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Wermelskirchen
Unterwegs im Kirmestrubel mit den ehrenamtlichen DRK-Helfern

Wermelskirchen. Fünf Tage Kirmes-Trubel ist auch für das DRK eine Herausforderung. Die Helfer erleben belastende, aber auch fröhliche Momente. Von Stephan Singer

Eine Frau kommt zum DRK-Zelt am Loches-Platz. An der Hand blutet sie stark, auf den ersten Blick lässt sich nicht erkennen, um welche Verletzung es sich genau handelt. Schreck, Schock und Schmerz stehen der Dame ins Gesicht geschrieben. Für die DRK-Helfer ist es schon einmal ein gutes Zeichen, dass es die Frau aus eigener Kraft zum Zelt geschafft hat. Sie führen die Patientin in den hinteren Teil des Zeltes. Dort stehen Liegen und Tragen, der Bereich ist für Passanten nicht einsehbar. Als Leiter der "Unfallhilfsstelle" kümmert sich Timo Hahn um die Frau. Es stellt sich heraus: Sie ist mit einem künstlichen Fingernagel an einem Fahrgeschäft hängen geblieben, hat sich dabei den natürlichen Nagel aus dem Nagelbett gerissen - eine Verletzung, bei der jede Berührung schmerzt.

Die DRK-Helfer stoppen die Blutung, stellen den Finger mit einer Bandage ruhig. "Die Patientin muss jetzt zu ihrem Hausarzt. Der wird den verletzten Nagel in steriler Umgebung ziehen, eine langwierige Sache bis der natürliche Nagel nachgewachsen ist", sagt Hahn. Nach der Versorgung liegt die Patientin noch eine halbe Stunde auf der Liege und erholt sich von dem Schock.

Die Einsätze, die die Ersthelfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf der Kirmes erleben (müssen), sind so bunt wie das Leben selbst. Teils schwierig und belastend, aber auch fröhlich, etwa dann, wenn ein vermisstes Kind, das sich in den Menschenmassen verlaufen hat, wieder mit seinen besorgten Eltern zusammengeführt werden kann. Etwa im Stundentakt drehen die Ehrenamtlichen der Bereitschaft des DRK Wermelskirchen ihre Runde über den Rummel - immer mit zwei oder drei Personen. Stationiert sind sie auf dem Brückenweg am Loches-Platz mit dem Hauptanteil der Kräfte, ein weiteres Zelt steht am Schwanenplatz in Höhe der Schwanenschule.

"Üblich sind auf der Kirmes Schürfwunden durch Stürze und Stolperer oder verstauchte Füße, weil jemand umgeknickt ist", berichtet die stellvertretende Bereitschaftsleiterin Ina Schmidt. Die 33-Jährige arbeitet als Reise- und Verkehrskauffrau, seit 2003 ist sie auf fast jeder Kirmes ehrenamtlich im Einsatz gewesen. "Das DRK ist und bleib ein wichtiger Teil meines Lebens", sagt sie.

Ina Schmidt, Physik-Student Darius Schneider (21) und Schülerin Melissa Maccarone (19) drehen an diesem Tag zusammen ihre Runden über die Kirmes. Der Weg führt über den oberen und unteren Loches-Platz, über den Krammarkt bis zur Katt und dann über die Kölner Straße zurück zum DRK-Zelt. Unterwegs haben sie immer eine Erste-Hilfe-Tasche bei sich. Werden sie alarmiert und ist die Notfall-Beschreibung entsprechend, rücken sie auch mit Liege und Sanitätsrucksack aus. Letzterer ist unter anderem mit Sauerstoff und Infusionsbesteck ausgestattet. "Meist sind wir auf der Kirmes bei einem Notfall einige Minuten früher am Einsatzort als der Rettungswagen. Diese kurze Zeit kann entscheidend sein", betont Darius Schneider.

Er erinnert sich an belastende Einsätze: "Wir hatten zum Beispiel den Fall einer vermutlich psychisch labilen Frau. Sie lief Gefahr, sich zu verletzen und ließ sich nicht beruhigen. Das mussten wir und die Polizei machen, der gerufene Notarzt stellte sie schließlich medikamentös ruhig." So etwas zu sehen, nehme einen mit. "Die Gespräche untereinander helfen, um solche Einsätze zu verarbeiten", sagt Schneider.

Quelle: RP
 
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