jahr", scheint das Grundprinzip der meisten Besucher der Kirmes zu sein. Das Bier fließt in Strömen, die Zapfanlagen sprudeln und ein Biermeter nach dem anderen verlässt die Getränkestände. Auch Bastian Seelig (21) und Matthias Brach (24) haben sich den süffigen Zehner geholt. "Wir sind mit einer Gruppe von sechs Mann hier, da lohnt sich das", sagt der 24-Jährige, der noch drei extra Gläser bestellt. "Wir haben ja keine Lust, ständig anzustehen", ergänzt er. Wie viel Geld die beiden Jungs schon an der Theke gelassen haben, wissen sie gar nicht genau. "Ich glaube, die verdienen schon ganz gut an uns", sagt Matthias Brach lachend.

So gut war die Stimmung auf dem Kirmes-Straßenfest FOTO: Moll, J�rgen

So mancher hat seinen Flüssigproviant auch selbst mitgebracht. Von Wodka-Lemon über Amaretto-Kirsch bis zu Korn-Cola ist in den unzähligen Pfandflaschen auf dem Platz rund um das Hotel "Zur Eich" jede Farbe und jeder Geschmack zu finden. Nicht jedem bekommt der Mix gut. Schon gegen 16 Uhr sind die ersten hysterischen Weinanfälle und Streitigkeiten gerade unter den jungen Besuchern zu beobachten. Aber scheiß drauf, Matinee ist doch nur einmal im Jahr?

Relativ frisch sind dagegen noch Rebecca Pestritu (18) und ihre Freundinnen Louisa Bonekämper (19), Alena Tenel (18) und Jana Hartmann (18). "Wir sind gerade erst gekommen, aber hier geht es ja schon gut ab", sagt Jana Hartmann mit Blick zum Kreisverkehr an der Eich. Auch die Mädels interessieren sich heute weniger für Krammarkt und Fahrgeschäfte und mehr fürs Partymachen auf der Matinee. "Das Tolle ist, dass alle auf einem Platz feiern. Man sieht hier teilweise Leute, die man zwei, drei Jahre nicht mehr gesehen hat. Da freut man sich immer", sagt Rebecca Pestritu. Auch Louisa Bonekämper bestätigt: "Ich find's schön, hier Freunde zu treffen, die man lange nicht mehr gesehen hat. Und das Miteinander ist super."

Auch wenn der Gute nur aus Luft besteht, Carina und Sonja haben ihr Einhorn Ingo zum Knutschen gern. Bleibt nur die Frage, wer den rosa Kavalier mit nach Hause nehmen darf. FOTO: Jürgen Moll

Dann geht es für die vier Freundinnen rein ins Getümmel. Scheu, richtig loszulegen, haben sie nicht. "Jetzt wird Party gemacht - Ohoo", rufen sie mit hochgerissenen Armen, während aus den Boxen zum x-ten Mal das Lied "Die immer lacht" von Stereoact feat. Kerstin Ott läuft. Die Partymeute scheint die Wiederholung nicht zu stören. Lauthals singen sie die gut einprägsamen Liedzeilen mit. Laut und gut genug, dass sich der DJ Michi Schrickel sogar dazu hinreißen lässt, gelegentlich die Musik auszuschalten. Der Sound stimmt, die Stimmung auch.

Angenehm beflügelnd wirkt der Lärm, fast benebelnd die vielen Lichter. An allen Ecken leuchtet, funkelt und blitzt es auf, an allen Ständen dröhnt die Musik. Man muss nur ein paar Schritte laufen, um Justin Bieber zu hören, hundert Meter weiter heizt AC/DC dem Partyvolk ein. Als sei es ein Wettkampf, wer lauter kann, drehen die Bierstände zum Abend die Regler auf. 100 Dezibel in der A-Kurve (dB/A) werden locker erreicht. Es lärmt, es drückt, es riecht auf der Kirmes - aber scheiß drauf, Matinee ist nur einmal im Jahr.

Um sich die Lauferei zur Theke zu sparen, holten sich viele Besucher gleich zehn Gläser Gerstensaft im beliebten Biermeter. FOTO: Jürgen Moll
Quelle: RP
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